Pfuschdrama

Die Pleitefirma hinterlässt beim Theater Basel ein Finanzloch und eine Baustelle

Die Firma, die im Basler Theater die Elektroinstallationen hätte beenden müssen, ist Konkurs. Jetzt müssen die Planer über die Bücher.

Es war ein Drama mit Ansage. Begonnen hatten die Probleme schon im Frühjahr 2015, als sich während den Arbeiten des spanisch–italienischen Konsortiums «Emte Elektronorm» Qualitätsmängel zeigten. Dazu kamen sprachliche Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Arbeitern auf der Baustelle. Das Hochbauamt Basel-Stadt, welches die Oberaufsicht über die Renovation des Theaters hat, musste notfallmässig eingreifen, damit die Theatersaison termingerecht im Oktober beginnen konnte.

Streit im Konsortium

Es folgte ein Streit im italienisch-spanischen Konsortium, und Ende Dezember 2016 war der verbleibende Partner beziehungsweise dessen Tessiner Ableger, Konkurs (bz vom Dienstag). «Bereits im Herbst 2016 haben wir vernommen, dass verschiedene, von Basler Lieferanten gestellte Rechnungen nicht mehr bezahlt wurden», sagt Thomas Blanckarts, Leiter des Hochbauamtes. Rund eine Million Franken seien schweizweit (also nicht nur in Basel) ausstehend.

Jetzt müssen die Pläne überarbeitet werden. Der Konkurs hat zur Folge, dass die unerledigten Arbeiten im Wert von 850 000 Franken in den kommenden ein bis zwei Monaten neu ausgeschrieben werden müssen. Konkret handelt es sich dabei um Brandschutz-Installationen, den Einbau neuer Lüftungsanlagen und um die Stromhauptverteilung. Diese Arbeiten sollen im kommenden Sommer erledigt werden. Blanckarts rechnet damit, dass sich damit das Projekt verteuert, «Aber sagen kann man das erst, wenn die Offerten vorliegen.»

Was war falsch gelaufen?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was da falsch gelaufen war. Schon früh ging in der lokalen Branche das Gerücht um, das Konsortium habe zu Dumpingpreisen offeriert. Tatsächlich war es 15 Prozent billiger als der lokale Mitkonkurrent.

Das Problem: Es gab nur gerade diese zwei Anbieter. Und der Preis war schliesslich matchentscheidend. «Wenn man eine offizielle Ausschreibung nach den Regeln der WTO, der World Trade Organisation, macht, kann man nicht einfach behaupten: Ja, die sind eventuell ungeeignet. Jeder so ausgeschlossene Anbieter würde sofort rekurrieren und bekäme wohl auch recht», erklärt Blanckarts die Zwickmühle.

Zeitlich war der Druck gross. Mit einem Rekurs wäre man in Verzug gekommen. Das Projekt musste unbedingt in der um sechs Wochen verlängerten Theater-Sommerpause durchgeboxt werden. «Wir haben das Konsortium auch auf unsere Gesetze und Bedingungen aufmerksam gemacht, etwa die Problematik der Verfahrenssprache.»

Tatsächlich sei die Baustellenleiterin perfekt dreisprachig gewesen und habe unter der Woche auch in Basel gewohnt. Das Konsortium bezog in Basel Büros und behauptete, im Markt Nordwestschweiz Fuss fassen zu wollen. Es sei sicher nicht Sache des Hochbauamtes, hier regulierend einzuwirken.

«Zu viel vorgenommen»

«Ja, wahrscheinlich haben wir uns zu viel vorgenommen und zu wenig zeitliche Reserven eingeplant», räumt Blanckarts ein. «Und wir hätten vielleicht früher reagieren müssen.»

Bleibt das Problem der Ausschreibung nach WTO. Warum hat das Hochbauamt nur auf den Preis geschaut und nicht auf die Qualität? «Wir haben uns, auch auf Empfehlung unserer Planer, damals dafür entschieden, dass bei Erfüllung bestimmter und spezifischer Eignungskriterien für die Vergabe ausschliesslich der Preis zählen soll.» «Ungeeignet» hätte den Ausschluss aus dem Verfahren bedeutet. Eine Änderung dieser Kriterien sei nach Verfahrensstart nicht mehr möglich, erklärt Blanckarts. Heute muss er das Fazit ziehen: «Zum Teil wurde irritierend schlecht gearbeitet».

Konkurse und eine Anhäufung von Problemen dieser Art seien selten, betont der Amtschef. «Ich bin seit 2008 hier im Amt, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.» Die anderen grossen Konkurse in der Baubranche der Region liegen tatsächlich teils Jahrzehnte zurück (Suter&Suter, Meier&Jäggi, Schmidlin Fassaden). Die meisten Probleme liessen sich gütlich regeln. Je nach dem müssten Teams verstärkt oder ausgewechselt werden.

Dass bei Ausschreibungen gemäss WTO der Handlungsspielraum beim Zuschlag relativ begrenzt ist, sieht auch der Gewerbeverband Basel. «Qualitative Kriterien müssten aber vermehrt bereits in die Ausschreibungen einfliessen, sodass nicht geeignete Firmen und unseriöse Eingaben ausgeschlossen sind», sagt Gewerbeverbandsdirektor Gabriel Barell.

Die Vergaberichtlinien geben den Behörden einen gewissen Spielraum. «Diesen gilt es zu nutzen. So sollten beispielsweise auch Erfahrungen mit den Firmen in den Vergabeentscheid miteinfliessen.» Es dürfe nicht sein, dass eine Firma nach einem Debakel gleich den nächsten Auftrag erhält, nur weil sie wieder das vermeintlich günstigste Angebot gemacht habe. Barell spielte dabei auf die Tatsache an, das die fragliche Firma beim Kanton zwei weitere Aufträge an Land ziehen konnte – obwohl sich die Probleme am Theater bereits abzuzeichnen begannen. «Das Beispiel zeige, wie wichtig Qualität und vertiefte Kenntnisse der Lokalitäten sind. Eigenschaften, die regionale Unternehmen bieten können», meint Barell.

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Autor

Stefan Schuppli

Stefan Schuppli

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