Die Lokomotive der regionalen Wirtschaft wird auch in diesem Jahr die Pharmaindustrie sein. «Die Stimmung in der Branche ist gut», sagt Martin Eichler, Chefökonom der BAK Basel Economics im Gespräch mit der bz. «Wir haben die Prognose für die Schweizer Wirtschaft für das Jahr 2017 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent nach oben angepasst.» Im regionalen Vergleich wird die Nordwestschweiz wegen der starken Pharmalastigkeit überdurchschnittlich wachsen. Der Abstand zu den anderen Regionen wird sich sogar weiter vergrössern, sagt Eichler. Im vergangenen Jahr lag die Differenz zum Schweizer Durchschnittswachstum bei einem halben Prozent.

Die BAK ist derzeit daran, die regionalen Detailprognosen zu erarbeiten. Sie dürften noch diesen Monat vorliegen. Auch andere regionale Branchen sind passabel unterwegs.

Die anderen Branchen

Nachdem die Bauwirtschaft im vergangenen Jahr vor allem im Baselbiet eine eher schwache Phase gehabt hat, wird sie im neuen Jahr in beiden Basler Kantonen an Schwung gewinnen, sagt Eichler voraus. Wegen der zahlreichen geplanten Investitionen dürfte die Baubranche 2017 dabei vor allem im Kanton Basel-Stadt im schweizerischen Vergleich überdurchschnittlich wachsen.

Der Finanzsektor legt gegenüber dem Vorjahr etwas zu, leidet aber noch immer unter den Negativzinsen, die auch heuer nicht verschwinden werden. Das Wachstumspotenzial ist somit beschränkt.

Im Kanton Baselland dürfte der Maschinenbau und weitere Investitionsgüterproduzenten wie beispielsweise aus der Feinmechanik von der stärkeren weltweiten Investitionstätigkeit profitieren.

Von der zunehmenden Exportdynamik wird die regional bedeutsame Logistik profitieren.

Der Gesundheitssektor wächst im Moment relativ langsam, aber die BAK geht davon aus, dass es sich um eine vorübergehende Erscheinung handelt. Die Branche bleibe Wachstumstreiber, heisst es bei der BAK.

Das Gastgewerbe legt gemäss einer Studie der Basler Kantonalbank (die sich auf die BAK stützt) in diesem Jahr 1,4 Prozent zu.

Schwacher Privatkonsum

Der private Konsum wächst insgesamt relativ schwach. Diese für den Detailhandel nachteilige Tendenz wird in der Grenzregion wegen des Einkaufstourismus noch verstärkt. Zwar dürfte die Steigerung des Einkaufstourismus allmählich abgeschlossen sein. So lange die Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem umliegenden Ausland so gross sind, ist jedoch auch nicht mit einer spürbaren Abnahme des grenzüberschreitenden Konsums zu rechnen.

Im kommenden Jahr dürften die Reallohnsteigerungen tiefer ausfallen, da auch da wieder mit einer positiven Inflationsrate zu rechnen ist. Zusätzlich schwächt die geringere Einwanderung den Zuwachs der Einkommensbasis.

Nur leicht weniger Arbeitslose

Die Arbeitslosigkeit habe die Spitze erreicht, eventuell komme es zu einem ganz leichten Rückgang. Aber grosse zusätzliche Impulse seien 2017 noch nicht zu erwarten. Die Zahl der Erwerbstätigen werde wegen der geringeren Zuwanderung auch nicht mehr so stark steigen.

Die BAK erwartet, dass die Weltwirtschaft trotz aller politischen Risiken in den nächsten Quartalen an Schwung gewinnen wird. Nach dem insgesamt verhaltenen Jahr 2016 (globale Wirtschaftsleistung +2,3%) werden für die Jahre 2017 und 2018 Wachstumsraten von 2,6 bzw. 2,9 Prozent prognostiziert.

