Rabatt-Schlacht

Die Schnäppchenjäger vom Dienst: An diesen Orten profitieren Basler Staatsangestellte gerne

Nur acht von insgesamt 196 Rabatt-Angeboten: Die Basler Kantonsangestellten sind als Kunden heftig umworben.

Nur acht von insgesamt 196 Rabatt-Angeboten: Die Basler Kantonsangestellten sind als Kunden heftig umworben.

Das Personalamt des Kantons Basel-Stadt führt ein spezielles Register: Die «Zentrale Rabattliste». Sie enthält 196 Vergünstigungen für Verwaltungsangestellte – eine solche Liste wäre bei ihnen kaum denkbar, heisst es aus anderen Kantonen.

Kantonsangestellter müsste man sein – in Basel-Stadt. Es winken Schnäppchen ohne Ende. So können die rund 11 000 Mitarbeitenden der kantonalen Verwaltung günstiger zum Coiffeur und zum Zahnarzt, sie erhalten Vergünstigungen bei Apotheken, beim Onlineshop von Brack und bei nicht weniger als neun Umzugsfirmen.

Das Verwaltungspersonal bezahlt zudem weniger fürs «Vogue»-Abo und für Solaranlagen der Colanero GmbH, kann mit 15 Prozent Rabatt Stretch­limousinen mieten und erhält eine Flasche Prosecco gratis dazu. Auch die erweiterte Familie profitiert von der Rabattschlacht: Beim Hundesalon Mugge gibts zehn Prozent auf Pfotenpflege.

Damit die Mitarbeitenden nicht die Übersicht verlieren, hat der Kanton alle Angebote zusammengestellt: Die «Zentrale Rabattliste» wird vom Personalamt verwaltet. Die jüngste Aktualisierung wurde per Juli 2020 ins Intranet gestellt, rechtzeitig zu den Sommerferien. Die Liste ist erneut gewachsen. Auf 21 Seiten finden sich 196 Angebote. Zum Vergleich: 2013 waren es 15 Seiten und 165 Angebote.

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Doch wie kommt es, dass eine kantonale Verwaltung eine eigene Rabattliste fürs Personal führt? David Gelzer, Stellvertretender Leiter der Human Resources Basel-Stadt, schreibt, die Liste gebe es seit 2006. «Interessierte Firmen können sich bei uns melden, wenn sie in diese Liste aufgenommen werden wollen.» Man betreibe keine eigene Akquisition, prüfe jedoch, ob die Angebote aus Sicht des Kantons «opportun» seien.

Kantonalbank-Konto zum Nulltarif

Opportun ist aus Sicht des Kantons offenbar auch, dass sogar Unternehmen auf der Liste auftauchen, die selber ganz oder teilweise staatlich getragen werden oder zumindest von staatlichen Zuwendungen profitieren. So wirbt etwa das Bistro des Antikenmuseums mit zehn Prozent Rabatt um Gäste im Sold des Kantons. Es kann also vorkommen, dass die Dienststelle mitunter Personal der eigenen übergeordneten Abteilung Kultur des Basler Präsidialdepartements subventioniert.

Die Basler Kantonalbank – eine öffentlich-rechtliche Anstalt – gewährt nicht nur Angestellten, sondern auch Pensionierten von kantonalen Stellen und Ämtern unter anderem ein Gratisprivatkonto samt Vorzugszins.

Im Baselbiet gibt es keine Rabattliste. Lukas Wyder, Leiter des Fachbereichs Personalhonorierung bei der kantonalen Verwaltung, schreibt: «Es ist nicht Aufgabe des Kantons, Rabatte bei privaten Anbietern auszuhandeln.» Aber auch Baselland gewähre «punktuelle Benefits», sprich: Günstigeres Benzin bei den kantonseigenen Tankstellen, Microsoft-Home-Programme mit 30 Prozent Rabatt und die Möglichkeit, per Kollektivversicherungen Rabatte auf Zusatzversicherungen bei Krankenversicherungen zu erhalten.

Bedenken wegen Fairness und Gleichbehandlung

Beim Kanton Solothurn würden die Personalverbände entsprechende Rabattlisten führen, teilt Urs Hammel, Chef des Personalamts, mit. «Ob die kantonale Verwaltung solche Angebote ermöglichen soll, steht derzeit nicht zur Diskussion.»

Staatliche Rabattlisten bergen Risiken. Etwa jenes, dass Unternehmen sich beim Staatspersonal bekannt und beliebt machen wollen – und somit darauf spekulieren, sich bei künftigen Beschaffungen einen Vorteil zu ergattern, womöglich schlicht aus dem Umstand, dass man ihr Angebot schon kennt und damit zufrieden war.

Für Urs Hammel ist das nicht aus der Luft gegriffen. Der Solothurner Personalchef ist der Ansicht, solche Bedenken lägen auf der Hand, «und wir müssten hier gut abwägen». Keine Vorbehalte hat man jedoch im Stadtkanton. David Gelzer erklärt, das Risiko, dass Kantonsangestellte eine bestimmte Unternehmung bevorzugen könnten, sei eine «grundsätzliche Problematik» – sie stelle sich «unabhängig von der Rabattliste».

Basel-Stadt erwägt Einschränkungen

Ein weiterer unschöner Punkt: Zumindest subventionierte Unternehmen könnten die Rabatte weniger aus der Überlegung gewähren, den Konsum anzukurbeln, sondern, um sich mit dem Geldgeber gutzustellen, sich beim «Sponsor» erkenntlich zu zeigen.

Hier will man auch in Basel-Stadt künftig genauer hinschauen. Da die Gefahr bestehe, so Gelzer, dass subventionierte Betriebe die Vergünstigungen nicht aus ökonomischen Gründen bereitstellen würden oder dieser Eindruck entstehen könnte, «wird der Kanton prüfen, ob es diesbezüglich eine Einschränkung braucht».

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