Alles halb so wild? Die Auslandsnachfrage entwickle sich gut, weltweit ist eine wirtschaftliche Erholung im Gang. Und die Region Basel werde davon profitieren, sind die Prognostiker der Basler Kantonalbank und der BAK Basel überzeugt.

Doch zuerst zur Schweiz: Nach einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im 2015 von 0,8 Prozent liege das Wachstum 2016 bereits bei 1,2 Prozent und dürfte 2017 weiter auf 2,3 Prozent steigen, sagte gestern Abend BAK-Chefökonom Martin Eichler an der Präsentation des zum zweiten Mal erscheinenden BKB-Wirtschaftsausblicks.

In der Nordwestschweiz sei die konjunkturelle Dynamik traditionell stark an die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie gekoppelt. Mit einem Wertschöpfungsanteil – Löhne und Gewinne – von rund 30 Prozent beeinflusst sie die Konjunkturlage der Region massgeblich. Aufgrund der starken Exportorientierung werde sich die anziehende Auslandsnachfrage gemäss BKB-Wirtschaftsausblick in einer Beschleunigung des Pharma-Wachstums von 1,9 Prozent im 2015 auf 2,8 Prozent im 2016 bemerkbar machen.

Im Verhältnis zur geografischen Grösse – die Nordwestschweiz erstreckt sich über eine Fläche von 2,4 Prozent der Gesamtschweiz – steuert die Region Basel dank Pharma rund 10 Prozent zum schweizerischen BIP bei. Vor diesem Hintergrund wird auch deutlich, weshalb die Nordwestschweiz stärker von der anziehenden, globalen Konjunktur profitiert als die übrige Schweiz. Eichler rechnet damit, dass das BIP-Wachstum im Wirtschaftsraum Basel im 2016 mit 1,8 Prozent deutlich höher liegen wird als im Schweizer Durchschnitt (+1,2 Prozent).

Der Franken bremst

Trotz des insgesamt erfreulichen Wirtschaftsausblicks bleibt zu berücksichtigen, dass einige Branchen nach wie vor unter dem starken Franken leiden. Als Grenzregion ist die Nordwestschweiz vom Einkaufstourismus besonders betroffen. Der BKB-Wirtschaftsausblick rechnet deshalb auch mit einer Stagnation von Handel und Gastronomie im 2015. Auch auf dem Arbeitsmarkt der Region hat die Frankenstärke Spuren hinterlassen und im August 2015 zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote geführt.

Offenbar sind auch in Europa die Aussichten nicht schlecht. Ein guter Konjunkturindikator ist der Flugverkehr. Dieser hat im September in Europa um satte 7,1 Prozent zugenommen, ist der gestern erschienenen Statistik des Branchenverbandes Iata zu entnehmen.

Die tiefen Zinsen an den Finanzmärkten dürften nach Einschätzung der BKB auch 2016 weiter Bestand haben. Obwohl eine erste Leitzinserhöhung in den USA in den kommenden Monaten absehbar ist, wird die Geldpolitik der Eurozone weiterhin sehr expansiv bleiben.

Die BKB rechnet damit, dass die weltweit erheblichen Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen zu einer stärkeren Währungsvolatilität führen. Aktienanlagen seien jedoch weiterhin attraktiv. Die tiefen Zinsen, das moderate, aber breit unterstützte Wachstum sowie technologische Innovationen sollten sich auch im kommenden Jahr positiv auf die weltweiten Unternehmensgewinne auswirken.