Anatomisches Museum
Die Skelette der Universität müssen zügeln

Die Universität prüft eine Zusammenführung von Pharmazie-Historischem und Anatomischem Museum. Weichen müsste den Plänen das Heimatwerk an der Schneidergasse.

Miriam Glass
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Müssen weg

Müssen weg

Jakob Karrer von Gebweiler wurde 1543 der Kopf abgeschlagen. Er war wegen versuchten Mordes an seiner Frau verurteilt worden. Ein schlechtes Ende für Jakob Karrer – aber eine gute Gelegenheit für den Anatomen Andreas Vesal. Er präparierte aus Karrers Leiche ein Skelett. Es gilt heute als ältestes Anatomiepräparat der Welt. Die Knochen hängen fein säuberlich zusammengefügt im Anatomischen Museum an der Pestalozzistrasse in Basel.

Seine letzte Ruhestätte hat Karrer damit aber noch nicht gefunden. Geht es nach den Plänen der Universität, werden er und das gesamte Anatomische Museum 2017 ans Totengässlein umziehen. Hier befindet sich bereits das Pharmazie-Historische Museum. Die beiden zur Universität gehörenden Museen sollen nun zusammengeführt werden. Das bestätigt Christoph Tschumi, Verwaltungsdirektor der Universität, auf Anfrage des «Sonntags».

Am Totengässlein ist weit mehr geplant als ein neuer Museumsstandort. Die Universität möchte laut Tschumi ihre «Präsenz in der Innenstadt stärken». In den Räumlichkeiten um das neue Doppelmuseum sollen öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Vor allem wünscht sich die Uni einen direkten Zugang von der nahe am Marktplatz gelegenen Schneidergasse aus, um für die Passanten sichtbarer zu werden und um «einen Infodesk, ein Visitorscenter und eventuell einen Shop mit Merchandising-Artikeln» einzurichten, sagt Uni-Kommunikationschef Matthias Geering. Um diese Pläne zu verwirklichen, müsste die Uni auch die Liegenschaft an der Schneidergasse 2 nutzen, die ans Totengässlein angrenzt. Heute befindet sich dort das Heimatwerk, eine Boutique für Schweizer Kunsthandwerk und Design.

Das Gebäude an der Schneidergasse gehört einer Stiftung, die in der Obhut der Bürgergemeinde steht. Bürgerratsschreiber Daniel Müller sagt, diese wäre «bereit, über eine Lösung zu diskutieren». Will heissen: Wird das Projekt der Universität konkret, würde die Bürgergemeinde die Liegenschaft mit einem «marktüblichen Mietvertrag» an die Uni vermieten, das Heimatwerk müsste einen neuen Standort suchen.

Beim Heimatwerk hat man von den Plänen noch nichts gehört. Heimatwerk-Geschäftsleiterin Erika Mathis-Brassel reagiert überrascht auf eine Anfrage des «Sonntags»: «Wir wussten nicht, dass wir mit der Basler Filiale eventuell umziehen müssen.»

Universität und Bürgergemeinde betonen, das Projekt befinde sich in einer frühen Phase und es sei offen, in welcher Form es umgesetzt werde. Seit August ist eine externe Beratungsfirma daran, die Machbarkeit abzuklären und ein Betriebskonzept zu erstellen, Ergebnisse sollen Mitte 2013 vorliegen. Mit dem Auftrag betraut ist Fausto De Lorenzo, ehemals Geschäftsführer der Fondation Beyeler und Managing Director im Kunstmuseum Basel.

Ein Finanzierungsplan soll laut Tschumi bis Ende 2013 vorliegen, das Bauprojekt bis Ende 2016 durchgeführt und die Eröffnung 2017 gefeiert werden.

Für eine Verlegung des Anatomischen Museums gibt es verschiedene Gründe. Zum einen die Planung der Universität: An der Pestalozzistrasse sind Neubauten für die Bereiche Physik, Chemie und Nanowissenschaften vorgesehen, das Anatomische Museum müsste ohnehin weichen. Am Totengässlein hingegen ziehen Büros der Sprachwissenschaften aus. Zum anderen erhofft man sich an der Uni höhere Besucherzahlen für beide Museen. Mit einem gemeinsamen Management will die Uni «Synergien nutzen» und Kosten sparen.

Wenn Jakob Karrer seine Knochen an einem neuen Ort noch einmal sortieren lassen muss, bringt ihm das zumindest einen Vorteil: Sollte ihn mal die Stelle am Hals schmerzen, wo sichtbar ist, dass ihm der Kopf abgeschlagen wurde, so hat er im Pharmazie-Historischen Museum alles zur Verfügung, was Linderung bringen könnte, von der Alchimisten-Küche bis zum Aspirin.