Hier und dort kleben zwar noch Räppli zwischen den Pflastersteinen. Aber oberflächlich ist die Stadt wieder sauber und der Alltag zurück. Der riesige, orange Lastwagen vor dem Rathaus wirkt fehl am Platz. Will der noch einmal putzen?

Christian Naegelen, einer der beiden Mitarbeiter des Tiefbauamts, hievt den schweren Deckel von einem Schacht auf dem Marktplatz; und plötzlich ist die Fasnacht zurück. Fünf Meter unter dem Boden liegen noch haufenweise Räppli. Sie sind den rotierenden Bürsten der Putzfahrzeuge entkommen. Ihnen geht es nun mit Wasser an den Kragen. Zuerst lässt Naegelen ein Luftmessgerät an einem dünnen Seil in den Schacht. «Das ist zur Sicherheit, falls in der Nachbarschaft jemand Lösungsmittel oder so ins Abwasser leeren würde», erklärt er. Die Luft ist gut, einem Abstieg steht nichts im Weg.

Unter dem Marktplatz: Die Stadtreiniger befreien die Basler Kanalisation vom Räppli-Kleister.

Unter dem Marktplatz: Die Stadtreiniger befreien die Basler Kanalisation vom Räppli-Kleister.

Eine klebrige Sache

Gut eingepackt, mit Helm und Stirnlampe auf dem Kopf steigt Marc Graf in den Schacht. Kollege Naegelen reicht ihm den Schlauch. Er bleibt oben, damit er seinen Kollegen warnen oder bei einem Notfall eingreifen könnte. Der Boden im Schacht ist weich. Graf steht fast knöcheltief in den Räppli. «Kasch aaloh!», ruft er seinem Kollegen zu.

Das Wasser spritzt, die ersten Räppli lösen sich vom Beton. Aber sie sind hartnäckig. «Meh Druck!», verlangt Graf. Die verklebte Masse kommt in Bewegung und fliesst in Richtung Durchgang zum Birsig-Kanal.

Nach der Fasnacht sind drei Zweierteams des Tiefbauamts entlang der Cortège-Route unterwegs. Eine Woche lang heben sie Deckel von den Schächten, steigen hinunter und beseitigen auch noch die letzten fasnächtlichen Spuren.

Graf dreht das Wasser ab, greift mit einer Hand in den Räppli-Matsch. «Nasse Räppli sind wie Kleister. Sie verkleben sie uns die kleinen Schächte, dann läuft alles über.» Die Schächte an der Cortège-Route sind auch dieses Jahr bis oben gefüllt mit bunten Papierschnipseln. «Wenn da schon nur eine Schwemmmaschine die Strasse reinigt, verstopft alles», sagt Graf. «Deshalb ist es wichtig, dass wir alle Schächte kurz nach der Fasnacht durchspülen, sonst kann das Regenwasser nicht ablaufen.»

Graf dreht das Wasser wieder auf. Er reinigt gründlich, spült noch das letzte Räppli aus den Ecken, von den Wänden und den metallenen Steigeisen in der Wand. Die Räppli-Sauce sammelt sich in der Rinne vor dem Durchgang zum Birsig-Kanal. Ab und zu blitzt auch ein «Dääfi» aus der Masse. Etwas Wertvolles hätten sie während der nachfasnächtlichen Reinigung nie gefunden. «Es hat einfach zu viele Räppli, selbst wenn da ein Ring oder so wäre, wir würden ihn kaum finden.»

Der Schacht ist sauber – die Arbeit aber noch nicht getan. Im Gegenteil: Schwereres Geschütz ist gefragt. Naegele zieht den einen Schlauch hoch und lässt seinem Kollegen im Untergrund einen anderen runter. Graf geht in die Hocke, positioniert sich am oberen Ende des schmalen Durchgangs, der zum Birsig-Kanal führt. «Kasch aaloh!»

Kriechend zum Birsig-Kanal

Auf allen vieren kämpft sich Graf durch den schmalen Gang, spritzt die Räppli-Masse vor sich her. Knapp 20 Meter sind es bis zum Birsig-Kanal. Das Licht vom Schacht reicht nicht bis in den Gang. Ohne Stirnlampe wäre es nicht nur eng, sondern auch stockdunkel.

Der scharfe Wasserstrahl ist effizient, kein Räppli bleibt im Durchgang kleben. Im Birsig-Kanal angekommen, kann sich Graf wieder aufrichten. Das Wasser fliesst zügig in Richtung Rhein, die Räppli schwemmt es mit. Nicht so schlimm, findet Graf: «Das ist nur Papier. Wir reden hier nicht von zig Tonnen. Und die Schiffe lassen schliesslich auch Most ins Wasser, da schaden unsere Räppli nicht.»

Die meisten Räppli landen sowieso in der Kläranlage. Nur an Orten, wo es eine direkte Verbindung zum Birsig-Kanal gibt, werden sie dorthin statt in die Kanalisation geschwemmt. Am Rand des Kanals ist zu erkennen, wo überall Dolen sind. Dort bilden sich Räppli-Häufchen. Bis alle Spuren der Fasnacht verschwunden sind, haben Graf und Naegele noch viel zu tun.

«Isch guet! Abstelle!», schreit Graf durch den Gang. Er kriecht zurück, klettert seinem wartenden Kollegen entgegen. Deckel zu und auf zum nächsten Schacht!