Curling-WM

Die schottischen Steine gleiten auf perfektem Eis

Nach dem WM-Triumph der Frauen ist die Curling-Weltmeisterschaft in der St.Jakobshalle für das Schweizer Männerteam ein besonderer Prüfstein. Der letzte WM-Titel liegt 24 Jahre zurück. Am Freitag wird mit einer Parade durch die Freie Strasse und auf dem Marktplatz gefeiert.

In der grossen Joggelihalle ist nur das Rauschen der Entfeuchter und der Staubsauger zu hören. Sonst herrscht zwei Tage vor Beginn der Curling-WM der Männer konzentrierte Ruhe bei den letzten Vorbereitungen. Um die Eisfläche in dem perfekten Zustand zu halten, in dem sie sich jetzt präsentiert, müssten in der Halle eigentlich konstant 15 Grad Celsius und 20 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen, erklärt OK-Chef Bruno Schallberger.

Die Meisterschaft ist eine logistische Meisterleistung. 55 000 Zuschauer und mehr als 80 Journalisten aus aller Welt werden erwartet. Die letzte WM in Basel vor vier Jahren verfolgten über 100 Millionen Fernsehzuschauer. All das koordiniert Schallberger. «Um eine perfekte Unterlage für das Eis zu schaffen, wurden 120 Tonnen Fliessbeton verarbeitet, die nach der WM wieder entfernt werden müssen», sagt er.

Sechs Zentimeter dickes Eis

Die Kühlung funktioniert wie eine umgekehrte Bodenheizung. 40 Kilometer Plastikleitungen führen die Kühlflüssigkeit über den Betonboden, 40 000 Liter Wasser werden so zu einer sechs Zentimeter dicken Eisschicht. Der Eismeister hat eine ganze Woche gebraucht, um eine perfekte Fläche zu präparieren. Während der Spiele darf weder Reif noch Wasser auf dem Eis sein. Deshalb sind neben der Kühlung in der Halle auch permanent riesige Luftentfeuchter in Betrieb.

Üben für Olympia

Delegationen aus Korea und China, wo die Olympischen Winterspiele 2018 und 2022 stattfinden werden, sind schon seit einigen Tagen in der Stadt, um von den Organisatoren zu lernen. Basel will sich als internationale Sportstadt etablieren. Laut Sabine Horvath, Leiterin des Standortmarketings des Kantons Basel-Stadt, zählt dazu auch die aufgegleiste Sanierung und Modernisierung der Joggelihalle.

Bis es soweit ist, müssen die Curler mit der alten Halle vorliebnehmen. Die Meisterschaft findet nicht in der Eishalle statt, weil diese zu klein wäre und man die Infrastruktur der grossen Halle braucht. Sie umfasst während der WM 5000 Sitzplätze. Für das Finale am 10. April ist die Haupttribüne ausverkauft, sonst gibt es noch Tickets. Dass die WM der Männer nach der EM 2006 und der WM 2012 erneut in Basel stattfindet, ist nicht selbstverständlich. Schallberger ist daran massgeblich mitschuldig. Er hat ein hervorragendes Netzwerk im Curlingsport, war einst selbst aktiver Curler, dann zehn Jahre im Vorstand des Schweizer Verbands und schliesslich auch im Vorstand des Weltverbands. Bei den Olympischen Spielen in London nannte ihn das Fernsehen «Mister Curling».

Schottischer Granit

Der Weltverband hat seinen Sitz im schottischen Perth. In Schottland hat der Sport seinen Ursprung, von dort kommen auch sämtliche Curlingsteine. Kein Material der Welt ist so geeignet wie der Granit von der schottischen Insel Aisle Craig. «Die Steine halten gut 100 Jahre», sagt Schallberger. «Man hat probiert, Curlingsteine aus Kunstmaterialien herzustellen. Die sind aber weder günstiger noch besser. Es ist ein bisschen wie bei den Weinflaschen: Nichts ist so gut wie ein guter Korkzapfen.»

Schallberger träumt auch von Olympischen Winterspielen in der ganzen Schweiz. «Wir haben über das ganze Land verteilt jetzt schon die Infrastruktur für die Spiele.» Das würde Kosten sparen und sei gut realisierbar. Die Idee sei mittlerweile auch bei den Kantonen gut angekommen. Auf die Frage, ob Basel dann Austragungsort für die Curling-Wettbewerbe werden solle, strahlt Schallberger über beide Ohren und sagt: «Ja, das wäre natürlich schön.»

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