Basel
Die Oetlingerbuvette bietet einen privaten Grill für die ganze Stadt

Der Staat liebäugelt mit einer Grill-Auflage für die Betreiber – daran bezahlen will er aber nichts. Die Betreiber der Oetlingerbuvette am Rhein muss sich selber finanzieren, der Staat bezahlt ihnen nichts an den Gemeinschaftsgrill.

Martina Rutschmann
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Noch sitzen die Betreiber der Oetlingerbuvette Eva und Simon Baudenbacher gemütlich auf ihrem neuen Grill. Sobald die Buvette offen ist, werden hier Dutzende Rheinbord-Besucher Würste braten. Roland Schmid

Noch sitzen die Betreiber der Oetlingerbuvette Eva und Simon Baudenbacher gemütlich auf ihrem neuen Grill. Sobald die Buvette offen ist, werden hier Dutzende Rheinbord-Besucher Würste braten. Roland Schmid

Roland Schmid

Was haben sie sich gewundert! Da stand im Spätsommer vergangenen Jahres plötzlich ein Sparschwein bei der Oetlingerbuvette. Auf einem Zettel hiess es, die Betreiber sammelten Geld für einen neuen Grill. Die Gäste wunderten sich, dass die Geschwister Eva und Simon Baudenbacher nicht einfach beim Staat die hohle Hand machen. Denn davon gingen sie aus: Der Staat zahlt – und die Geschwister kümmern sich um den Grill-Betrieb.

So ist es nicht. Und so war es nie. Im Gegenteil: Das Team erhielt bisher keinen Rappen vom Staat für die Kosten, die der öffentliche Grill verursacht. Daran soll sich auch nichts ändern: «Es ist bei uns kein Thema, die Betreiber finanziell zu unterstützen», sagt Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) zur bz.

Und das, obwohl der Gemeinschaftsgrill dem Staat sehr entgegen kommt: Im Umkreis von 200 Metern rund um die Buvette ist die Anzahl der bei Verwaltung und Anwohnern ungeliebten Einweggrills seither erheblich gesunken. Das wiederum bedeutet: Es stinkt und raucht weniger.

Bei der Verwaltung beobachtet man diese Entwicklung mit Freude und Interesse. Es bestehe sogar die Möglichkeit, einen Grill als Teil der Buvette «künftig zur Auflage zu machen», sagt Marc Keller. «Zuerst werten wir aber den fünfjährigen Versuch bei der Oetlingerbuvette aus.»

Die Erfolgsgeschichte ist jedoch bereits jetzt, in der Halbzeit, geschrieben. Sie nahm ihren Anfang vor drei Jahren, als sich die soziokulturellen Animatoren Eva und Simon Baudenbacher um die Buvette bewarben. Teil ihres Konzepts war der öffentlich zugängliche Grill. Diese Idee gefiel den Verantwortlichen im BVD so gut, dass sie dem Geschwister-Team explizit wegen des Grills als Bestandteil den Zuschlag erteilten.

Andere Betreiber nicht interessiert

Während der sechs Buvette-Monaten stehen seither dutzende Rheinbord-Besucher an, um ihre Wurst oder den Burger auf dem Gemeinschaftsgrill zu braten – sofern es nicht regnet oder kalt ist. Die meisten Grilleure bringen ihr Fleisch selber mit, nur ein kleiner Teil kauft die Würste bei der Buvette. Reich werden die Geschwister nicht mit dem Grill. Darum ging es ihnen auch nie.

«Unser Ziel war es, auf diesem Weg die Verständigung verschiedener Kulturen im öffentlichen Raum zu fördern», sagt Eva Baudenbacher. Sie wollten ein Stück der Verantwortung übernehmen, die sie als Teil der Gesellschaft hätten, sagt sie. Zwei Jahre hielt der erste Grill, bis er Ende vergangenen Sommers den Geist aufgab. Für 6500 Franken kaufte das Team nun einen neuen Elektro-Grill für die jetzige Saison, die an der Oetlingerbuvette am 11. April beginnen soll. Ein Zehntel des Grillgeldes stammt vom Sparschwein. Die restlichen knapp 6000 Franken zahlten die Geschwister aus dem eigenen Sack, hinzu kommen im Sommer bis zu 1500 Franken monatlich für den Buvetten-Strom, von dem ein grosser Teil vom Grill verbraucht wird.

«Wir zahlen uns selber nur einen kleinen Lohn für sehr viel Arbeit aus», sagt Eva Baudenbach ohne Groll. Doch nicht alle Betreiber der vier Buvetten am Kleinbasler Rheinbord denken aus dieser soziokulturellen Perspektive. Entsprechend wenig begeistert waren sie, als die BVD-Verantwortlichen prüften, ob es möglich wäre, alle Buvetten mit einem Grill zu versehen: «Wegen des zusätzlichen Aufwandes ist kurzfristig kein anderer Buvette-Betreiber bereit, eine Grillstelle einzurichten», sagt Marc Keller. Ein Grill passe zudem nicht überall ins Konzept und bei der Florabuvette fehle der Platz.

Für die Geschwister wären weitere Grills eine Erleichterung: «Wir können nur einen kleinen Teil des Bedürfnisses abdecken», sagt Eva Baudenbacher. Das könnte sich ändern, wenn die anderen Betreiber neue Bewilligungen beantragen müssen. Als erste Bewilligung läuft die der Rhyschänzli-Buvette aus: Bereits für die Saison 2016 muss eine neue her.