Es macht einen Höllenlärm. 115 Dezibel erreicht ein Schrillalarm – so laut wie eine Kettensäge. Das Schlüsselanhänger-grosse Gerät soll vor allem Frauen zum Schutz dienen: Wird der an einer Schnur befestigte Stift herausgezogen, beginnt es zu pfeifen, was einen Angreifer abschrecken und vertreiben soll.

Erst ein konkreter Fall bekannt

«Die Schrillalarme waren einer meiner grössten Erfolge.» Noch heute ist die grünliberale Regierungskandidatin Martina Bernasconi stolz darauf. Auf ihren Vorstoss hin startete die Basler Polizei im Herbst 2013 eine grosse Verteilaktion. Bis heute sind über 50'000 Stück gratis abgegeben worden. Kostenpunkt: rund 200'000 Franken. Regelmässig und gerne weist Bernasconi darauf hin. Genauso wie FDP-Polizeidirektor Baschi Dürr, der die Verteilaktion ebenfalls zu PR-Zwecken nutzte. Nun stehen beide wieder im Wahlkampf. Am 23. Oktober wollen sie in die Basler Regierung gewählt werden. Zeit für eine Erfolgsbilanz: Bringen die Schrillalarme tatsächlich mehr als nur Wahlkampfgetöse?

Die nackten Zahlen sprechen nicht dafür: Bis heute weiss die Basler Kantonspolizei gerade mal von einem konkreten Fall, bei dem ein Schrillalarm eingesetzt worden ist, wie Mediensprecher Andreas Knuchel erklärt. Im April 2014 hatte eine damals 44-jährige Frau im Bürgerspital Basel mit Schreien und Auslösen des Schrillalarms einen Raubüberfall abgewehrt. Der mit Verbandsmaterial und einer medizinischen Maske vermummte Täter habe verdattert seine Pistole eingesteckt und die Flucht ergriffen. Noch auf dem Spitalgelände wurde der 28-jährige Schweizer von einer Polizeipatrouille festgenommen.

«Wir entsprechen einem Bedürfnis»

Martina Bernasconi zeigt sich davon unbeeindruckt: «Die Zahlen der Polizei sagen meiner Meinung nach wenig über den Erfolg aus», sagt die Grossrätin. Wichtig sei, dass sich Menschen mit einem solchen Schrillalarm in der Stadt subjektiv sicherer fühlten. Und davon kenne sie einige. Zudem würden die Geräte in einigen Altersheimen wie dem Neubad gezielt abgegeben. Auch Polizeisprecher Knuchel relativiert die scheinbar magere Ausbeute der Präventionsmassnahme: «Die Polizei muss nicht Kenntnis über den Einsatz eines Schrillalarms erhalten.» Auch werde keine Statistik geführt. Die Polizei weiss also nicht, wie oft die Geräte in Basel-Stadt tatsächlich zum Einsatz gelangt sind.

Klar ist: Die Basler Polizei will die Geräte auf jeden Fall weiterhin gratis verteilen. «Aufgrund der sehr grossen Nachfrage und des Interesses anderer Polizeikorps aus dem In- und Ausland dürfen wir davon ausgehen, dass wir damit einem grossen Bedürfnis entsprechen», sagt Knuchel. Daher will die Polizei die Geräte immer wieder nachbestellen, um die Verfügbarkeit sicherzustellen. Allerdings sei der Schrillalarm nur eine von vielen Massnahmen, die zur Sicherheit in der Stadt beitragen sollen.