Kriminalstatistik 2011
Die Sicherheitsdebatte ist wegen der Kriminalstatistik wieder lanciert

Die nackten Zahlen sehen brutal aus: Genau 26'418 Straftaten wurden letztes Jahr im Kanton registriert. 22'048 davon betrafen das Strafgesetz. Das ist eine Zunahme von 11 Prozent gegenüber 2010. Der schweizweite Durchschnitt liegt bei 6 Prozent.

Moritz Kaufmann
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Der Basler Polizeikommandant Gerhard Lips (links) und Regierungsrat Hanspeter Gass legen die neusten Zahlen vor. Kenneth Nars

Der Basler Polizeikommandant Gerhard Lips (links) und Regierungsrat Hanspeter Gass legen die neusten Zahlen vor. Kenneth Nars

Zum ersten Mal präsentierten die kantonalen Sicherheits-Chefs die Kriminalstatistik gestern Nachmittag gemeinsam: Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass (FDP) wurde assistiert von Polizeikommandant Gerhard Lips, dem ersten Staatsanwalt Alberto Fabbri, Kriminalpolizei-Chef Beat Voser, Drogendezernatschef Thomas Homberger und dem leitenden Jugendanwalt Beat Burkhardt. Der Tonfall aller Referenten war ernst.

Fast überall Zunahme

Ins Auge stechen besonders die Delikte, welche das Strafgesetzbuch betreffen (Drogendelikte fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und werden deshalb in einer separaten Statistik erfasst): In praktisch allen Kategorien wurde letztes Jahr eine – mehr oder weniger starke – Zunahme verzeichnet. Den weitaus grössten Teil machen die sogenannten «Vermögensdelikte» aus. Darunter fallen beispielsweise Einbruch, Diebstahl oder Betrug. Fast drei Viertel aller Urteile, die im letzten Jahr gefällt wurden, gehören zu dieser Kategorie. 1287 mehr als 2010 wurden verzeichnet.

Unter der Kategorie «Leib und Leben» zusammengefasst sind Delikte wie Tötung, Körperverletzung oder Tätlichkeit, wovon die letzten beiden mit Abstand am meisten der 1544 Fälle (115 mehr als 2010) ausmachen. Hier setzen Polizei und Staatsanwaltschaft auch ihre Prioritäten. «Schliesslich ist das das höchste Gut, das wir haben», sagt Beat Voser bei der Präsentation der Zahlen.

Weniger Drogendelikte

Weiter stiegen die Zahlen auch in den Kategorien «Sexualdelikte», «Freiheit» (dazu gehören Drohung und Nötigung) und «öffentliche Gewalt». Insgesamt gehen 61 Prozent der Delikte gegen das Strafgesetz auf das Konto von Nichtschweizern.

Abgenommen haben im Gegenzug Straftaten, die mit Drogen im Zusammenhang stehen. Ganze 14 Prozent weniger als letztes Jahr wurden registriert. Allerdings ist diese Zahl mit Vorsicht zu geniessen. Drogendelikte fallen unter die Kategorie «Holkriminalität». Im Gegensatz etwa zu Gewaltfällen erfährt die Polizei von den Delikten nicht durch Anzeigen, sondern muss von sich aus aktiv werden.

Weil die Ermittler letztes Jahr einen Unterbestand von 20 Prozent hatten, konnten sie auch weniger Fälle aufdecken. Diese Defizite seien inzwischen jedoch behoben, versichert Kriminalpolizeichef Voser.

Trotz allem sehen die Basler Sicherheitshüter keinen Grund zur Panik. Man könne von einer guten und einer schlechten Nachricht sprechen, sagt Sicherheitsdirektor Gass. «Die schlechte ist, dass bei uns die Delikte zunehmen. Die gute ist, dass Basel im Städtevergleich immer noch den besten Platz hat.»

Sicherer als die anderen Städte

Tatsächlich: Heruntergerechnet auf die Bevölkerungszahl steht Basel besser da als Genf, Lausanne, Bern und Zürich. Zum einen, weil in diesen Städten pro Person mehr Delikte gegen das Strafgesetz begangen wurden. Zum anderen, weil – ausser in Zürich – die Kriminalität noch stärker zugenommen hat als in Basel.

Polizeikommandant Lips begründet die Tendenz mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Er nennt die bekannten Stichworte «24-Stunden-Gesellschaft», «Freizeitgesellschaft», aber auch abnehmende soziale Kontrolle oder der Wunsch nach Freiräumen. Vieles passiere nachts, wenn der Alkoholpegel hoch und die Toleranzgrenze tief sei: «Irgendwer macht die Freundin des anderen an. Es gibt eine Schlägerei und schon haben wir wieder ein paar Fälle mehr in der Statistik.» Fälle, die in Basel in nächster Zeit wieder für hitzige Diskussionen sorgen werden.