Fachhochschule
Die Sekundarschüler sollen bessere Lehrer bekommen

Der neue Ausbildungsgang der Pädagogischen Hochschule ist umstritten. Bildungspolitiker fordern nun, dass Seklehrer wieder an der Universität ausgebildet werden.

Leif Simonsen
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Bildungspolitiker fordern, dass Seklehrer wieder an der Uni ausgebildet werden.

Bildungspolitiker fordern, dass Seklehrer wieder an der Uni ausgebildet werden.

Keystone

Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich zwischen zwei beruflichen Ausbildungswegen entscheiden. Die erste Ausbildung ist kürzer, und Sie haben nachher zudem Anspruch auf einen höheren Lohn. Die Wahl fällt immer mehr angehenden Sekundarlehrern leicht: Sie entscheiden sich für den sogenannten integrierten Ausbildungsweg an der Pädagogischen Hochschule (PH) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

Das bedeutet: Die ganze Ausbildung wird an der Fachhochschule durchlaufen. Dies im Gegensatz zur traditionellen, konsekutiven Seklehrerausbildung, bei der die fachwissenschaftliche Ausbildung an der Universität stattfindet. Der integrierte Studiengang dauert im Schnitt ein Jahr kürzer und verspricht gleichzeitig bessere Anstellungsbedingungen: Die Abgänger können nämlich drei Fächer unterrichten, während die Uni-Absolventen meist nur zwei Fachabschlüsse vorweisen können.

Immer mehr politische Vorstösse

Gestern meldete sich erstmals seit drei Jahren die Gruppe für eine bessere Sekundarlehrer-Ausbildung (GBS) wieder zu Wort. Die Gruppe besteht aus Bildungsexperten, Lehrern und Politikern aller vier Kantone, die an der FHNW beteiligt sind (BS, BL, AG, SO). Die Gruppe macht sich Sorgen um die Ausbildungsqualität dieses integrierten Ausbildungsgangs – deswegen hat sie nun ein Positionspapier verfasst. «Die Unzufriedenheit mit der Ausbildungssituation manifestierte sich in letzter Zeit durch eine Vielzahl politischer Vorstösse», sagte GBS-Mitglied und Basler CVP-Grossrat Oswald Inglin an einer Medienkonferenz in Muttenz. Das Grundproblem in seinen Augen: Die unterschiedlichen Ausbildungsgänge führen zu unterschiedlich gut qualifizierten Sekundarlehrern. Im Fokus der Kritik steht, dass selbst für die Sekundarschulniveaus P und E (also die zwei anspruchsvollsten Leistungszüge) die Erziehungswissenschaft im Vordergrund stehe – und dabei die Fachwissenschaft auf der Strecke bleibe. Auch der frühere Uni-Dozent und Kopf der GBS, André Vanoncini moniert: «Mit der heute gültigen Praxis wirft die PH sämtliche für diese Züge bestimmten Lehramtskandidaten in den gleichen Topf.»

Die GBS fordert nun, dass die fachwissenschaftliche Ausbildung (etwa die Studienfächer Mathe oder Französisch) in der alleinigen Verantwortung der Uni liegen sollte. Doch das bedeutet de facto die Abschaffung des integrierten Studiengangs an der PH. Die GBS ist sich bewusst, dass der politische Weg dafür nicht geeignet ist. «Eine Volksabstimmung ist nicht möglich, da diese in allen vier Kantonen durchgeführt werden müsste», sagte GBS-Mitglied und SP-Landrat Marc Joset.

Ärger bei der PH

Die Reaktion der PH liess gestern nicht lange auf sich warten. Die Argumente der Gruppe, der neben Inglin auch die Basler Grossräte Daniel Goepfert und Kerstin Wenk (beide SP) angehören, seien irreführend. Die Behauptung, wonach ein Abbau des fachwissenschaftlichen Studiengangs erfolge, beruhe auf einem falschen Vergleich. «Die Gruppe macht einen Fehlschluss, denn beide Studienvarianten sind Teil des Konzepts 2009 der PH FHNW», heisst es in der Stellungnahme der PH. «Es werden also bestehende und nicht wie behauptet, frühere Studiengänge mit heutigen Studienangeboten miteinander verglichen.» Der Vergleich mit dem früheren Modell sei schwierig, weil man nicht einfach die Studienkreditpunkte zusammenzählen könne. «Entscheiden sie (die Studenten, Anm. d. Red.) sich heute beispielsweise dafür, die fachwissenschaftliche Bachelor- sowie die Masterarbeit im gleichen Fach zu verfassen, so übersteigt der fachwissenschaftliche Studienanteil den des früheren Studiums», stellt die PH klar.

Noch emotionaler reagierte die Mitwirkungskommission der PH. Sie unterstellt dem Positionspapier «zahlreiche inhaltliche Aussagen, die sich allein auf Meinungen, Zuschreibungen und Interpretationen mit subjektivem Charakter stützen». Die GBS hatte sich auf Umfrageergebnisse unter PH-Dozenten und -Studenten bezogen. Dass das Positionspapier gestern publiziert wurde, ist kein Zufall – und ein Wink Richtung neuer PH-Spitze: Der Direktor der PH, Hermann Forneck, geht 2015 in Pension.