"Grenzenlos grausam? Bilder der Gewalt in der antiken Welt" heisst die am Mittwoch vorgestellte Schau, mit der das Antikenmuseum die herausragende Abgusssammlung seiner Skulpturhalle in den Fokus rückt. Zahlreich sind unter den Statuen und Reliefs Darstellungen von Gewalt oder von Protagonisten gewalttätiger Auseinandersetzungen.

Da töteten und starben Krieger, Helden stürzten sich ins eigene Schwert, Frauen wurden geraubt, Götter kämpften gegen Giganten, Menschen gegen Kentauren oder Griechen gegen Fremde, und um Troia entbrannte der grosse Krieg. All dies wurde im Bilderschmuck antiker Bauten dargestellt und war für die breite Bevölkerung sichtbar.

Bilder auf Gefässen waren derweil nur der Oberschicht zugänglich. Doch die Darstellungen gewaltgeprägter Ereignisse hatten meist denselben Zweck: Sie sollten gesellschaftliche Werte vermitteln und Identität stiften, wie Ella van der Meijden, Leiterin der Skulpturhalle, vor den Medien sagte.

Werte vermitteln

So soll der Kampf der Götter gegen die Giganten vermitteln, dass aus Gewalt Ordnung entsteht. Im Kampf gegen die Kentauren besiegt Ordnung die Unordnung. Der Kampf gegen Amazonen ist ein Kampf gegen das bedrohliche Fremde, und der Kampf um Troia mit seinen von Homer beschriebenen blutrünstigen Szenen ist der Krieg schlechthin.

Stets ist die griechische Kultur dabei die überlegene. Wird auch dem Gegner Würde zugestanden, soll das den Sieg über diesen erhöhen. Wer indes gegen die Götter frevelte, wurde von diesen grausam bestraft, so bis hin zur Häutung bei lebendigem Leibe. Frauen wurde von Göttern und Männern Gewalt angetan, doch auch sie mordeten.

Die von Ella van der Meijden zusammen mit Anna Laschinger kuratierte Ausstellung ist in Themenblöcke gegliedert und zeigt Gipsabgüsse von Statuen und Reliefs aus eigenem Bestand sowie Originalgefässe aus dem Antikenmuseum. Ein Schwerpunkt ist der Parthenon auf der Akropolis in Athen und dessen Bilderschmuck.

Auf eigene Sammlung setzen

Laut Museumsdirektor Andrea Bignasca ist die Sonderschau aus eigenen Beständen auch Teil einer Ausstellungspolitik, mit der das Antikenmuseum einem Trend entgegenwirken will: Die Sonderschauen des Museums verzeichneten stets grossen Besucherandrang, die Ausstellung der permanenten Sammlung, obwohl hochkarätig, indes weniger.

Daher will das Museum verstärkt mit seiner eigenen Sammlung arbeiten. Die Skulpturenhalle bleibe im übrigen trotz Sparauftrag des Kantons auch künftig geöffnet, gab Bignasca bekannt; allerdings würden die Öffnungszeiten reduziert.