Der Franken bleibt ein Risiko

Die grössten «Abwärts-Risiken» liegen bei einem steigenden Frankenkurs und einer weltweiten Abschwächung. Die Frage ist, was diese jeweils auslösen könnte. Beim Franken ist eine Ausweitung der Probleme im (europäischen) Bankensektor wie in Italien ein möglicher Auslöser. Bezüglich der Weltwirtschaft herrscht einerseits Unsicherheit über den wirtschafts- und handelspolitischen Kurs von US-Präsident Donald Trump, andererseits sind die diversen geopolitischen Krisenherde (Syrien, Russland, Südchinesisches Meer) als mögliche Auslöser zu nennen.

MEI bringt Unsicherheit

«Dazu sehen wir weiter ein grosses innenpolitisches Risiko bezüglich der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und damit verbundener Diskussionen/Initiativen», sagt Eichler. Auch wenn die Schritte zur Umsetzung der letzten Zeit das Risiko reduziert haben, sei dieses bei weitem noch nicht verschwunden.

Unsicherheit geht von den möglichen oder geplanten Übernahmen von Actelion und Syngenta aus. Actelion verhandelt derzeit mit dem US-Konzern Johnson & Johnson. Angedacht ist eine Aufspaltung der Firma in einen Forschungs- und Produktionsteil. Der Agrokonzern Syngenta soll von Chem China übernommen werden. Allerdings scheint der Zeitpunkt wieder offen zu sein, nachdem die chinesische Regierung beschlossen hat, die Zukäufe chinesischer Firmen im Ausland nochmals zu überprüfen.

Novartis

Novartis blickt zuversichtlich in das kommende Jahr. Die neuen Wachstumsprodukte und die Produktpipeline hätten sich in diesem Jahr gut entwickelt, sagt ein Firmensprecher. Mit positiven Zulassungsentscheidungen und Veröffentlichungen bedeutender Daten aus klinischen Studien habe Novartis in den letzten Monaten weitere Fortschritte in der Pipeline erzielt. Mit der Fokussierung auf die Kerngeschäftssegmente innovative Pharmazeutika, Augenheilkunde und Generika (Sandoz) sowie der Schaffung spartenübergreifender Synergien sei Novartis gut für die Zukunft aufgestellt.

Roche

Für Roche wird 2017 ein wichtiges Jahr. Einige Krebsmedikamente wie etwa Herceptin und Mabthera werden wegen Wegfalls des Patentschutzes Konkurrenz durch sogenannte Biosimilars erhalten. Andererseits lanciert Roche fünf neue Produkte im Bereich der Krebs-Immuntherapie; vier davon sind schon zugelassen. Die starke Forschungstätigkeit wird anhalten. In Basel steht der Baubeginn des zweiten Roche-Turms («Bau 2») an, der noch höher wird als der erste. In Kaiseraugst wird in der zweiten Jahreshälfte das neue IT-Zentrum eröffnet. Roche lanciert eine Reihe neuer Produkte, von deren fünf sind vier schon zugelassen: so Tecentriq (Krebsimmuntherapie) und das MS-Medikament Ocrevus.

Rapp

Schweizweit sei auch 2017 eine gewisse Zurückhaltung der Industrie bei inländischen Investitionen zu erwarten. Dies wirke sich verschärfend auf das Marktumfeld für Planerleistungen aus, heisst es bei der Planungsfirma Rapp. Die Region Nordwestschweiz sei dank der Pharmaindustrie weiterhin privilegiert. Die Projekt-Pipeline im öffentlichen Infrastrukturbau ist gut gefüllt, wobei hier «leider» die Margen weiter erodieren würden. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften wird weiter zunehmen, das beginnende Ausscheiden der Baby-Boomer aus dem Berufsleben ist bereits spürbar. Trotz allem hat sich die Rapp Gruppe für 2017 ambitionierte Ziele gesetzt.

