Klingental-Fähre
Die neue Fähre wird nicht auf dem Rhein, sondern auf dem Zürichsee getestet

Bei den ersten Tests auf dem Wasser steht eigentlich das Technische im Vordergrund. Das grösste Interesse der Delegation der Basler Fähri-Stiftung weckt jedoch das Optische.

Andreas Maurer
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Klingental-Fähre: Jetzt fehlt nur noch der Vogel Gryff
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Markus Manz, Materialchef der Fähristiftung, auf der neuen Fähre.
Letzte Arbeiten stehen noch an.
Fährimaa Urs Zimmerli begutachtet den Entwurf des Vogel Gryffs.
Hier wird künftig Fondue gegessen.

Klingental-Fähre: Jetzt fehlt nur noch der Vogel Gryff

Andreas Maurer

Wie soll der Vogel Gryff auf der Aussenwand genau abgebildet werden? Die St. Galler Bootsbauer schlagen vor, den Vogel Gryff auf der einen Seite spiegelverkehrt anzubringen. Das kommt jedoch nicht infrage: Der Vogel Gryff muss immer mit seiner Rechten grüssen und den blau-weissen Stab in der Linken halten.

Das Aussehen der neuen Basler Klingental-Fähre ist ein heikles Thema. Penibel auf die Tradition achtet Fährimaa Urs Zimmerli. Beim Entwurf der Ausschreibung hat er sich durchgesetzt: Ihre traditionelle Form behält die Vogel-Gryff-Fähre bei. Mit dem Resultat ist Zimmerli sehr zufrieden. Leichte Kritik übt er nur an den Fenstern, die vorschriftsgemäss grösser sind als bei der heutigen Fähre: «Ein Fondue-Essen ist dadurch nicht mehr so heimelig. Dafür haben wir beim Fahren bessere Sicht.»

Auch Niggi Schoellkopf, Ehrenpräsident des Fähri-Vereins, ist hocherfreut. «Der Neubau ist sehr elegant. Und das Geländer ist praktisch für ältere Leute.» Die moderne Umsetzung gefällt dem Mitbegründer des Basler Fähri-Vereins: «Eine Fähre ist ja kein heimatgeschützter Artikel.» Die neue Klingentalfähre bricht mit der Tradition: Es ist die erste Basler Fähre mit einer Schale aus Kunststoff. Im Vergleich zu einem reinen Holzbau können damit die verschärften Normen einfacher erfüllt und der Unterhalt vereinfacht werden.

Amüsiert beobachtet Bootsbauer Kurt Helbling, wie die Basler die neue Fähre in seiner Werft am Zürichsee begutachten. In seinen «mindestens 2500 Arbeitsstunden», die er bisher in den knapp 400 000 Franken teuren Neubau investiert hat, hat er sich mehr Gedanken über die Technik als um die nun bevorstehende Bemalung gemacht. Am «kribbligsten» sei er bei der Gewichtsmessung gewesen. Erleichtert atmet er auf, als die Waage rund 3,8 Tonnen anzeigt. Die Vorgabe ist erfüllt.

Auch Rheinpolizist ist zufrieden

Extra nach Zürich gereist ist auch der Basler Rheinpolizist Thomas Schwitter. Im Auftrag des Bundesamts für Verkehr begleitet er die ersten Tests und führt die Abnahme durch. Dass die ersten Versuche nicht auf dem Rhein stattfinden, sei normal. Das Rhytaxi etwa wurde erstmals auf dem Bodensee getestet. Ob etwa die Schwerpunkte eines Schiffs richtig berechnet wurden, lässt sich genau so gut auf einem See wie auf einem Fluss testen. Für den Bootsbauer ist es einfacher, wenn er die Fähre für kleine Anpassungen nicht weit transportieren muss. Viel nachbessern wird er jedoch nach den ersten Einschätzungen des Rheinpolizisten nicht müssen. Schwitter verrät auch sein ganz persönliches Urteil: «Die neue Klingental-Fähre ist ein gelungener Wurf. Sie kombiniert altes und neues Design geschickt.»

Erstmals in Basel gesichtet werden kann die neue Vogel-Gryff-Fähre Anfang August. Dann finden der erste Fahrversuch am Gierseil und die definitive Abnahme statt. Das Datum hält die Fähri-Stiftung jedoch geheim, um einen grossen Menschenauflauf zu verhindern. Bis zur Taufe müssen die Basler noch 52-mal schlafen: Am 25. August am Klingentalfest ist es so weit.