Umnutzung
Die Pläne für den Abriss der Markuskirche sind keinen Schritt weiter

Bereits seit 2014 ist klar: Die Markuskirche im Hirzbrunnen-Quartier soll abgerissen werden und neuem Wohnraum weichen. Es hat sich offenbar überhaupt nichts getan in den vergangenen zweieinhalb Jahren.

Tobias Müller
Drucken
Teilen
Seit 2009 finden in der Markuskirche keine Gottesdienste mehr statt – ab wann die Parzelle anders genutzt werden kann, ist noch völlig offen.

Seit 2009 finden in der Markuskirche keine Gottesdienste mehr statt – ab wann die Parzelle anders genutzt werden kann, ist noch völlig offen.

Kenneth Nars

Schon Anfang 2014 war klar, dass die Markuskirche der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde (ERK) im Hirzbrunnen-Quartier abgerissen werden soll. Der Plan: Anstelle der Kirche sollte Wohnraum oder gemeinnützige Fläche entstehen. Heute steht die Markuskirche immer noch, obwohl dort seit 2009 keine Gottesdienste mehr stattgefunden haben.

Nötige Konsequenzen

Die Gemeinde steckt immer noch im gleichen Prozess wie vor zweieinhalb Jahren. Der Umzonungs-Antrag von der Gemeinnutzung zu einer Wohnzone ist irgendwo zwischen der ERK und der Regierung hängen geblieben. «Ende 2016 wollen wir mit dem Umbau beginnen. Wir haben das Baubegehren bei der Regierung deponiert», sagt Stephan Maurer, Kirchenrat und Leiter Bauwesen des ERK. Auf der anderen Seite, beim Baudepartement des Kantons, weiss man anscheinend nichts über entsprechende Pläne.

Schon lange ist klar, dass die ERK Konsequenzen aus ihrer Sanierungsstrategie ziehen muss. Die Gemeinde verlor in den vergangenen Jahren mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder und somit auch ein Grossteil der Einnahmen durch die Kirchensteuer (siehe Interview unten). Spendengelder und Unterstützung von Stiftungen sollen der Gemeinde helfen, das diese weiterhin existiert. Zusätzlich werden Kirchengemeindehäuser an Dritte vermietet, um so zu zusätzlichem Geld zu kommen. Im Kanton Basel-Stadt, wo sich die Kirche rein von ihrer Steuer zu finanzieren hat, geschieht dies seit 20 Jahren.

Der Plan der ERK im Fall der Markuskirche ist es, sich mit der katholischen Kirchgemeinde im Hirzbrunnen-Quartier zusammen zu schliessen. Die Kirche St. Michael, welche rund 300 Meter von der Markuskirche entfernt steht, soll zu einem gemeinsam nutzbaren Zentrum umgewandelt werden. Und die Markuskirche soll im Gegenzug als Wohnraum genutzt werden. Dadurch soll die Kirche zu den dringend benötigten Mehreinnahmen kommen.

Obwohl die wirtschaftliche Lage der ERK ein rasches Handeln verlangt, würde es nicht erstaunen, wenn in zweieinhalb Jahren das Projekt Markuskirche immer noch keinen Schritt weiter ist als heute.

Kirchenrat Stephan Maurer: «Die Finanzierung wird immer schwieriger»

Herr Maurer, wieso dauert der Prozess rund um den Abriss der Markuskirche so lange?

Stephan Maurer: Wir haben bei der Ausarbeitung des Projekts verschiedene Varianten geprüft, wie wir den Raum nutzen wollen. Das dauert seine Zeit, auch darum, weil mehrere Parteien involviert sind.

Warum kommt es eigentlich zum Abriss der Markuskirche?

Das ist eine wirtschaftliche Überlegung: In den letzten Jahren wurden die Räumlichkeiten der Markuskirche immer weniger genutzt. Wir haben dort zuletzt nur noch drei, vier Anlässe pro Jahr durchgeführt. Die Kosten blieben aber unverändert hoch. Ausserdem erleben wir seit Jahren einen Mitgliederschwund. Die Finanzierung wird immer schwieriger. Wir müssen daher die Konsequenzen ziehen.

Das heisst konkret?

Vor 25 Jahren hatten wir noch 70'000 Mitglieder, heute sind es 30'000. Jedes Jahr verlieren wir also rund drei Prozent Mitglieder. Eine Umnutzung der Markuskirche ist daher ein notwendiger Schritt. Wir würden rund 250'000 Franken Einnahmen generieren, könnten wir auf dieser Fläche Wohnraum anbieten.

Sind in Basel weitere Kirchenschliessungen und Umnutzungen geplant?

Zurzeit führen wir keine Diskussionen zu anderen Standorten. Aber was klar ist: Diese Probleme , welche wir hier in Basel haben, wird es in Zukunft in der ganzen Schweiz geben.

Aktuelle Nachrichten