Guide Michelin
Die Nordwestschweiz als Aufsteiger-Region des Jahres

Neben den etablierten Lokalen in Basel gibt es immer mehr Sterne-Restaurants in der Agglomeration. Fünf der 18 neu mit einem Stern ausgezeichneten Schweizer Restaurants befinden sich in unserer Region.

Hans-Martin Jermann
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Restaurant Sonne in Bottmingen
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Dessertkreationen von Phillipe Bamas.
Das Team vom Restaurant Sonne: Kevin, Sathees, Cyrill, Chatchai, Marco, Louis, Muriel Brennwald-Bamas, Massimo und kniend Phillippe Bamas mit Anais und Jeremy (v.l.n.r.).
Der Chef Phillippe Bamas vor seinem Restaurant.

Restaurant Sonne in Bottmingen

Kenneth Nars

Die Nordwestschweiz ist in der heute erscheinenden Ausgabe 2015 des renommierten Guide Michelin die Aufsteiger-Region des Jahres: Nicht weniger als fünf der 18 neu mit einem Stern ausgezeichneten Schweizer Restaurants befinden sich unserer Region. Die Zahl der Sterne-Restaurants steigt gemäss der Gourmet-Bibel somit auf einen Schlag von sechs auf zehn. Ein Restaurant ist von der Liste gestrichen worden.

Das sind die Sterne-Restaurants der Region Basel

** Cheval Blanc (Les Trois Rois), Basel, Peter Knogl
** Stucki, Basel,Tanja Grandits
* Bel Etage (Teufelhof), Basel, Michael Baader
* Les Quatre Saisons, Basel, Peter Moser
* Matisse, Basel, Erik Schröter
* Restaurant Sonne, Bottmingen, Philippe Bamas
* Landgasthof Talhaus, Bubendorf, Gianluca Garigliano.
* Osteria Tre, Bubendorf, Flavio Fermi
* Martin, Flüh, Manfred Möller
* Schlüssel, Oberwil, Felix Suter

Neben der bereits reich mit Gourmettempeln gesegneten Stadt Basel gibt es immer mehr solche Lokale auf dem Land. Vier der fünf Neuzugänge entfallen denn auch auf die Agglomeration; das Restaurant Sonne in Bottmingen, der Landgasthof Talhaus in Bubendorf, der «Schlüssel» in Oberwil sowie das «Martin» in Flüh im Schwarzbubenland. Ein Comeback gibt es in der Stadt: Das vor kurzem wieder eröffnete und für 2015 mit einem Michelin-Stern dekorierte «Les Quatre Saisons» von Peter Moser hatte diese Auszeichnung bereits von 1994 bis 2012. Streng genommen kein Neuzugang stellt auch der «Schlüssel» in Oberwil dar: Felix Suter zauberte zuvor in der Küche der Säge in Flüh und hat den Stern ins neue Lokal mitgenommen. Und Martin (ebenfalls Flüh) verfügte vor Jahren ebenfalls über einen Michelin-Stern.

Überraschung in Bottmingen

Von den zehn im Guide Michelin mit Sternen versehenen Restaurants sind deren neun auch im Konkurrenz-Führer Gault Millau verzeichnet. Ihre Aufnahme in den Guide Michelin 2015 kommt somit nicht ganz überraschend. Gault Millau listet in der Region Basel aktuell 22 Restaurants auf; mit 19 von 20 Punkten (Kochhauben) am höchsten dekoriert ist das «Cheval Blanc» im Basler Nobelhotel Les Trois Rois. Ein nun mit einem Michelin-Stern geadelter Koch fehlt allerdings bei Gault Millau: Philippe Bamas vom Restaurant Sonne in Bottmingen. Der aus der Provence stammende Spitzenkoch verfügt erstmals, seit er sich selbstständig gemacht hat, über diese Auszeichnung – und ist sehr glücklich: «Für einen Koch gibt es keine bedeutendere Anerkennung für seine Arbeit als einen Stern im Guide Michelin.» Bamas verhehlt nicht, dass mit der Aufnahme in die Sterne-Gilde die Hoffnung verbunden ist, dass sich dies in einer Zunahme der Kundschaft niederschlägt.

