Stolz vermeldet die Buchhandlung «Das Labyrinth» auf ihrer Homepage die Neugründung. Ab 1. April wolle man weiterhin für seine Kunden da sein, weil das Bücherverkaufen mehr als nur ein Beruf sei. «Wir sind aber in der jetzigen Situation auf Ihre Hilfe angewiesen», steht als einer der nächsten Sätze. Ein leiser Hilfeschrei, der die Probleme des «Labyrinths» nicht im Ansatz abbildet.

Seit Jahren leidet die Institution am Nadelberg unter finanziellen Problemen. Deshalb wurde beschlossen, das Geschäft per Ende März definitiv zu liquidieren. Dies bestätigt Matthias Staub, langjähriger Mitarbeiter, auf Anfrage. Doch die Liquidation des «alten Geschäfts», wie er es im Gespräch immer wieder nennt, sollte nicht das Ende sein. Eine Neugründung an der gleichen Location wie seit 30 Jahren sollte die Rettung sein. Ein überarbeitetes Geschäftskonzept und ein leicht veränderter Name sollten das Geschäft wiederbeleben. Und sogar die Suche nach Gönnern lief erfolgreich. «Wir hätten das Geld für einen Neustart», sagt Staub. Doch die Konsternation in seiner Stimme ist nicht zu überhören.

Denn wie es scheint, nützt das Geld der Gönner nichts – denn es ist nicht genug. Die Geschäftslage und der Umsatz seien sehr schlecht geworden. Der Traditions-Buchladen schreibe ausschliesslich rote Zahlen. Insbesondere im 2014 sei der Umsatz total eingebrochen, konnten nur noch zwei Drittel des Totalumsatzes vom Geschäftsjahr 2013 erzielt werden. Hinzu kommt, dass sich die Schulden, die bereits 2013 im fünfstelligen Bereich waren, signifikant vergrössert haben.

Die Gründe für die immer grösser werdenden Probleme sind dieselben, wie sie Matthyas Jenny, Inhaber der Bachletten- Buchhandlung, bei der Verkündung der Schliessung seines Ladens per Ende September (die bz berichtete) genannt hat: Der Fall des Eurokurses und die Elektronisierung, die zur Folge hatte, das viele Bibliophile ihre Bücher online bestellen.

Entscheid fällt heute

Diese Probleme und die Tatsache, dass die Uni-Bibliothek aus Kostengründen nur noch in Deutschland und nicht mehr im Labyrinth einkaufe, gefährden die Umsetzung des Neustarts – wenn sie sie nicht sogar bereits zunichtegemacht haben. Heute wird entschieden, ob ein Neustart überhaupt noch gewagt wird. Doch die Chancen stehen quasi bei null. Sah es zu Beginn noch rosig aus und als wäre der Neustart die erhoffte Rettung, sähe es mittlerweile schwarz aus, so Staub. Und er wird noch deutlicher: «Was den Neustart angeht, sieht es ziemlich schlecht aus. Es wäre ein Wunder, wenn wir nochmals eröffnen könnten.» Auf der Homepage der Buchhandlung steht, dass in einem Labyrinth in jedem Augenblick und an jedem Ort eine Entscheidung getroffen werden muss. Dass jedes Labyrinth einen Eingang, ein Zentrum, aber auch unzählige Wege hat.

Nun muss man einsehen, dass die Wege und Verzweigungen sich als Irrwege entpuppen, die am Ende in eine Sackgasse des Labyrinths führten.