Sensation im Botanischen Garten: Im Gewächshaus müssen die Besucher bald ihre Nase zuhalten. In ein paar Tagen blüht die Titanwurz und stellt ihre gigantische, zwei Meter grosse Blume zur Schau. Voraussichtlich in der dritten Novemberwoche enthüllt die weltweit grösste Blume für 24 Stunden ihren Kolben und verströmt ihren bestialischen Aas-Geruch in alle Richtungen.

Aber Moment: Hat sich diese Attraktion nicht erst letztes Jahr - genauer am 22. April - ereignet? Und hiess es damals nicht, es ginge Jahre, bis die Titanwurz erneut ihre Blütenpracht zeigt? Heinz Schneider, Kustos des Botanischen Gartens, bestätigt dies. Nur: «Man rechnet diese Werte anhand der Erfahrungen aus anderen Gärten aus.» Dort habe man die Blumen bei 23 Grad gehalten. «In unserem Gewächshaus ist es 28 Grad warm. Anscheinend haben wir die Titanwurz zu gut kultiviert.»

Tiefgefrorener Blümchensex

Die Botaniker in Basel rechneten letztes Jahr damit, dass die Titanwurz in Sachen Blühen eine Pause einlegen würde. «Bereits nachdem das Blatt nach vier Wochen verwelkt war, wuchs ein neues heran.» Unregelmässigkeiten können durchaus vorkommen. Zudem sei die Blume in ihrer Heimat Sumatra schlecht erforscht. «Das Klima ist hochtropisch. Man kann ihren Standort schlecht ausmachen und es leben dort giftige Schlangen und stechende Käfer.» Zudem: «Es gibt auf Sumatra keine Forschungsinstitute. Und man findet die Blume nur, wenn sie stinkt. Und dann wiederum ist es schon zu spät.»

Die bevorstehende Sensation krönen die Basler Botaniker nun noch mit einem Versuch: Sie wollen die Pflanze erstmals bestäuben. Schneider erklärt: «Es gibt Blumen, die man mit ihren eigenen Pollen bestäuben kann und es gibt Blumen, bei denen das nicht funktioniert.» Die Titanwurz gehört zur zweiten Sorte.

Kurzerhand froren Botaniker in Bonn also Pollen ihrer Blume tief und bringen nun «das wertvolle Paket» nach Basel. Letztes Jahr habe man schon an Bestäubung gedacht, aber: «Wenn man die Blume bestäubt, muss man sie verletzen. Das wollten wir beim ersten Mal nicht.» Dieser Tage sieht es anders aus. In den grün-braunen Blüten-Kessel wird ein Fenster geschnitten, wodurch der Besucher ins Innere sehen kann. Dort werden mit einem Pinsel die Pollen aufgetragen.

Zehn Zentimeter pro Tag

Daraus sollen Früchte entstehen. Was Schneider mit diesen macht, weiss er noch nicht: «Wir werden sie weitergeben.» Es sei schwierig, dass Blumen entstehen, denn die Pflege sei aufwendig. «In Basel haben wir über ein technisch modernes Gewächshaus mit hervorragender Infrastruktur.» Über diese Ausgangslage verfügen nicht viele. Die Titanwurz wächst derzeit unaufhaltsam. Von Dienstag auf Mittwoch schaffte sie vier Zentimeter, kommende Woche seien es zehn pro Tag, prophezeit Schneider. Letztes Jahr kamen 25 000 Besucher in den Botanischen Garten. Der Botaniker rechnen mit einem ähnlichen Ansturm.