Spezialbier
Die Region Basel bietet eine grosse Vielfalt an Mikrobrauereien an

Um die 30 Kleinst- und Mittelbetriebe produzieren in der Region Basel ihr eigenes Bier. Die Anzahl der Mikrobrauereien die in der Region Spezialbiere brauen, ist in den letzten Jahren beständig gestiegen.

Peter Schenk
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Keystone

«Bei den Jungen ist es ein richtiger Trend geworden», analysiert Luzius Bosshard, Geschäftsführer der Basler Brauerei Unser Bier und freut sich über die Vielfalt. Die Zahl der Mikrobrauereien, die in der Region Basel Spezialbiere abseits vom Mainstream produzieren, ist in den letzten Jahren beständig gewachsen.

Glaubt man der Internetseite brauerei-kompass.ch, die seit April 2013 einen Überblick über die in der Schweiz bestehenden Mikrobrauereien gibt, sind es derzeit 18 im Baselbiet und 12 in Basel, die bisweilen als Einmannbetriebe ihr ganz spezielles Bier produzieren.

In Muttenz feiert die Mini-Hausbrauerei Zipfelbier am 13. September ihr Oktoberfest, und in Laufen bietet Sauhofbräu, die sich selbst als grösste noch aktive Brauerei in Baselland bezeichnet, auf ihrer Internetseite Apéros mit Brauereibesichtigung an.

Steinegger Bräu in Grellingen hat es sich zum Ziel gemacht, mit einem Jahresaustoss von 500 Hektolitern «einen Beitrag zur Biervielfalt im Baselbiet» zu leisten. «So sollen neben Lager und Märzenbier in der Schweiz kaum vertretene Sorten wie Pale Ale, Stout, Oktoberfestbier, Alt, Kölsch und Trappist als saisonale Spezialitäten nicht zu kurz kommen», heisst es auf der professionell gestalteten Webseite.

Viele Orte sind vertreten

Frenkendorf, Lausen, Arlesheim, Dittingen, Münchenstein Titterten und etliche mehr – kaum ein Ort, der nicht mit einer Mikrobrauerei vertreten ist. In Arisdorf ist der Brauereibetrieb von Zöbi-Bier zwar derzeit eingestellt, soll aber in neue Lokalitäten ins Restaurant Rössli zügeln. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, jede Mikrobrauerei namentlich zu erwähnen. Und selbst wenn von den auf brauerei-kompass.ch genannten Brauereien eine oder zwei nicht mehr in Betrieb sein sollten, bleibt die Anzahl erstaunlich. Wahrscheinlich fehlen auch welche.

Selbst in der räumlich engeren Stadt grassiert das Brauereifieber. So nahmen am Basler Biermarkt, der am 30. August auf dem Vogesenplatz stattfand, allein zehn Mikrobrauereien aus Basel teil. Darunter Em Basler sy Bier, das seine Gerste vom Bruderholz und den Hopfen aus Riehen bezieht. Es sei denn auch «weltweit das einzige Bier, welches mit Bio Braugetreide vom Basler Stadtboden gebraut wird.»

Die Brauerei zur grünen Amsel, die Martin Schultheiss mit seinem Bruder Andreas in einem alten Bauernhaus in Riehen betreibt, bietet neben Betriebsbesichtigungen, die man in etlichen Brauereien machen kann, auch Kurse im Bierbrauen an. Sie dauern sechs bis sieben Stunden und werden oft von Firmen gebucht. Bisher fanden davon 20 statt. Auf dem Land bietet die Alte Brennerei in Nuglar schon seit sieben Jahren mit Erfolg ähnliche Brauseminare an, die fünf bis sieben Wochen nach dem Brautag mit der Verkostung enden.

Vom Seminar zur Brauerei

Die Brauerei Unser Bier organisiert im Durchschnitt einmal die Woche ein derartiges «Brauerlebnis». Manchmal führt dies zur Gründung neuer Mikrobrauereien. So entstand die Braubude Basel Ende 2010 aus dem Besuch eines Brauseminars bei Unser Bier.

Mit einer Produktion von 6’000 Hektolitern im Jahr ist Unser Bier unter den Kleinen zwar ein Grosser, bleibt aber im Vergleich zu Brauereien wie Heineken oder Carlsberg ein Zwerg. «Als Kleinbetrieb können wir nur durch Innovation die Aufmerksamkeit auf uns ziehen», sagt Geschäftsführer Bossard. Das gelingt: So bietet Unser Bier mit seinem Bier-Sommelier Jan Czerny regelmässig Bier-Seminare an. Auch ein Whiskyseminar steht auf dem Programm. Am 3. und 4. Oktober findet erstmals mit «Mord im Brauhaus» ein grosser Krimiabend statt.

Ähnlich gross wie Unser Bier ist die Fischerstube, die im Jahr 5’000 Hektoliter Ueli Bier herstellt. Die Brauerei feiert dieses Jahr ihr vierzigjähriges Bestehen und organisiert laut Geschäftsleiterin Anita Treml Nidecker mehrere Hundert Besichtigungen im Jahr. Neu werden ab Oktober bierhistorische Führungen mit anschliessender Verköstigung angeboten. «Bis sie gegen 1900 langsam aufgekauft wurden, gab es in Basel 15 historische Brauereien», erzählt Mike Stoll, der dafür zuständig ist.

Mit dem Volta Bräu der Krafft Gruppe wird am 1. November im Unterwerk Volta eine neue Mikrobrauerei eingeweiht, deren Kernstück sich in der Bar befindet.