Basler Fasnacht

Die Stadt wächst, die Fasnacht wird immer kleiner

Fehlender Nachwuchs, ausbleibende Integration

Fehlender Nachwuchs, ausbleibende Integration

Auf dem Weg zum Unesco-Weltkulturerbe schwindet der Anteil aktiver Fasnächtler in der Bevölkerung stetig – auch weil die Integration von Migranten nicht klappt.

2007 kamen auf 1000 Basler 62 aktive Fasnächtler, heute sind es noch 56, wie die aktuellsten Zahlen des Fasnacht-Comités zeigen. Die langsam abnehmende Anzahl aktiver Fasnachtsteilnehmer steht dabei der relativ rasch wachsenden Bevölkerung gegenüber – deren Integration in die Fasnachtskultur nicht zu klappen scheint, wie auch Comité-Obmann Christoph Bürgin zugibt. «In Basel ist in den letzten zehn Jahren vor allem die Zahl der Migranten gestiegen, und in dieser Bevölkerungsgruppe ist der Anteil Fasnächtler vergleichsweise klein.» Dazu käme die grössere Anzahl wilder Fasnächtler, die nicht beim Comité registriert sind und deshalb nicht in der Statistik erscheinen. «Wir gehen von rund 9000 aktiven Fasnächtlern aus, die nicht beim Comité gemeldet sind», so Bürgin. Das sind fast so viele wie die 11 228 registrierten Fasnächtler, die 2016 beim Cortège mitgemacht haben.

Basler Fasnacht Aktive vs. Bevölkerung

«Zuzüger grenzen sich stärker ab»

Wie es sich genau in den Cliquen mit der Integration von Migranten und Expats verhält, kann auch Bürgin nicht genau sagen. «Das kommt sehr auf die Cliquen an, aber generell ist es heute wahrscheinlich so, dass die Zuzüger häufiger in ihren eigenen Kreisen verkehren und sich stärker abgrenzen.»

Für eine Clique sei es sehr schwierig, die neuen Zuzüger anzusprechen und für die Fasnacht zu begeistern. «Es gibt aber zahlreiche Integrationsbemühungen, dazu zählt sicher der grosse Schülerumzug, der alle fünf Jahre stattfindet und bei dem regelmässig 7000 Primarschüler und Kindergärtner einen Zugang zur Fasnacht erhalten», sagt Bürgin. Des weiteren würden demnächst die Schulhäuser mit Fasnachtskisten inklusive Piccolo ausgestattet, und jährlich würden zwischen 200 und 300 Schulkinder von Cliquen in ihre Larvenateliers eingeladen, um eigene Larven zu gestalten.

Dass das Zelebrieren des Basler Dialekts an der Fasnacht eine Eintrittsbarriere darstellen könnte, streitet Bürgin ab. «Das Baseldeutsch wird nur auf den Zeedel und Laternen zelebriert und mündlich noch bei den Schnitzelbängg, beim Trommeln und Pfeifen gibt es diese Hürde sicher nicht.»

Allgemein zugenommen habe hingegen sicherlich die Konkurrenz durch andere Freizeitaktivitäten. «Wer heute als Junior Fussball spielt, hat drei-, viermal pro Woche Training – das lässt sich nur schwierig mit der Fasnacht vereinbaren», sagt Bürgin.

Grosse Verluste bei Stammcliquen

Mit einem Minus von 180 Fasnächtlern innert eines Jahrzehnts relativ stark zurückgegangen sind die Stammcliquen, die den Rückgrat der Basler Fasnacht bilden. Liefen 2008 noch über 3000 Aktive in Stammcliquen mit, waren es in diesem Jahr 2816. Die Jungen und Binggis hingegen haben von 2007 bis 2016 sogar leicht zugelegt (von 1753 auf 1785).

Laut Comité-Obmann Bürgin hat dies mit dem schwierigen Übergang von den Jungen zum Stamm zu tun. «Mit 17 gehen viele vielleicht für ein Jahr ins Ausland, dann noch ins Militär und schon haben sie zwei Fasnachten ausgelassen. Deshalb ist es wichtig, dass die Cliquen den Übergang gut planen und zum Beispiel die älteren Jugendlichen bereits früh an die Stammcliquen heranführen. Zudem hilft es immer, wenn mehrere Jugendliche gleichzeitig wechseln.»

Einheiten Basler Fasnacht

Kreative Idee der BMG

Um diesen Übergang abzufedern, hat die Basler Mittwoch-Gesellschaft (BMG) nach der letzten Fasnacht eine neue Zwischen-Einheit gegründet. 14- bis 25-jährige Tambouren und Pfeifer, die für die Junge Garde «schon zu alt» und für den Stamm «noch zu jung» sind, können sich neu der «Avantgarde» anschliessen.

Eine Initiative, die bei Bürgin auf offene Ohren stösst. «Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Ansatz erfolgreich ist. Wir unterstützen alle Initiativen, die der Fasnacht zugutekommen.»

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