Hier springen uns Comicfiguren – in skulpturaler wie in gemalter oder gezeichneter Form – und Mangabilder förmlich entgegen, wenn wir den Scope-Pavillon auf dem Kasernenareal betreten. Kräftige Farben und viel Fotorealismus stechen zudem ins Auge. Die Scope, an der 80 internationale Galerien ausstellen, ist aufs Erste etwas schrill und farbig. Manches an Kunst sahen wir hier schon 2011 und werteten es bereits als ein Déjà-vu. Mit ironischen Leuchtschrift-Installationen zum Beispiel sind kaum mehr neue Geschichten zu erzählen.

Auf unserem Spaziergang durch die Scope, die 2013 nicht mehr auf diesem für die Kunst passenden Ort bei der Kaserne sein darf, begegnen wir aber auch Bildern oder Installationen von inhaltlicher wie formaler Dichte, Werke, die berühren, aufrütteln – so bei der Zürcher Galerie Fabian und Claude Walter. Andy Denzlers Bilder bewegen sich zwischen der Mehrschichtigkeit abstrakter Malerei und einer Hinwendung zur Figürlichkeit. Seine Menschen werden so gebrochen. Das Männerporträt «Pledge of Secrecy» (für 8500 Franken) führt unseren Blick ins brüchige Innere der Figur. In Denzlers neuen Werken hat der Raum Kraft und Tiefe. Die beiden Frauen von «The Godden of Imaginery Light» (für 22500 Franken) wirken wie verlorene Suchende im theatralisch sprechenden Raum.

Wir gehen lächelnd vorbei an Richard Huttens buntem Büchertisch bei der niederländischen Galerie Judy Straten. Der Tisch aus zusammengeleimten Büchern erzählt nicht mehr, als seine Oberfläche uns mitteilt. Wir halten ein bei der Gallery Linart aus Istanbul. Seyit Mehmet Buçukoglus abstrakte Bilder erinnern an Antoni Tàpies, sind aber eigenständig, etwas weniger expressiv gestaltet und sie bauen auf die arabische Kultur – eine Tradition, die auch beim Spanier mit eingeflossen ist. Für seine formal bestechenden und vielschichtigen erdfarbenen Bilder verwendet der Künstler nur natürliche Farbstoffe. Auch Buçukoglu schreibt mit in seine Farblandschaften Texte ein – in arabischen Lettern. Die Preise für die grossen Bilder liegen zwischen 5000 und 7000 Euro.

Gefangene Frau und Tiermensch

Marcks Video-Skulpturen waren schon letztes Jahr vertreten und packen in ihrer Erzählkraft noch heute. Die Münchner Galerie von Braunbehrens zeigt die zweiteilige Installation Tauchen (42000 Euro). In und durch zwei Kästen, aus denen riesige Zähne hervorstechen, sehen wir eine Frau schwimmen. Für sie gibt es in diesen Urtiermündern gleichenden Wasserbecken kein Entrinnen.

Das Zürcher Künstlerpaar Glaser/Kunz zieht mit seiner Installation den Blick auf sich – mit dem zweigeteilten Kopf, auf den das Video eines sprechenden, lächelnden ebenso zweigeteilten Gesichts projiziert wird. Eine starke Arbeit bei der Turiner Galerie Gagliardi Art System.

Die Wiener Künstlerin Deborah Sengl zeigt uns einen Mann mit abgeschnittenem Kopf. Er sitzt vor einem Garderobenspiegel, setzt sich den Kopf einer Bulldogge auf. Neben ihm auf dem Tisch liegt ein Schafskopf, den er wohl gerade abgelegt hat. Der Mann im dunklen Anzug wechselt sein Inneres oder zeigt hier sein wahres Gesicht. Dabei arbeitet die Wiener Künstlerin und Biologin mit Tierpräparaten. Die Installation bei der Galerie Dreschler Berlin hat einen Preis von 65000 Euro.

Im dunklen Raum der Mailänder Galerie Fabbrica Eos steht Manuel Felisis Klavier buchstäblich im Regen. Die Tropfen fallen auf die verwitterten Tasten des Klaviers, über dem ein alter ovaler Spiegel prangt. Es wurde auch bereits im Konzert in Mailand bespielt – im Regen. Witterung und Zeit nagen an den Kunstgegenständen, setzen die Kunst selbst der Vergänglichkeit aus.

Scope auf dem Kasernenareal Basel, bis 17. Juni.