Basel
Die Plakatkampagne ist ein Appell an die Schweigenden

Mit verschiedenen, schlichten Plakaten mit Schriftzügen will Basel der wachsenden Fremdenfeindlichkeit entgegen halten. Wie der Regierungspräsident Guy Morin sagt, wolle man ein Zeichen setzen.

Pascale Hofmeier
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In der Greifengasse zeigt sich Basels Multikulturalität – um die Toleranz steht es aber nicht immer gut.

In der Greifengasse zeigt sich Basels Multikulturalität – um die Toleranz steht es aber nicht immer gut.

Roland Schmid

Es sind grauenhafte Bilder aus Irak, Syrien, Gaza und der Ukraine, die um die Welt gehen. Es sind Bilder, die verunsichern. Auch der wachsende Zustrom Asylsuchender verunsichert. Ängste werden wach, vor anderen Religionen, vor dem Fremden und Unbekannten ganz allgemein. Das äussert sich in abschätzigen Bemerkungen und in Form von Ausländerfeindlichen, antisemitischen und islamfeindlichen Kommentaren im Internet.

Dagegen ergreift Basel nun das Wort mit einer Kampagne: «Basel zeigt Haltung: Für Offenheit und Fairness, gegen Fremdenfeindlichkeit.» Dieser Satz in schlichten, schwarzen Lettern auf weissem Hintergrund wird bald in von Plakatwänden, in Trams und als Inserat zu Toleranz aufrufen.

«Wir wollen ein Zeichen setzen mit der Kampagne», sagte Regierungspräsident Guy Morin am Donnerstag bei der Lancierung der Kampagne. Die momentanen Tendenzen seien besorgniserregend. Und als Beweis, dass das nicht nur im Netz passiert, zeigte Morin ein Bild aus dem Kannenfeldpark. «Juden sind Scheisse», haben Unbekannte dort auf den Spielplatz geschmiert.

Mut machen, die Meinung zu sagen

Die Initiative für die Kampagne ging von der Kantons- und Stadtentwicklung aus; sie wird von 20 Allianzpartnern, darunter die Landeskirchen, der Runde Tisch der Religionen beider Basel, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände, Mieter- und Vermieterverbände, die Bürgergemeinde sowie die GGG, unterstützt. Angerissen hat die Kampagne unter Anderen der Basler Stadtentwickler Thomas Kessler.

Die Stimmung im vollen Meriansaal im Hotel Merian war emotional, die Voten der unterstützenden Organisationen teils von Betroffenheit geprägt: «Es ist besonders bedenklich, dass diskriminierende Aussagen salonfähig geworden sind», sagte Cem Lütfi Karatekin von der Basler Muslimkommission. «Wir hätten nicht damit gerechnet, dass die Geisel des Antisemitismus aufflammt», sagte Guy Rueff von der Israelitischen Gemeinde Basel.

SP-Ständerätin Anita Fetz fasste die Voten in einen Satz zusammen: «Die Würde des Menschen ist unantastbar, das ist die Basis unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates.» Es sei an der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Verantwortung zu übernehmen. Denn: «Schon immer, wenn sich die sogenannt schweigende Mehrheit nicht geäussert hat, war das immer der Anfang von schwierigen Zeiten.»

Diese schweigende Mehrheit aus der Reserve zu locken, ist eines der Hauptziele der Kampagne. «Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Basler Bevölkerung offen und tolerant ist, gegenüber andersgläubigen», sagte Regierungspräsident Morin. Er sei überzeugt, dass diese mit der Plakatkampagne ermutigt würden, sich gegen Fremdenfeindlichkeit zu äussern – ob im persönlichen Umfeld oder öffentlich.

Die Angst vor einem Ja zu Ecopop

Denn es besteht nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative eine gewisse Angst vor der nächsten heiklen Abstimmung: Der Ecopop-Initiative: «Man war bei der Masseneinwanderungsinitiative überrascht vom Ja. Da gab es eine schweigende Mehrheit, die nicht zur Abstimmung ging, aber auch nicht dafür war», erklärte die Leiterin der Basler Fachstelle Diversität und Integration, Nicole von Jacobs, gegenüber der bz. Darum sei es wichtig, diese schweigende Mehrheit zu aktivieren, damit bei Ecopop nicht das Gleiche passiere.

Anita Fetz und andere Redner vermuteten einen Teil des Übels in der Möglichkeit, Medienberichte online zu kommentieren. Die Kampagne jedoch setzt auf klassische Werbestrategien und kommt vorerst ohne Online-Konzept aus. «Selbstverständlich ist das aber in Planung», sagte Nicole von Jacobs.

Die Plakataktion dauert den ganzen September. Sie ist erst der Auftakt. Bereits ist eine zweite Welle geplant, für nächstes Jahr. Bis dann hofft der Kanton, weitere Allianzpartner gewinnen zu können. Interesse haben nicht nur weitere Organisationen gezeigt, sondern auch der Kanton Baselland und auch Fachstellen des Bundes. Für die war jedoch die Lancierung zu kurzfristig. Die Kampagne wurde innerhalb von wenigen Wochen gestartet. Bisher kostete sie 22'000 Franken.