Frauenhaus

Die Situation spitzt sich zu: Aufnahmestopp in Frauenhäusern, Notlösungen sind vorhanden

Die Frauenhäuser in der Region haben zurzeit keine freien Plätze mehr. (Symbolbild)

Die Frauenhäuser in der Region haben zurzeit keine freien Plätze mehr. (Symbolbild)

Die Frauenhäuser in der Region sind voll. Bis auf Weiteres gilt daher ein Aufnahmestopp. In der Regel wird im Juli eine Auslastung von 50 Prozent verzeichnet.

Vergangene Woche berichtete «Telebasel», dass das Frauenhaus beider Basel in den Monaten April, Mai und Juni zu 96 Prozent besetzt war. In der Zwischenzeit hat sich die Situation zugespitzt. Im Moment gibt es gar keine Schutzplätze mehr, es gilt ein Aufnahmestopp – und das im Juli. Vor einem Jahr noch habe die Belegung in den Frauenhäusern in der Region um die 50 Prozent betragen, sagt Bettina Bühler, Geschäftsleiterin des Frauenhauses beider Basel.

Dasselbe Bild in Allschwil: Im Frauenhaus der Heilsarmee ist man heillos überlastet; auch hier gibt es momentan keine freien Plätze mehr. «Normalerweise verzeichnen wir im Sommer deutlich weniger Eintritte», berichtet Sozialarbeiterin Sarah Thali. Erst nach den Sommerferien würde die Auslastung in der Regel wieder ansteigen, meist, weil es im Urlaub zu Eklats gekommen sei. In diesem Jahr ist in den Frauenhäusern indes alles anders.

Hoffnung gibt es trotzdem. Bühler sagt auf Anfrage: «In unserer temporären Unterkunft, dem Frauenhaus SOS, hat es noch Zimmer frei.» Vor wenigen Tagen wurde diese Not-Unterkunft an einem geheimen Ort eröffnet, um «während und nach der gegenwärtigen Krise mehr Frauen vor Gewalt schützen zu können», wie Bühler ausführt. Diese Schutzplätze wurden unter anderem von den Kantonen Basel-Stadt und Baselland, der Christoph Merian Stiftung und der Glückskette mitfinanziert.

Ins Hotel – oder sogar in einen anderen Kanton

Auch in Allschwil bedeutet die hohe Belegung nicht, dass die Frauen allein gelassen werden. Im Gegenteil, sagt Thali: «In absoluten Notfällen können wir immer etwas unternehmen. Es gibt die Möglichkeit, ein anderes Haus anzufragen, die Frau in einem Hotel unterzubringen oder sogar auf einen anderen Kanton auszuweichen, wenn es dort noch freie Plätze gibt.»

Als Grund für die hohe Belegung geben sowohl Bühler als auch Thali an, dass die Coronakrise und der damit verbundene Lockdown sicher einen Einfluss haben. «Das Leben auf engem Raum und die fehlenden Ausweichmöglichkeiten bei Konflikten sind mögliche Ursachen für häusliche Gewalt», konstatiert Bühler. Thali berichtet von Frauen, deren Männer den Job verloren hätten und es in der Folge zu Stresssituationen zu Hause gekommen sei. «In den meisten Fällen war das Verhältnis bereits vor dem Lockdown belastet.»

Sowohl Bühler als auch Thali gehen davon aus, dass der Aufnahmestopp in ihren Häusern nur kurzfristig besteht. «Das ist eine Momentaufnahme», so Bühler.

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