Im Gegensatz zum international bekannten Tennisturnier Swiss Indoors, bei dem Wochen vor Turnierbeginn in jedem Tram Werbung hängt und die Stadt mit Roger-Federer-Porträts voll plakatiert ist. Auch beim weniger bekannten CSI, dem internationalen Weltklasse-Springturnier, wird man von glänzenden Pferderücken auf Plakaten regelrecht angesprungen.

Bei der Curling-WM jedoch fehlen in der Stadt vergleichbare Promotionen. Einzig auf der Mittleren Brücke und am Bahnhofplatz weisen Flaggen darauf hin, dass bis zum Sonntag die besten Curler - auch die Schweizer Männer - gegeneinander antreten.

Eine Randsportart bekannt machen

Mehrere bz-Leser beklagen sich, dass einerseits im Schweizer Fernsehen keine Spielübertragungen ausgestrahlt werden, aber auch in Basel selber zu wenig Werbung für die Veranstaltung und die Sportart unternommen werde. In dieser Meinung werden sie von CVP-Grossrat André Weissen unterstützt.

«Wäre ich nicht beim Panathlon Club beider Basel dabei oder hätte nicht Kontakt zum Sportbeirat in Basel, hätte ich von der WM wahrscheinlich erst letzte Woche erfahren.» Dieser Anlass sei doch eine Chance, die Randsportart Curling populärer zu machen.

Ruhetagsgesetz war Hindernis

Weissens Grossrats-Kollege Urs Müller (Basta), der gleich wie der CVP-Politiker für Sport in Basel einsteht, sagt, dass man selbstverständlich in Sachen Marketing im Hinblick auf die WM mehr hätte machen können. Allerdings müsse man die Veranstaltung in die richtige Relation zu den Swiss Indoors, die einiges populärer sind, setzen. Und: «Die Curling-WM wird in Basel stärker wahrgenommen als etwa die Handball-Europameisterschaft 2006.» Zudem sei es Sache des Curlingsverbandes, ihre Veranstaltung zu vermarkten.

Genauso sehen es die Veranstalter - sie seien eine andere Strategie als die der Plakatierung gefahren, begründet Bruno Schallberger, Präsident des Organisationskomitees. «Um die WM bekannt zu machen, haben wir an der Herbstwarenmesse in der Messehalle eine Eisbahn aufgestellt.»

Zudem seien sie in Fachzeitschriften präsent gewesen und haben vor allem auf Mundpropaganda gesetzt. «Und am Eröffnungstag haben wir eine Parade auf die Beine gestellt, an der alle Curler durch Basel gelaufen und im Rathaus von Bundesrat Ueli Maurer empfangen worden sind. Ein Umzug dieser Art gab es vor einer WM noch nie.»

Schwache Leistung vom SF

Die Verbandsstrategie ist laut Schallberger aufgegangen: Über 4000 Personen sassen während der Vorrunden in den Zuschauerrängen, rechnet der OK-Präsident vor. Er geht von 50 000 Zuschauern bis zum Finaltag am Sonntag aus. Allerdings ist er enttäuscht - wie auch die bz-Leser -, wie mickrig das Schweizer Fernsehen über die Curling-WM berichtet.

Auch Sabine Horvath vom Basler Standortmarketing ist überzeugt, der Kanton habe gut für die WM geworben. Die Meisterschaft werde in Basel wahrgenommen. «Wir haben alle Register gezogen.» Zudem wurde die Veranstaltung von 100 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds unterstützt. «Sportbegeisterte kommen unmöglich an der Meisterschaft vorbei.»