Morgen Donnerstag stellt das Fasnachts-Comité die Blaggedde für die kommende Fasnacht vor. Aber es wird diesmal nicht die einzige sein, die das Revers vieler Fasnächtler ziert. Denn eine der traditionsreichsten Cliquen an der Basler Fasnacht probt den Aufstand gegen die Fasnachts-Obrigkeit. Und will diesen mit dem Verkauf einer eigenen Plakette finanzieren.

Dauerstreit ist eskaliert

Krach mit dem Fasnachts-Comité, das gehört zu einer Basler Cliquengeschichte dazu. Insbesondere wenn es eine der längsten ist, nämlich jene der Olympia, die seit 1908 an der Basler Fasnacht mittut. Böse Worte über das Comité, die «Herren und Damen mit Hut», sie gehören zu einem Fasnächtlerstammtisch, wie das Rugeli und die lätschigen Frikadellen. Doch dass es eine Clique, noch dazu eine so alteingesessene, auf einen echten Streit mit den Fasnachtsoberen ankommen lässt, ist sehr ungewöhnlich.

Und doch, die Olympia verzichtet dieses Jahr darauf, an der offiziellen Fasnacht des Comités mitzutun. Und damit auch auf die Einnahmen aus dem Verkauf der Fasnachtsplaketten.

Dario Conti, der bei den Olympern als Chef Fasnacht amtet, erklärt den Schritt mit der zunehmenden «Regulierungswut» des Comités: «Das geht so weit, dass wir sagen: Das Comité verdirbt uns den Spass an der Fasnacht. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu negativen Ereignissen. Nicht nur bei uns beobachten wir einen wachsenden Missmut gegenüber dem Comité.»

Letztes Ausrufezeichen im Streit um die Regulierung der fasnächtlichen Kunst und Kreativität sei die Aufnahme der Fasnacht ins Unesco-Weltkulturerbe gewesen, schreibt die Olympia an die Medien: «Das Gütesiegel für die Mainstreamisierung der Fasnacht wurde mit dem Unesco-Eintrag erreicht, was mit dem Ausverkauf der Tradition als Touristen-Attraktion einhergeht.»

Beim Fasnachts-Comité sorgt die Ankündigung der Olymper für wenig Unruhe. «Wir nehmen das zur Kenntnis und freuen uns auf einen spannenden Zug», sagt Comité Obmann Christoph Bürgin gegenüber der bz. Die Olymper nehmen übrigens auch am Drummeli teil, der Vorfasnachtsveranstaltung des Comités.

Eigentlicher Hintergrund des Streits dürfte sein, dass das Comité nach der letzten Fasnacht den Olympern zehn Prozent der Subventionen abgezogen hatte. Weil die Clique sich am Mittwochnachmittag nicht an die Regeln gehalten hatte, wie eine Clique einzustehen habe. Die Olymper «fädelten ein», statt den kompletten Zug auf der Route aufzustellen. Sie hätten gar keinen Platz für ein regelkonformes Aufstellen gehabt, so das Argument der Fasnächtler. Laut Conti habe dieser Abzug von rund 1100 Franken «intern zu grossem Unmut» geführt. Besonders, weil sich im Jahr davor die Olymper und das Comité schon wegen des Auftritts am «Drummeli» in die Haare geraten waren.

Wichtig oder nur Wichtigtuer?

«Das Comité spielt sich auf», sagt Conti. «Wir sind nur noch dazu da, den Bückling zu machen. Das geht so weit, dass sich Cliquen nur noch für das Comité herausputzen, nicht mehr um der Fasnacht willen. Es hat sich vonseiten des Comités eine Kultur eingebürgert, die Kunst zu bewerten und zu strukturieren.»

Nun gibt es keinen Zwang, an der Fasnacht von Comités Gnaden teilzunehmen. Doch das Comité organisiert nicht nur den Fasnachtsablauf, es verteilt auch den Erlös aus dem Plakettenverkauf als Subventionen an die Cliquen. Und macht Abzüge. Hier ist seit Jahrzehnten die Kritik am lautesten. Denn niemand weiss, wie viel Geld das Comité einnimmt, wie viel davon ausgeschüttet wird, und nach welchem Schlüssel. «Mit der Vergabe der Subventionen verfügt das Comité über ein sehr starkes Instrument», sagt Conti. «Diese sind ein wichtiger Teil des Fasnachtsbudgets von Stammcliquen, die ja auch Junge Garden ausbilden.»

Geschlossen über die Brücke zum letzten Marsch vor dem Kaffi Spitz: Ändstraich mit der Olympia

Geschlossen über die Brücke zum letzten Marsch vor dem Kaffi Spitz: Der Ändstraich 2017 mit der «Olympia»

Nun nimmt man bei den Olympern in Kauf, an der kommenden Fasnacht gar keine Subventionen zu bekommen. Und sich möglicherweise Kritik anderer Fasnächtler auszusetzen. Darum weiss Conti: «Wir machen etwas, was eigentlich ‹drnääbe› ist: Wir lancieren unsere eigene Plakette». Diese sei bei den Cliquen-Mitgliedern für acht Franken erhältlich. Den Hochrechnungen zufolge könne die Olympia damit die finanziellen Einbussen aus den fehlenden Subventionen ausgleichen.»

Wie man an der Fasnacht dem Comité begegnen will, dazu sagt Conti nichts. Nur so viel: «Das werden wir noch sehen, in welcher Form wir uns bemerkbar machen.» Die Olymper haben nun ein Sujet und die übrigen Fasnächtler ein Thema für den ersten Halt.