Cron

Die Baufirma Jean Cron AG werde, wenn man die Auftragslage anschaut, dass neue Jahr gut beginnen. «Wir konnten vor kurzem einige Aufträge akquirieren», sagt Firmenchef Patrice Cron. Die Prognosen seien angesichts der weiterhin tiefen Zinsen ebenfalls positiv. Der Firma, die von vielen privaten Auftraggebern lebt, helfen die Gebäude-Energiesparprogramme des Bundes. «2016 war ein Jahr mit ziemlichen Schwankungen, das unter dem Strich zufriedenstellend endete», bilanziert Cron. Einem schwachen Winter folgte ein anziehender Frühling und ein hektischer Sommer. «Das Geschäft wird immer kurzfristiger», stellt Patrice Cron fest.

Basler Kantonalbank

Ein langjähriges Negativzinsumfeld stellt alle Banken vor grosse Herausforderungen, die Ertragslage und die Renditen der vergangenen Jahre zu halten. Die Basler Kantonalbank (BKB) begegne diesem, indem sie weiterhin ihre Prozesse überprüft und ihre Dienstleistungen und Geschäftsfelder ausbaut. Der Konzern BKB wird deshalb einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in seine Filialen sowie die Digitalisierung der Kundendienstleistungen investieren, um einerseits die Zukunft zu sichern, und anderseits den Marktanteil deutlich zu erhöhen.

Baloise

Die Baloise schaut auf ein ereignisreiches Jahr zurück, das prägend für das nächste halbe Jahrzehnt sein wird. Gert De Winter habe erfolgreich das Steuer des Traditionshauses übernommen und es geschafft, einen neuen Kurs einzuschlagen, ohne dabei die in der Vergangenheit immer wieder bewiesenen Stärken über Bord werfen zu müssen, kommentiert ein Mediensprecher. Die Gruppe werde im laufenden Jahr ihr Kerngeschäft erweitern. Weitherum sichtbar ist die Baustelle des Baloise Parks am Aeschengraben in Basel. Die Grundsteinlegung findet im Sommer 2017 statt.

Panalpina

Panalpina hat in der Schweiz und in der Region Basel nicht zuletzt wegen der pharmazeutischen Industrie einen soliden Kundenstamm. «Mit Blick auf 2017 sind wir für unser Geschäft grundsätzlich optimistisch. Aber der Planungshorizont ist in den vergangenen Jahren immer kürzer geworden. Geschäfte kommen und gehen binnen weniger Wochen und Monate», erklärt Firmensprecher Sandro Hofer. «Vor fünf Jahren konnten wir noch auf ein halbes Jahr hinaus zuverlässig planen. Heute ist das vielleicht noch für einen Monat realistisch.» Die politische und wirtschaftliche Volatilität hat und wird im internationalen Kontext weiter zunehmen. «Das ist die einzige zuverlässige Prognose, die sich machen lässt.»

Bell

Ein Fokus im Jahr 2017 wird auf der Integration der in den vergangenen Monaten getätigten Akquisitionen liegen. «Mit dem Ausbau der Aktivitäten in den Warenbereichen Fleisch, Convenience und Schnittsalaten untermauern wir die eingeschlagene Entwicklung vom Fleischverarbeiter zu einem Anbieter von frischen Lebensmitteln», sagt Bell-Sprecher Davide Elia. Zudem starte Bell 2017 voraussichtlich mit den ersten Bauvorhaben des angekündigten umfassenden Neu- und Umbauprojekts an den Schweizer Standorten Basel und Oensingen.

Straumann

Der globale Markt für Zahnimplantate zeigt eine stabile, positive Entwicklung. Über die ersten neun Monate 2016 hat Straumann das Marktwachstum um mehr als das Doppelte übertroffen und Marktanteile in allen Regionen hinzugewonnen. Um der starken Nachfrage nach den Premium- und Non-Premium-Produkten nachzukommen, erweitert Straumann die Produktionskapazitäten vor allem in der Schweiz und in Brasilien, was auch mit der Entstehung von neuen Arbeitsplätzen verbunden sein soll. Die volle Entwicklungspipeline lässt eine Vielzahl von neuen Produkten in den kommenden Jahren erwarten. Straumann ist zuversichtlich, auch im kommenden Jahr wieder schn