Corona-Virus

Die Region ist am Limit: Beide Basel brauchen jetzt die Hilfe der Armee

Die Armee hilft den Kantonen, die sie rufen.

Die Armee hilft den Kantonen, die sie rufen.

Heute Mittwochmittag trafen in Baselland und Basel-Stadt die ersten Rettungswagen und Sanitätssoldaten der Armee ein. Sie werden vor allem Patiententransporte übernehmen, aber auch beim Ausbau des Bruderholzspitals helfen. Die kantonalen Ressourcen sind am Anschlag.

Das hat es in der Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben: Bis zu 8000 Armeeangehörige sollen aufgeboten werden, um die Kantone beim Kampf gegen das Corona-Virus zu unterstützen. Denn deren personelle Ressourcen sind offenbar langsam erschöpft. Bereits zwölf Kantone haben offiziell um Hilfe gebeten – darunter auch die beiden Basel. Und wie beide bekanntgeben, trafen heute Mittwoch schon die ersten Soldaten ein.

In Basel-Stadt sind dies vorerst zwei Rettungswagen inklusive Personal zur Unterstützung der Rettung Basel-Stadt. In Baselland sind es drei Sanitätsfahrzeuge mit zirka zehn Armeeangehörigen. «Unser Gesundheitswesen ist bereits heute punkto Personalressourcen stark strapaziert», sagt Roman Häring auf Anfrage. Der Sprecher des Krisenstabs Baselland verweist auch darauf, dass ständig neue Aufgaben dazukämen. Im Baselbiet hängt dies aktuell mit den neu aufgebauten Infrastrukturen zusammen, also den beiden Corona-Abklärungsstationen in Lausen und Münchenstein, aber auch mit dem Einrichten des Corona-Referenzspitals auf dem Bruderholz.

100 zusätzliche Betten für das Bruderholzspital

Gemäss Häring werden die Soldaten für Patiententransporte zwischen den verschiedenen Gesundheitseinrichtungen gebraucht. Aber auch, um die Kapazitäten des Bruderholzspitals um 100 Betten zu steigern sowie die Beatmungsplätze zu verdreifachen.
In Basel-Stadt ist der Bedarf zweigeteilt, wie Regierungssprecher Marco Greiner auf Anfrage ausführt. Neben den Patiententransporten ginge es auch um die Betreuung von Patienten auf «Low-Level-Care», also um einfache Pflegeleistungen. «Die Sanitätswagen brauchen wir so sobald wie möglich, die Betreuungspersonen, wenn wir einen nicht mehr mit zivilen Mitteln überwindbaren Engpass bei medizinischen Fachpersonen feststellen», so Greiner.

Häring weist seinerseits auf die Dauer der Corona-Krise hin: «Die Durchhaltefähigkeit muss über mehrere Wochen sichergestellt werden und dies kann nur durch zusätzliches Personal erfolgen.» Tatsächlich plant auch die Armee mit einem längeren Einsatz. Zu den wenigen Informationen, welche die bereits aufgebotenen knapp 3000 Angehörigen der Sanitätstruppen erhielten, gehörte der Hinweis, Kleider für mindestens drei Wochen einzupacken.

Soldat sorgt sich um Unterbringung

Dies erzählt Raphael Hugenschmidt im Gespräch mit der bz. Der 22-jährige gebürtige Basler erhielt das Aufgebot am Dienstagabend per SMS. Am Donnerstag um 9 Uhr muss er bereits im luzernischen Kriens sein. Hugenschmidt ist allerdings kein Sanitätssoldat, sondern als Fourier einer Sanitätskompanie zugeteilt. «Dadurch komme ich weniger in Kontakt mit Patienten, aber etwas verunsichert bin ich schon, da ich nicht weiss, was auf mich zukommt.»

Natürlich haben Hugenschmidt und seine Kollegen mitbekommen, dass es schon zehn Ansteckungsfälle in der Armee gegeben hat. So fragen sie sich etwa, ob sie in einem Massenschlag schlafen werden. Die Armee liess am Mittwoch bloss verlauten, dass unterirdische Unterkünfte vermieden werden. Dazu präzisiert Greiner, dass die Armee dabei sei, in Turnhallen, Schulen oder geschlossene Hotels umzuziehen. Auch in den Kasernen seien die Arbeiten im Gang, sofort die Vorschriften des Social Distancings einzuhalten – auch bei der Bettenbelegung.

In Baselland wird laut Häring in der Kaserne Liestal übernachtet. Dies aber explizit «in grosszügigen Zimmern». Ausserdem bekämen die Soldaten Schutz-Kleidung und würden am Ende jedes Tages dekontaminiert.

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