Da nach den Sommerferien ein Junge und ein Mädchen in den Kindergarten kommen, die allergisch auf Erdnüsse und andere Nüsse sind, hat man sich zu einem Verbot entschieden. «Und zwar, um den Betroffenen einen halbwegs unbelasteten Schulalltag zu ermöglichen», erklärt Primarschulleiter Urs Beyeler.

Die beiden Kinder seien nicht miteinander verwandt und es handle sich um einen Zufall, dass gerade jetzt zwei Kinder eingeschult würden, die an dieser Unveträglichkeit leiden. «Es sind die ersten derartigen Fälle an unserer Institution», sagt der Schulleiter, der seit fast zwei Jahrzehnten in Lausen tätig ist.

Würden die Kinder mit Nüssen oder nusshaltigen Speisen in Berührung kommen, könne eine schwere allergische Reaktion eintreten. Ein sogenannter anaphylaktischer Schock könne lebensbedrohlich sein.

Kommt der Samichlaus nicht mehr?

«Alle Kinder und Mitarbeitende müssen im Schulhaus und auf dem gesamten Schulareal auf den Verzehr von Nüssen, Erdnüssen oder entsprechenden Produkten strikte verzichten», schrieb die Schulleitung in einem Brief an die Eltern. Sie wurden gebeten, ihren Kindern keine nusshaltigen Speisen mehr in die Schule mitzugeben. Ausserdem wies man sie an, dass sich ihre Kinder nach dem Konsum von Nüssen vor dem Unterricht zu Hause die Hände gründlich waschen sollen.

Nachdem die Eltern angeschrieben wurden, seien im Dorf wilde Gerüchte ins Kraut geschossen, erklärt Beyeler. «So war etwa die Rede davon, dass künftig der Samichlaus nicht mehr in die Schule komme und dass die Nussbäume auf dem Schulareal gefällt werden müssten.» Einerseits gebe es gar keine solchen Bäume, andererseits werde der Samichlaus natürlich weiterhin den rund 320 Kindern in der Primarschule und dem Kindergarten einen Besuch abstatten.

«Die Reaktion einiger Eltern war schon befremdlich und bin auf Facebook mehrere Male diffamiert worden.» Nichtsdestotrotz halte man am Verbot fest und werde kurz vor Beginn des Schuljahres auf dem Schulgelände einige Verbotsschilder aufhängen, auf denen Produkte abgebildet sind, die nicht mehr konsumiert werden dürfen.

Nicht die einzige Schule

Die Primarschule und Kindergarten Lausen sind nicht die einzigen Baselbieter Bildungseinrichtungen, in denen Nussverbote herrschen. «Uns sind diesbezüglich zudem die Primarschule Sissach und die Primarschule Ramlinsburg bekannt», schreibt Deborah Murit, Leiterin Kommunikation bei der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, auf Anfrage.

«Der Volksschulleitung Basel-Stadt ist keine Schule im Kanton bekannt, die ein solches Verbot ausgesprochen hätte», heisst es wiederum beim Basler Erziehungsdepartement zur Situation in Basel-Stadt.

Diesen Angaben widerspricht Angelica Dünner, Präsidentin des in Zürich ansässigen Vereins «Erdnussallergie und Anaphylaxie». Sie wisse von drei weiteren Primarschulen und Kindergärten im Baselbiet und je einer Primarschule, einer Privatschule und einem Kindergarten in Basel-Stadt, wo ebenfalls Erdnuss- oder Nussverbote gelten.

«In der ganzen Schweiz sind es rund 70 Schulen, an denen Kinder mit anaphylaktischen Reaktionen auf Nüsse oder Erdnüsse unterrichtet werden und es werden immer mehr, da es in den letzten Jahren zu einer klaren Zunahme von Allergien gekommen ist», sagt die Mutter eines selbst betroffenen Kindes.

Kinder zeigten Verständnis

Die vermuteten Hauptgründe dafür seien vielfältig. «In der Forschung erwähnt werden etwa die genetische Veranlagung und die zunehmende Hygiene sowie die immer häufiger verwendeten Medikamente.» Allergische Reaktionen seien Fehlfunktionen des Immunsystems, erklärt die Präsidentin des Vereins, dem auch Familien aus den beiden Basel angehören.
Kinder zeigten Verständnis

Der Baselbieter CVP-Landrat Pascal Ryf erinnert sich an ein Skilager vor acht Jahren, als er noch als als Schulleiter an der Primarschule Oberwil tätig war. «Schon damals sprachen wir wegen eines allergischen Kindes ein Nussverbot aus», sagt der heutige Allschwiler Schulleiter. Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler hätten ihn damals positiv überrascht: «Die Kinder waren sehr verständnisvoll und nahmen Rücksicht auf ihren Schulkameraden.»