Basler Hoteliers

«Die Situation ist dramatisch»: Raphael Wyniger über die noch lange nicht bewältigte Krise

Ist in grosser Sorge- Raphael Wyniger, Teufelhof-Patron und seit Juli 2020 Präsident des Basler Hotelier-Vereins.

Ist in grosser Sorge- Raphael Wyniger, Teufelhof-Patron und seit Juli 2020 Präsident des Basler Hotelier-Vereins.

Raphael Wyniger, Präsident der Basler Hoteliers, geht von einem Rückgang der Logiernächte um 70 Prozent aus.

Herr Wyniger, die Herbstferien sind zu Ende, viele Schweizer haben sie im eigenen Land verbracht. Wie fällt die Bilanz der Basler Hotels aus?

Raphael Wyniger: Sehr durchzogen. Während Berghotels fehlende ausländische Gäste durch solche aus dem Inland kompensieren konnten, gelang dies in Basel nur zu einem kleinen Teil. Was fehlt, ist der so wichtige Geschäfts- und Kongresstourismus.

In den Sommermonaten ist die Anzahl der Logiernächte im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 60 Prozent zurück gegangen. Wo stehen die Hotels jetzt im Herbst?

Wir gehen für die Monate September und Oktober – bis Stand heute – von einer Auslastung von 30 Prozent aus. Im vergangenen Jahr betrug diese im selben Zeitraum 69 Prozent.

Dabei handelt es sich vor allem um Freizeittouristen.

In erster Linie ja, mehrheitlich aus der Schweiz, aber auch aus Deutschland und den Benelux-Staaten konnten wir Gäste begrüssen. Auch der nationale Geschäftstourismus kommt in ganz reduziertem Masse zurück.

Das berühmte Licht am Horizont?

Nein, leider nicht. Die Situation ist dramatisch. Fürs Gesamtjahr 2020 gehe ich von einem Rückgang der Logiernächte um 70 Prozent aus.

Vielen Schweizer Hotels droht nun der Konkurs. Sind Ihnen solche Fälle auch in Basel bekannt?

Keine konkreten. Aber es ist schon so: Mittelfristig wird sich das Angebot an die Nachfrage anpassen.

Welchen Hotels droht am ehesten die Schliessung?

Jene, die auf die Segmente Geschäfts- und Kongresstourismus fokussiert sind, stehen besonders unter Druck.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das Swissôtel in Zürich-Oerlikon den Betrieb einstellt. Droht dem Swissôtel am Messeplatz das selbe Schicksal?

Dazu habe ich keine Informationen, da müssen Sie das betreffende Management fragen. Ich hoffe einfach, dass mit den kantonalen und staatlichen Hilfsinstrumenten wie Kurzarbeit und Notkrediten möglichst viele Betriebe die Krise bewältigen. So kann auch ein massiver Stellenabbau verhindert oder zumindest abgebremst werden.

Ist es in Basler Hotels bereits zu Entlassungen gekommen?

Ja. Und zahlreiche Stellen bleiben gefährdet. Wenn die Pandemie vorbei ist, heisst das nämlich nicht, dass die Krise überstanden ist. Der Geschäftstourismus wird nur sehr verzögert zurückkommen, es wird lange dauern, bis das Niveau von vor der Pandemie wieder erreicht ist. Ich gehe von einer Normalisierung der Lage im Frühjahr 2022 aus. Umso wichtiger ist nun weitere kantonale Unterstützung. Ein neues Hilfspaket wurde vom Grossen Rat an die Regierung überwiesen. Es geht um nichts Weniger, als die touristische Infrastruktur unserer Stadt zu sichern. Davon hängen viele Arbeits- und Ausbildungsplätze ab. Allein in den Basler Hotels und Restaurants zählen wir 8000 Angestellte. Wir sind ein wichtiger Arbeitgeber, das wird oft unterschätzt.

Aber kann das Niveau von 2019 im Geschäftstourismus überhaupt wieder erreicht werden? Sitzungen, ja ganze Tagungen finden vermehrt virtuell statt, im Home Office zu arbeiten ist Normalität. Braucht es dasselbe Angebot wie vor der Krise?

Der Tourismus wird sich nach der Pandemie erholen. Was dann das Volumen des Geschäftstourismus sein wird, ist heute schwierig vorauszusehen.

Die Not, so sagt man, macht erfinderisch. Gilt das auch für die Basler Hoteliers?

Die Krise hat sicher bei einigen kreative Ansätze herausgekitzelt. So konnte ein ganzes Hotel für eine Nacht ersteigert werden, manche Häuser bieten Zimmer für Studenten an, andere stellen Zimmer für längere Aufenthalte zur Verfügung. Am meisten aber berührt mich die Solidarität der Hoteliers untereinander. Wir sind näher zusammen gerückt.

Bald steht die Adventszeit an, die jeweils viele Freizeittouristen nach Basel zieht. Wie sieht der Buchungsstand der Hotels für diese Zeit aus?

Die Gäste buchen nur sehr zurückhaltend, wir rechnen mit kurzfristigen Buchungen. Die grosse Frage ist, ob im Dezember überhaupt eine Reisetätigkeit stattfinden kann. Die Basler Hoteliers müssen flexibel sehr bleiben.

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