FC Basel
Die sieben Fussballwunder des FC Basel

Der FCB ist nicht der einzige erfolgreiche Verein in Europa. Aber kein anderer umschifft derart gekonnt die fussballtypischen Klippen und Fettnäpfchen – was beinahe schon an die sieben Weltwunder der Antike erinnert.

Bojan Stula
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Der FCB wird von tausenden Fans in der Nacht auf Sonntag gefeiert

Keystone

Wunder 1: Der FC Basel macht keine Fehler in der Vereinsführung. Wenigstens keine schwerwiegenden, offensichtlichen, und erst recht keine strategischen. Der letzte teuer bezahlte Fehlentscheid war die Vertragsverlängerung mit Christian Gross in der Winterpause 2008. Eher eine Verzweiflungstat, als unmissverständliches Zeichen an eine immer unzufriedener werdende Mannschaft gedacht. Der verpasste Meistertitel 2008/09 erleichterte dann die Erkenntnis, dass die Ära Gross in Basel abgelaufen ist – quittiert von einer hübschen Summe als Abfindung an den Fussballlehrer aus Höngg. Fortan hat der Vorstand in der Wahl der Trainer stets den richtigen Riecher bewiesen und im Fall von Heiko Vogel auch den Zeitpunkt seines Ablaufdatums präzis erkannt. Vier Meistertitel in Folge sprechen eine überaus deutliche Sprache. Hauptgrund für Wunder Nummer 1: überaus viel Hirnschmalz in der Vorstandsetage und nie verebbende Lernfähigkeit.

Wunder 2: Der FC Basel leistet sich seit über einem Jahrzehnt (fast) keine Fehleinkäufe. Für den gröbsten, den damaligen Rekordtransfer des argentinischen Stürmers César Andrés Carignano, muss man bis 2004 zurückblättern. In jüngerer Zeit konnten namentlich der Chilene Eduardo Rubio und der Tscheche Radoslav Kovac die Erwartungen nicht erfüllen. Alles in allem eine wundersam kleine Anzahl, gemessen an der Anzahl Volltreffer-Transfers, angefangen bei Ivan Ergic, Scott Chipperfield, Julio Hernan Rossi und Christian Giménez, über Matias Delgado, David Abraham und Franco Costanzo, bis Alex Frei und Mohamed Salah. Hauptgrund für Wunder Nummer 2: hervorragendes Scouting und verhältnismässig wenig Ärger mit Verletzungen von Schlüsselspielern.

Wunder 3: Der FC Basel holt keine Stars, er macht sie. Immer wieder widerstand der FCB der Versuchung, den vermeintlich ganz dicken Transfer zu tätigen, sehr zum Leidwesen vieler Fans, die nach Glanz und Gloria schrien. Von ganz grossen Namen, die sich dem Karrierenende zuneigen und deshalb plötzlich bezahlbar werden, will der FCB grundsätzlich nichts wissen. Ausnahmen wie Kovac bestätigen die Regel. Dafür kann er pro Saison mindestens einen Spieler wie Xherdan Shaqiri, den er gross herausgebracht hat, für gutes Geld weiterverkaufen. Hauptgrund für Wunder Nummer 3: wiederum das Scouting, eine hervorragend geführte Nachwuchsabteilung, die mit dem Campus noch schlagkräftiger werden wird, und eine überaus geschickte Verpflichtungs-, Aufbau- und Vertragspolitik im Umgang mit Talenten.

Wunder 4: Der FCB ist skandalfrei. Das unbedachte Tätscheln einer Bundesratshalbglatze durch einen Heisssporn an der Cupfinalfeier ist bereits das höchste aller Gefühle, den Klub und Mannschaft in den vergangenen Jahren den Boulevardjournalisten zugestanden haben. Kein Vergleich zu früheren Zeiten, als die Klubfinanzierung manchmal – gelinde gesagt – auf überaus undurchsichtige Art und Weise geschah, und sich FCB-Trainer schon mal mit Spielerberatern und Journalisten prügelten. Im Gegensatz dazu setzt der moderne FCB mit seiner Ethik-Charta und seinem Sozialengagement, etwa im Rahmen der Scort-Stiftung und der Social Alliance, innerhalb der Branche Massstäbe und hat sich im Bereich der Finanzen und Kommunikation einer beispiellosen Transparenz verschrieben. Hauptgrund für Wunder Nummer 4: gut beratene und straff geführte Spieler und Funktionäre. Zudem mit Josef Zindel und Georg Heitz zwei ehemalige Journalisten in Schlüsselpositionen, die die Kommunikationsschiene blind beherrschen und sich über die Aussenwirkung von Handlungen und Aussagen stets bewusst sind.

Wunder 5: Die Medien fressen dem FCB aus der Hand. Was zum einen mit Wunder Nummer 4 zusammenhängt, aber nicht nur. Mit grundsätzlich negativ, geschweige denn feindselig eingestellten Medienschaffenden hat es der Verein nicht einmal auf nationaler Ebene zu tun. Früher konnte es schon mal ein wütender Anruf von Medienchef Zindel oder eine bitterböse öffentliche Schelte von Trainer Gross sein, mit der missbeliebige Berichterstattung quittiert wurden. Heute ist es in erster Linie der offene Zugang und echte Begeisterung für die erbrachten Leistungen, welche die Medien so FCB-gefügig machen. Hauptgrund für Wunder Nummer 5: Der FCB bietet schlicht zu wenig Angriffsfläche für notorische Nörgler.

Wunder 6: Die Politik frisst dem FCB aus der Hand. Ein Regierungsrat etwa, der sich öffentlich gegen den FCB stellt, begeht nicht weniger als politischen Selbstmord. Beinahe schon unglaublich ist der rotblaue Einfluss in der Frage des Hooligan-Konkordats, in der selbst hart gesottene einheimische Rechts-Politiker die FCB-Ultras in Schutz nehmen. Die Angst vor dem Popularitätsverlust in der Fussballstadt Basel mag das eine, gewiss nicht unbedeutende Motiv sein, die Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit des Vereins in Sachen Fangewalt das andere. Eine erwähnenswerte Randnotiz ist, dass Vereinspräsident Bernhard Heusler öffentliche politische Äusserungen wie der Teufel das Weihwasser scheut. Hauptgrund für Wunder Nummer 6:Der FCB ist stärker als je zuvor eine Institution des öffentlichen Lebens in Basel und nimmt seine Verantwortung im Sozialbereich mit einer hervorragenden Fanarbeit wahr.

Wunder 7: Der FC Basel ist trotz der Erfolgswelle bodenständig geblieben. Tunlichst werden alle öffentlichen Handlungen und Äusserungen vermieden, die als Arroganz ausgelegt werden könnten. Klar, es brauchte dafür die Katharsis des 13. Mai 2006, als die Muttenzerkurve nicht zuletzt deshalb durchdrehte, weil sie sich längst nicht mehr von der Vereinsführung ernst genommen fühlte. Doch sind heute Fans und Klub ein Herz und eine Seele, und nicht einmal mehr der früher weitverbreitete Neid unter den regionalen Fussballvereinen zu spüren. Hauptgrund für Wunder Nummer 7: Vereinspräsident Heusler, der glaubwürdig wie kein anderer die Demut als Grundhaltung vorlebt.

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