Altmodisch zu sein muss nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten. In meiner Welt, vor und hinter der Bar, kann das auch für Qualität und Authenzität stehen. Die alten Drinks sind derzeit im wahrsten Sinne in aller Munde. Cocktailklassiker, die um die Jahrhundertwende geboren wurden, etwa der «Old fashioned» oder der «Sazerac», erleben eine Renaissance, werden wieder öfter bestellt.

Sie stammen aus einer Zeit, als noch kein Überfluss an Produkten herrschte und man diese mit grösster Sorgfalt behandelte. Sei es das Eis, das Werkzeug, und selbstverständlich die Spirituosen. Deren Qualität war damals noch nicht so hochwertig und rein wie heute, was manch einem Cowboy üble Kopfschmerzen bereitete - die meist spritigen Destillate müssen in der Tat geschmacklich gewöhnungsbedürftig gewesen sein, galten aber auch als Medizin: Ohne Alkohol hätten die Seefahrer die Zeit auf der rauen See nicht ohne krank zu werden überstanden.

Alkohol desinfizierte, hob die Laune und gab Mut. Er erleichterte die schwere körperliche Arbeit eines jeden Matrosen, aber auch des Sattlers oder Minenarbeiters.
Aber eben, die Drinks mundeten nicht wirklich. Und so fing man bald an, dem kräftigen Alkohol Zucker- oder Fruchtsäfte beizufügen, um ihn geniessbarer zu machen - der Cocktail war geboren. Der «Old fashioned» ist seine Urform.

Der Name bezeichnet sowohl den Drink als auch seine Zubereitungsart. Bourbon Whiskey wird mit Zucker gesüsst und mit Angostura Bitter verfeinert. Ursprünglich wurden für diesen Cocktail Zitrusfrüchte zerstossen. Heute belässt man es bei einer Orangenzeste. Auch verwendet man statt eines Würfelzuckers oft Zuckersirup.

In den vergangenen Jahren ist ein richtiger Hype um diesen Drink und seine Variationen entstanden. So gibt es den «Old fashioned» auf Mezcal, Rum oder Grappa, aber auch hauseigene, gewagte Kreationen mit Trüffel kommen an.

Eng verwandt mit dem «Old fashioned» ist der «Sazerac». Der in New Orleans entstandene Klassiker wird mit Roggenwhisky oder Cognac zubereitet. Elementar ist die Zugabe von «Peychaud-Bitter». Bei diesem Drink, der ohne Eis serviert wird, parfümiert man das Glas mit Absinth. Wohl bekomms!

Rezept für den «Old fashioned»:
6cl Bourbon
1-2 Barlöffel Zuckersirup
2 Spritzer Angostura
Alle Zutaten in einem Mixglas kaltrühren und eine Orangenzeste zugeben.