Lockere Sterne-Beizen im Trend

Bis vor kurzem hinkte die Region Basel traditionellen Gourmet-Hochburgen wie der Genferseeregion und Tourismus-Destinationen wie St. Moritz oder Zermatt hintennach. Dies scheint sich nun zu ändern. Neben den unbestrittenen Basler Top-Adressen «Cheval Blanc» (Peter Knogl) und «Stucki» (Tanja Grandits), die beide zwei Michelin-Sterne aufweisen, legt die Region vor allem bei den etwas preisgünstigeren und vom Ambiente her zwangloseren Einsterne-Gastronomen zu. Der Trend gehe in der gesamten Deutschschweiz hin zu kulinarischen Genüssen in lockerer Atmosphäre, halten die Verfasser des Guide Michelin fest. Auch Tobias Eggimann, Geschäftsführer von Baselland Tourismus, hat festgestellt: «Die Spitzengastronomie ist weniger elitär als noch vor zehn, zwanzig Jahren.»

Doch weshalb ist dieser Trend hin zu lockeren Top-Restaurants in unserer Region ausgeprägt spürbar? Der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff hat zwei Erklärungen: Erstens sei wegen der starken und zuletzt krisenresistenten regionalen Wirtschaft die Nachfrage der heimischen Kundschaft gestiegen. Eine Rolle spiele sicher auch die steigende Zahl der hier lebenden, hoch qualifizierten ausländischen Arbeitskräfte (Expats). Zweitens ist Egloff überzeugt, dass die steigenden Tourismuszahlen ihren Beitrag zum Boom leisten. Im Gegensatz zu den Schweizer Bergregionen, die in den letzten Jahren heftige Einbussen bei den Übernachtungszahlen hinnehmen mussten, haben die Zahlen in den Städten zugenommen. Ein hochstehendes Angebot in der Gastronomie passe bestens zur Vermarktung Basels als Kulturstadt. «Die internationale Klientel, die unsere Basler Museen besucht, geht auch gerne gut essen», bringt es Egloff auf den Punkt.

Im Baselbiet dürfte das Angebot in der Spitzengastronomie weniger von der Entwicklung im Tourismus, als von der regionalen Kundschaft abhängen. Und diese weicht angesichts eines bereits sehr guten Angebots in der Stadt immer mehr auch auf die Landschaft aus. Allerdings konzentriert sich die Spitzengastronomie im Landkanton im Wesentlichen auf zwei geografische Schwerpunkte: Eine Gourmet-Strasse zieht sich von Binningen durchs Leimental bis nach Flüh im Schwarzbubenland. Entlang dieser Route finden sich eine gute Handvoll Gault-Millau- oder Michelin-Restaurants.

«Das Gute zieht das Gute an»

Dass in den Leimentaler Gemeinden der Anteil zahlungskräftiger Einwohner hoch ist, wird ein Grund für die Konzentration an Gourmetlokalen sein. Aber nicht nur: «Das Gute zieht das Gute an», sagt Enrique Marlés, Präsident von Gastro Baselland. Wo es bereits hochstehende Restaurants hat, stehen die Chancen gut, dass weitere in die Nähe ziehen. Früher war ein solcher Gourmet-Hotspot die 3000-Einwohner-Gemeinde Hofstetten-Flüh mit zwei Gourmettempeln im kleinen Ortsteil Flüh. Aktuell bildet Bubendorf ein solches lukullisches Cluster mit drei Gault-Millau-Restaurants (zwei davon mit einem Michelin-Stern). «Hier zeigen sich die Verdienste, die vom traditionsreichen Hotel Bad Bubendorf ausgehen», sagt Marlés. Die dortige Osteria Tre ist den Liebhabern hochstehender mediterraner Küche seit Jahren bekannt. Der ehemalige Osteria-Koch Gianluca Garigliano hat im Spätsommer 2013 einen knappen Kilometer entfernt im Talhaus – zuvor eine Lastwagenbeiz – ein eigenes Gourmetlokal eröffnet. Bubendorf liegt zudem verkehrstechnisch günstig unweit von Liestal am Ausgang von Waldenburger- und Fünflibertal – ideal gelegen auch für Städter, die am Abend oder am Wochenende einen Ausflug aufs Land machen wollen.

Tourismusdirektor Eggimann ist überzeugt, dass die zunehmende Dichte an Spitzenrestaurants generell gut ist für die Baselbieter Gastronomie: «Die Spitzenqualität, die in den Sterne-Restaurants zelebriert wird, wirkt befruchtend auf andere Köche.» Davon profitieren letztlich auch jene Beizengänger, die eine währschafte Bratwurst der Haute Cuisine vorziehen.