Aufbruchstimmung am Montagabend an der Gründungsversammlung der Baugenossenschaft «wohnen&mehr»: 15 Wohngenossenschaften, zwei Firmen und 14 Privatpersonen schufen die Basis für eine Baugenossenschaft – und das nach einer Vorarbeit von nur neun Monaten. Eine grosse Genugtuung für Initiant Richard Schlägel und seine Mitstreiter.

«Es braucht neue Kräfte»

«wohnen&mehr» will in der Region Basel bezahlbaren Wohnraum mit guter Qualität schaffen. Anstoss gab die Nach- oder Umnutzung des Felix-Platter-Areals, das die Genossenschaft im Baurecht übernehmen will. Die Baugenossenschaft «wohnen& mehr» sei aber auch eine Reaktion darauf, dass den Genossenschaften vermehrt Areale angeboten würden, die bei den aktuellen Ressourcen nicht übernommen werden könnten. «Hier braucht es neue Kräfte», sagt Richard Schlägel zur bz. Im Prinzip geht es also um die Bündelung der Ressourcen – Kapital und Know-how– in einer «Genossenschaft der Genossenschaften».

Die neue Baugenossenschaft will in der Nordwestschweiz Wohnraum für verschiedene Bevölkerungs- und Altersgruppen schaffen. Doch nicht nur das: Die Genossenschaftsidee soll weiter entwickelt werden. Über das Wohnen hinaus verfolge sie nachhaltige Ziele in den Bereichen Gesellschaft, Soziales, Ökologie sowie Stadt- und Quartierentwicklung. Diese Sicht drückt sich im Namen «wohnen&mehr» aus.

Weitere Unterstützung

Weitere Wohngenossenschaften werden in nächster Zeit dazustossen. Zudem hat «wohnen&mehr» Unterstützungsbeiträge von der Christoph Merian Stiftung, der Wohnstadt, der Wohnbaugenossenschaft Nordwest und der Wohngenossenschaft Bündnerstrasse erhalten. Den Vorstand bilden Richard Schlägel (Präsident), Cornel Baerlocher, Barbara Buser, Andreas Courvoisier, Reto Rütti und Stephan Weippert. In einer Begleitgruppe sind weitere Fachleute vertreten. Die Baugenossenschaft will ihr erstes Wohnprojekt im Grossbasel-West realisieren und dafür das Felix-Platter-Areal im Baurecht übernehmen. Die des Kantons Basel-Stadt hat Ende März entschieden, dass das gesamte Areal für den genossenschaftlichen Wohnungsbau zur Verfügung steht. Nach dem Bezug des Spital-Neubaus Ende 2018 könnten auf dem Areal 500 bis 550 neue Wohnungen entstehen – ein 200-Millionen-Investment.

Felix-Platter-Areal: Zurückhaltung

Bereits vor einiger Zeit hatte das Felix-Platter-Areal zu Diskussionen über dessen künftige Nutzung geführt. Die Verantwortlichen der neuen Genossenschaft äussern sich diesbezüglich sehr zurückhaltend: Sie wollen kein Porzellan zerschlagen. Es bleibe abzuwarten, wie es nun weiter gehe, sagt Andreas Courvoisier. Dies gelte sowohl in Bezug auf die Nutzungsplanung durch die Behörden als auch in Bezug auf die bestehenden Bauten. «Wenn es sich zu einem späteren Zeitpunkt zeigen sollte, dass es für eine Umnutzung Spielraum gibt, so sei die Baugenossenschaft «wohnen&mehr» bereit, eine Umnutzung zu prüfen.» Im Vordergrund steht aber im Moment der Aufbau der Baugenossenschaft.

Das Quartier ist heute schon ein Schwerpunkt des genossenschaftlichen Wohnungsbaus: In unmittelbarer Nachbarschaft des Areals sind zahlreiche Wohngenossenschaften beheimatet.

In den Sommermonaten werden nun zwischen den Behörden, dem Regionalverband der Wohngenossenschaften (WBG Nordwestschweiz) und der Baugenossenschaft «wohnen&mehr» Gespräche zur weiteren Zusammenarbeit geführt. Sollte es in Zukunft Spielraum zur Umnutzung bestehender Gebäude geben, so wird «wohnen&mehr» diese Variante prüfen.

Anteilschein ab 5000 Franken

Anteilscheine für Private und Genossenschaften bis zu 200 Wohnungen kosten 5000 Franken, ab 200 Wohnungen 10 000 Franken. Sie sind vorerst unverzinst. Neu-/Umbauten werden dereinst separat finanziert. Verschiedene Finanzierungsmodelle sind in Vorbereitung.