Bilanz

Die Regierungspräsidentin verliert an Rückhalt

Elisabeth Ackermann und ihr Ehemann Werner Baumann.

Elisabeth Ackermann und ihr Ehemann Werner Baumann.

Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann verliert nach den durchzogenen ersten Monaten in ihrem Amt in ihrer eigenen Partei, den Grünen, immer mehr an Unterstützung. Gleichzeitig hat sich um sie eine kleine Gruppe von Ratgebern und Vertrauten gebildet.

Seit die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) vor acht Monaten ihr Amt angetreten hat, steht sie unter Druck. Neben politischer Kritik wie etwa der seit Ewigkeiten erwarteten Museumsstrategie oder dem umstrittenen Personalentscheid, ihren Parteikollegen Lukas Ott zum neuen Stadtentwickler zu küren, wurde wiederholt auch ihr Auftreten bemängelt.

Mittlerweile scheint sich die Situation zuzuspitzen. Eine Reihe von Politikern haben ihr die Unterstützung gekündigt. Und selbst in der eigenen Partei bröckelt der Rückhalt mittlerweile arg. Mit Namen hinstehen will allerdings – wenig erstaunlich – niemand. Auch ist mithin bemerkenswert, wie offen verschiedene Museumsdirektoren ihre Chefin angreifen. Selbst jene, die noch nicht lange im Amt sind. Auch innerhalb der Verwaltung verhehlen manche Beamte ihre Unzufriedenheit mit ihrer Vorgesetzten kaum.

Umtriebiger Gatte

Unterstützung erfährt Ackermann indes von einem Kreis von Vertrauten und Beratern. Die «Schweiz am Wochenende» hat mit über einem halben Dutzend Personen aus dem Umfeld von Ackermann gesprochen. Drei Namen tauchen in fast jedem Gespräch auf: der frühere Präsident der Basler Grünen, Jürg Stöcklin, der ehemalige Regierungspräsident Guy Morin und ihr Ehemann Werner Baumann. Vor allem Letzterer scheint seine Rolle als «First Gentleman» sehr aktiv zu interpretieren. In der Basler Politikszene wird er bereits halb im Scherz, halb im Ernst als «der achte Regierungsrat» bezeichnet. So berichten mehrere Quellen, wie Baumann aktiv mitmischte, wenn Ackermann von Mitarbeitern eine Frage gestellt bekam. Auffällig ist auch, an wie viele offizielle Anlässe der mittlerweile pensionierte Rektor des Gymnasiums Oberwil seine Frau begleitet und dabei in Diskussionen gar als Wortführer auftritt.

«Ich kann mir nicht erklären, wie man dazu kommt, meinen Mann als achten Regierungsrat zu bezeichnen», sagt hingegen Ackermann. «Er ist nie im Präsidialdepartement und hat nichts mit den Geschäften des Departements zu tun. Aber es stimmt, dass er häufig an kulturelle Anlässe mitkommt, weil ihn das interessiert und er jeweils auch eingeladen ist.»

Morin und Stöcklin

Dass Morin zum Kreis des Vertrauens gehört, mag erstaunen. Das Verhältnis zwischen Ackermann und ihrem Vorgänger war zuweilen kompliziert. Er sicherte sich seinen Einfluss, indem er die Amtsübergabe streng überwachte und Chefbeamte am direkten Kontakt mit seiner Nachfolgerin hinderte. Insider werfen ihm vor, noch immer eine Agenda zu verfolgen. Er selbst weist diesen Vorwurf vehement zurück: «Ausser bei der Spitalfusion halte ich mich extrem zurück. Ich habe mit ihr vielleicht zwei- oder dreimal telefoniert.» Jürg Stöcklin sei hingegen schon für ihn eine wichtige Bezugsperson gewesen. Stöcklin verbindet mit Ackermann dazu eine jahrzehntelange Freundschaft. Das sei auch der Grund, weshalb er mit ihr etwa regeren Austausch pflege als Parteipräsident Harald Friedl. Seine Rolle sei aber klein, sagt Stöcklin: «Elisabeth Ackermann ist eine emanzipierte, selbstständige Frau, die eigenständige Entscheide trifft, sonst wäre sie nicht Regierungsrätin geworden.»

Die ehemalige Grüne Parteipräsidentin Mirjam Ballmer steht ebenfalls ihrer Kollegin bei. Sie habe Ackermann immer so erlebt, dass sie für ihre Meinungsbildung jeweils andere angehört habe. «Entschieden hat sie selber und mit grosser Überzeugung, auch wenn dies nicht immer so wahrgenommen wird.»

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