Taxidienst

Die Rechnung geht nicht auf: Uber-Fahrer machen Minus

Viel Erfolg und viele Streitigkeiten: Der Uber-Hauptsitz in San Francisco.

Viel Erfolg und viele Streitigkeiten: Der Uber-Hauptsitz in San Francisco.

Die Unia moniert, dass die Arbeitsbedingungen für Nutzer des Taxikonkurrenten Uber schlecht sind und sie zuwenig verdienen. Nun heisst es, dass private Uber-Fahrer nicht nur keinen Gewinn machen, sondern gar Verluste.

Die Gewerkschaft Unia hat schon 400 Unterschriften für die Petition für ein Verbot von Uber gesammelt, dem auf Smartphones basierenden Fahrvermittlungsdienst. Dank einer früheren Unterschriftensammlung stimmen die Basler in 29 Tagen über das neue Taxigesetz ab, das die Innovation aus den USA nicht einschränkt – ein Grund, warum die Unia das Gesetz ablehnt.

Am Mittwoch setzt die Unia ihre Kampagne gegen das Taxigesetz fort, will an einer Medienkonferenz pikante Details zum Basler Taximarkt enthüllen, zusammen mit SP und Grünem Bündnis. Gleichzeitig weibeln Bürgerliche für Uber. Die Basler Jungparteien von CVP, LDP, FDP und SVP wehren sich gegen das «Uber-Bashing» der Unia. Die Vorteile der Sharing-Economy, die Uber repräsentiere, würden überwiegen. Die Arbeitsbedingungen der Taxifahrer verbesserten sich dank eines Uber-Verbots nicht, so die Jungpolitiker in ihrer Mitteilung am Donnerstag. Sie wiesen auch auf einen Schwenker der SP hin: Im Grossen Rat hatte diese das Taxigesetz unterstützt.

Taxis nur zur Hälfte ausgelastet

Alle möglichen Antworten gibt es auf die Frage, ob die Uber-Pop-Fahrer gewerbsmässig Personen transportieren. Dass viele Fahrer mehrmals pro Woche fahren, bestreitet kaum jemand. Aber ihr Verdienst ist unklar. In einer Kalkulation der Unia heisst es, dass ein Uber-Pop-Fahrer bei einer Auslastung von 75 Prozent pro Stunde 17.89 Franken einnimmt, ihm aber nur ein Bruttoertrag von 4.41 Franken bleibt. Bei gleicher Auslastung erwirtschafte ein günstiges Taxi 16.45 Franken Bruttoertrag. Die Auslastung von Basler Taxis beträgt laut Gewerkschaftssekretär Roman Künzler zwischen 30 und 50 Prozent.

Was ihre Einnahmen anbelangt, nennen Uber-Pop-Fahrer andere Zahlen als die Unia: Zum Beispiel 20 Franken pro Stunde. Wenn er seinen Zeitaufwand miteinberechnet, lohne es sich nicht, meinte ein Basler Uber-Pop-Fahrer gegenüber «NZZ Folio». Laut der Facebook-Seite «Uberfahrer Basel» fahren die Uber-Pop-Fahrer sogar Verluste ein. Glaubt man den auf der Seite gezeigten Abrechnungen, betragen die Einnahmen pro Kilometer zwischen 0.52 und 1.03 Franken. Zieht man davon die 20-prozentige Gewinnbeteiligung von Uber sowie Autokosten von 75 Rappen pro Kilometer ab, resultiert meist ein Minusbetrag. Die Aussage dahinter: Die Uber-Pop-Fahrer handeln legal.

Doch über Kilometerkosten lässt sich streiten: Laut Touring-Club Schweiz betragen diese bei einem Auto, das neu 32 000 Franken gekostet hat und monatlich 4500 Kilometer fährt, gut 37 Rappen. Bei monatlich 1250 Kilometern sind es 70 Rappen – gleich viel wie bei einem 80 000 Franken teuren Auto mit 4500 Kilometern monatlich. Die Kosten unterscheiden sich also stark.

Davon unabhängig stellt sich die Frage, ob es Aufgabe des Staates ist, die Fahrer vor einer kaum gewinnbringenden Tätigkeit zu schützen. Dazu Roman Künzler: «Arbeitslose und Personen in prekären Lebensverhältnissen sind um jeden Franken froh, den sie da und dort einnehmen. Uber nutzt sie aus.»

Rasoul Jalali, Chef von Uber in der Deutschschweiz, betont, dass sich Uber-Pop im Gegensatz zu Uber-X und Uber-Black an private Fahrer und nicht an professionelle richte. «Die Fahrer brauchen zudem ein sauberes Strafregister und ein Auto, das jünger ist als zehn Jahre. Das schliesst schon viele jener Personen aus, die jeden Franken umdrehen müssen.»

Zu den Einnahmen sagt Jalali: «Wer mit einem Porsche Cayenne für uns fährt, macht vermutlich Verlust. Nur schon der Besitz eines Autos verursacht Kosten. Manche Fahrer können diese dank Uber decken, gerade wenn es sich um ein Leasing-Auto handelt. Gewinn sollte aber keiner machen, das machen wir den Fahrern von Anfang an klar. Jeder Fahrer hat seinen Grund, wieso er für Uber fährt. Manchmal ist es nur die Freude an der Technologie.»

Zur Abstimmung am 15. November sagt Jalali: «Auch wenn es uns nicht betrifft, begrüssen wir das neue Taxigesetz, weil es regulative Hürden abbaut.» Er verstehe es, dass man Höchsttarife und Standplätze per Gesetz regeln will. «Aber in der neuen Welt, in der wir uns bewegen, ist all das nicht nötig. Die Preise sind immer transparent, die Fahrer stets unterwegs.»

In London hat Uber derweil juristisch gesiegt: Ein Gericht musste klären, ob die Uber-App ein Taxameter sei. Denn diese sind Taxis vorbehalten. Das Gericht verneinte die Frage: Da die App die Preise nicht selbst berechnet (das geschieht auf Uber-Servern), handle es sich nicht um ein Taxameter.

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