Urteil

Die Schlafzimmer-Räuber müssen ins Gefängnis

(Symbolbild)

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Für einen Raub an einem bettlägerigen Mann in Münchenstein müssen vier Männer ins Gefängnis. Das Gericht stufte die Gruppe als Bande ein und sprach auch Landesverweise aus.

Es war keine grosse Überraschung: Die fünf Richter stuften den Überfall auf einen 83-jährigen Mann im Dezember 2014 in dessen Schlafzimmer in Münchenstein als bandenmässigen Raub ein. Beim Strafmass blieb das Gericht ein wenig unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, nahm ansonsten aber keine grossen Korrekturen vor.

Gerichtspräsident Christoph Spindler sagte allerdings, beim Überfall habe es keine klare Rollenverteilung und damit auch keinen eigentlichen Chef gegeben. Der Initiant des Überfalls war ein 40-jähriger Mann aus Albanien, er hatte dem 83-jährigen, bettlägerigen Mann beim Überfall die Bettdecke auf den Kopf gedrückt und ihn festgehalten. Auch zog er ihm Uhr und Schmuck ab, während die anderen drei Männer die Wohnung durchsuchten. Das Opfer stellte sich tot, was der 40-Jährige hinterher bestätigte. Die Männer schnappten sich auch das Telefon und schoben den Rollstuhl vom Bett weg. Der Raubzug dauerte rund zwanzig Minuten.

Später sagte der 40-Jährige, er sei froh gewesen, als er aus den Medien erfahren habe, dass das Opfer überlebt habe. Das Gericht nahm ihm die Reue ab, zumal er nicht nur sich selbst, sondern auch mehrere Mittäter massiv belastet hatte. Spindler betonte, eigentlich sei ein Strafmass von 6,5 Jahren angemessen, wegen der ausserordentlichen Kooperation des Mannes beliess es das Gericht bei 4,5 Jahren. Dazu kam ein Landesverweis von fünf Jahren.

Weitere Mittäter erhielten Freiheitsstrafen von 6 Jahren, 5,5 und 5 Jahren. Einer davon erhielt ebenfalls einen Landesverweis, die beiden anderen werden sowieso von Italien und dem Kosovo gesucht.

Während der Verkündung des Strafmasses murrten einzelne Verurteilte, was Christoph Spindler dazu veranlasste, auf die Relationen hinzuweisen. «Falls jemand von Ihnen das Gefühl hat, ungerecht behandelt zu werden: Das Strafmass für bandenmässigen Raub beträgt zwischen zwei und 20 Jahren», sagte Spindler.

Mit einer Bewährungsstrafe kam schliesslich ein 29-jähriger Mann davon. Er war am Raubüberfall nicht beteiligt, allerdings bei einer erfolglosen Tresorknackerei im Migros Seegarten in Münchenstein.

Das Gericht beliess es bei einer bedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten. Allerdings war der Mann bereits im Jahr 2014 wegen eines Einbruchs in eine Privatliegenschaft verurteilt worden. Damals erhielt er einen Strafbefehl mit einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen, was vom Gericht gestern als «nicht nachvollziehbar» kommentiert wurde. Alle fünf Männer können die Urteile noch weiterziehen.

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