Wahlen 2020

Die Selbstbewusste: Laetitia Block will in den Grossen Rat

In der Bibliothek der Juristischen Fakultät wird Laetitia Block nach den Wahlen für ihre Anwaltsprüfung lernen.

In der Bibliothek der Juristischen Fakultät wird Laetitia Block nach den Wahlen für ihre Anwaltsprüfung lernen.

In hitzigen Diskussionen hat sich Laetitia Block schon immer wohlgefühlt – nun will sie für die SVP in den Grossen Rat.

Zum Geburtstag bekamen die Geschwister Block oft eine Reise mit dem Papa geschenkt. «Mein Vater ist ein Weltenbummler», sagt Laetitia Block. Gemeinsam mit ihm war sie beispielsweise in Indien. Dort besuchte er ehrenamtlich alljährlich ein Hilfswerk für Waisenkinder, das er mitgegründet hatte. Auch zu Hause lebten Blocks im offenen Austausch mit verschiedenen Kulturen. Immer wieder wohnten Au-pairs aus Finnland, Rumänien oder Österreich bei der Familie.

Mittlerweile ist die 28-jährige Laetitia Block von zu Hause ausgezogen, wohnt im Kleinbasel, ist Präsidentin der Jungen SVP und möchte für die Mutterpartei in den Grossen Rat. Den Entschluss, der SVP beizutreten, fasste Block erst vor wenigen Jahren, mitten in ihrem Jus-Studium. «Es war die erste grosse Entscheidung, die ich ganz alleine traf», erzählt sie in der Cafeteria der Juristischen Fakultät. Um das Ausmass dieser Aussage zu verstehen, muss man wissen: Laetitia Block hat eine Zwillingsschwester. «Als Zwilling habe ich das Leben immer als Teil eines Teams angepackt. Den Schritt in die Politik habe ich jedoch ohne meine Zwillingsschwester gewagt. Teamarbeit ist mir aber auch jetzt in der Politik sehr wichtig.»

«Aggressionen gegen SVP sind sehr gross»

Ihre Schwester interessiert sich überhaupt nicht für Politik. Auch aus dem Rest der Familie ist niemand politisch aktiv. Diskutiert wird dennoch viel. Die Ansichten sind dabei meistens sehr vielfältig. Als Block sich entschied, für die SVP zu politisieren, unterstützte ihre Familie sie aber trotz politischer Meinungsvielfalt sehr. «Unsere Mutter hat in der Erziehung viel Wert darauf gelegt, dass wir eigenständige und selbstbewusste Persönlichkeiten werden», sagt Block. Diese Eigenschaften seien nun ein grosser Vorteil, um sich im politischen Umfeld nicht unterkriegen zu lassen.

Block ist eine von sehr wenigen Frauen in der Basler SVP, die für den Grossen Rat kandidiert. Nur rund ein Fünftel der Kandidierenden ist weiblich. Sie sieht den Grund dafür in der Zögerlichkeit vieler Frauen. Es brauche schon viel Mut und Entschlossenheit, in einer Stadt wie Basel für die SVP zu kandidieren.

In ihrer Partei gäbe es zwar einige weibliche Mitglieder, sagt sie. Die meisten möchten aber nicht in der Öffentlichkeit stehen, weil sie sich den Anfeindungen aus der Bevölkerung nicht aussetzen wollten.
«Man muss sich nur mal anschauen, wie viele SVP-Plakate in Basel zerstört werden. Die Aggression gegen unsere Partei ist in dieser Stadt schon sehr gross», sagt Block. Sie selbst habe aber kein Problem, mit spitzen Kommentaren und öffentlichen Ressentiments umzugehen.

Im Gegenteil. In der hitzigen Diskussion fühlt sich Laetitia Block wohl. In den letzten Monaten liess sie kaum eine Gelegenheit aus, vor die Medien zu treten. Ehrgeizig mischt sie sich über Leserbriefe und den Kurznachrichtendienst Twitter in lokalpolitische Diskussionen ein, sei es zum Frauenstreik, zur Kriminalität oder zum Wahlkampfbudget.

Mit ihren Ansichten stand sie oft alleine da

Schon als Schülerin liebte sie es, zu diskutieren, erzählt Block. In ihrer Klasse ging es vielen so. Im Maturjahr liess der Deutschlehrer die Klasse deshalb Abstimmungsdiskussionen abhalten. Block stand dabei oft alleine da mit ihren Ansichten. Als Aussenseiterin fühlte sie sich deshalb aber nie. Als sie sich später entschloss, in die Politik zu gehen, war schnell klar, dass ihre Partei die SVP sein wird.

Besonders wichtig sind ihr die Minimierung von staatlichen Regulierungen, die Sicherheit und die Sauberkeit. Feministische Anliegen haben dagegen auf ihrer politischen Agenda keine grosse Relevanz. Ihrer Meinung nach liegt die Verantwortung für die Vereinbarung von Beruf und Familie bei den Individuen, nicht beim Staat.

«In unserer Generation ist es selbstverständlich, dass eine Frau zusätzlich zum Muttersein erwerbstätig ist. Deshalb sollte es doch möglich sein, gemeinsam mit dem Partner eine gute Lösung für alle zu finden.
Zusätzliche staatliche Regulierungen brauchen wir deshalb nicht.» Ihre Leidenschaft für die Politik ist spürbar, ihre Zielstrebigkeit nicht zu übersehen.

Dennoch bringt Laetitia Block ihre Argumente sachlich und unaufgeregt, aber nicht kühl hervor. Ihr sei es wichtig, so miteinander zu diskutieren, dass man danach gemeinsam ein Bier trinken gehen könne, sagt sie. Halt so, wie es in ihrer Familie üblich ist.

In der losen Serie «Ausreisser» porträtiert die bz Grossratskandidierende aller Parteien, die nicht so recht ins Profil passen.

Meistgesehen

Artboard 1