Unterer Rheinweg, 17 Uhr

Noch schwimmen unzählige Menschen im Rhein, aber die Stände und Beizen am Beginn des Unteren Rheinwegs sind aufgebaut und warten auf die ersten Gäste. Michael Heim von der Braubudebasel freut sich, erstmals am 1. August einen Stand ergattert zu haben: «Und dass genau neben der Flora-Buvette, die wir auch beliefern.»

Michael Heim, links, und die Braubudebasel, neben der Flora-Buvette.

Michael Heim, links, und die Braubudebasel, neben der Flora-Buvette.

An der Oettlingerstrasse sind zwei Leute bei der Buvette dabei, der Strassenlaterne einen roten Mantel zu basteln. Die erwarteten Böllerschüsse und Knaller bleiben vorerst aus. Am lautesten ist der Lällekönig, der mit dem Nordstern und ohrenbetäubenden Bässen den Rhein hinauf schippert.

Auch die Buvette Dreirosen ist bereit für die Sommer-Party. Um den Gästestrom zu lenken, hat sie Gitter aufgestellt. «Die Leute werden so ab 20 Uhr kommen», meint die Chefin. Nun, gegen 18 Uhr, funktionieren auch die Boxen und rhythmische Musik beschallt den Rhein. Die Markisen sind zur Sicherheit eingezogen. Und tatsächlich, zehn Minuten später, beginnt es ein ums andere Mal laut zu knallen. Die ersten Kinder und Jugendlichen werden ihren Spass haben, noch aber läuft das gegenüber, im St. Johann. (Peter Schenk)

Buvette Dreirosen vor dem Ansturm gegen 18 Uhr, der grosse Andrang kommt um 20 Uhr.

Buvette Dreirosen vor dem Ansturm gegen 18 Uhr, der grosse Andrang kommt um 20 Uhr.

Oberer Rhein, 18 Uhr

Die zahlreichen Pick-E-Bikes und herkömmlichen Fahrräder künden es an: In der Solitude ist es nicht weit her mit der Einsamkeit. Wer sich den Weg bahnt durch die Rheinpilgerer auf der schmalen Strasse, der landet am Ende beim Tinguely-Strand. Dort, wo sich die Massen wie Lemminge in den nicht ganz so erfrischenden Rhein stürzen.

Dieser walzt sich träge in Richtung Innenstadt, gesäumt von Dutzenden Sonnenanbetern an seinen Ufern. Den Gesprächen der Badenden lässt sich mühelos folgen, das Wasser trägt nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Stimmen.

Schwimmer oberhalb der Mittleren Brücke

Schwimmer oberhalb der Mittleren Brücke

Unterbrochen werden sie von den ersten Zünslern: Unter der Schwarzwaldbrücke entfalten aus Frankreich importierte Chinaböller ihre grösstmögliche Wirkung; sie ist deshalb vor allem auf der Grossbasler Seite zu einem Brennpunkt der Knaller geworden. Überhaupt wird es zunehmend lauter: Musik aus kleinen Böxli, von der Veranda des Rhybadhüsli, vom Schiff. Es sind die Vorboten einer grossen Party. (Benjamin Rosch)

Wasgenring, 19 Uhr

Alltag im Restaurant Kaffeekanne an der Hegenheimerstrasse. Doch nutzt der Stammtisch um Wortführer Markus den bevorstehenden Nationalfeiertag, um sich ein paar Gedanken zur Schweiz zu machen.

Andrang vor der «Kaffeekanne».

Andrang vor der «Kaffeekanne».

Marc findet, das viele Geld, das Basel in Form von Feuerwerkskörpern in die Luft jagt, sei aus dem Fenster geworfen. «Das Geld sollte man lieber den Armen geben», sagt er. Markus, der lieber nicht seinen ganzen Namen in der Zeitung lesen will, widerspricht. «In der Schweiz gibt es genügend Institutionen, die den Armen helfen.»

Er selber bezeichnet sich nicht als Schweizer, sondern als Eidgenosse. «Ich bin der Meinung, dass die anderen Kulturen sich uns anpassen müssen. Wenn ich sehe, wie viel Dreck hier am Samstag rumliegt, dann passiert das nicht.» (Leif Simonsen)

Auf der Lyss, 20 Uhr

Das Lärm-und-Feinstaub-Spektakel hat noch nicht begonnen – und schon flüchten die Velofahrer scharenweise in Richtung Quartiere. Sie strampeln den Petergraben hoch, als gäbe es kein Morgen. Alles Rheinschwimmer, die den Abend im Schutz ihres Gärtleins verbringen wollen. Und froh sind, die Partypeople nur für einen Augenblick kreuzen zu müssen.

Diese sausen (ebenfalls in Scharen) in die entgegengesetzte Richtung, um bald am Rhein in eine lauwarme Wurst beissen und sich gegenseitig auf den Füssen rumtrampeln zu können. Es werden immer mehr. Erster Bus in Richtung Rhein: voll. Zweiter Bus: sehr voll. Dritter Bus: wie der 14er vor einem FCB-Match zu Zeiten, als dieser noch Spektakel bot.

Aber wer braucht schon den FCB, wenn er in den Himmel gaffen und Farben sehen kann, die selbst der beste LSD-Trip nicht bieten kann? Die Autos um die Lyss, wo es eigentlich kaum Parkplätze gibt und wenn, dann nur teure, kommen von überall. Sogar Uri ist dabei. Ja, Uri. Die echte Schweiz beehrt Basel. Und natürlich das Elsass. «Das ist dängg der 14. Juillet der Schweiz, der muss gefeiert werden!», erklärt eine Elsässerin. (Martina Rutschmann)

Matthäuskirchplatz, 21 Uhr

Noch ist der Matthäuskirchplatz leer. Ein Vater läuft mit drei Mädchen auf den Platz zu: «Ihr könnt die Raketen in die Flaschen stellen, aber ich zünde sie an», sagt er. Eine halbe Stunde später haben ein Dutzend 10-Jährige die eine der beiden Tischtennisplatten auf dem Platz für sich eingenommen.

Die andere gehört mittlerweile einer Gruppe junger Erwachsener mit Fahrrädern, Döner und Bier. Sie trinken, die 10-Jährigen böllern. Auf den Bänken sitzen die Eltern mit den kleineren Kindern. Ein Mädchen stellt eine Rakete in die Flasche, der Vater zündet die Lunte an, es zischt und brennt und knallt wahnsinnig laut. Über dem Kirchturm zeichnet die Rakete eine bunte Blume in den Abendhimmel, ein Mädchen beginnt zu weinen. (Helena Krauser)

Schützenmattpark, 22 Uhr

Der Schützenmattpark ist auch am Abend des 31. Juli in konzentrischen Kreisen organisiert. Zuäusserst sitzen die Zuschauer, vor allem die Jungen. Hier, bei den halbverseckten Bänken, riecht es nach Gras. Dem zum Rauchen. Dann, auf dem Weg, stehen Familien mit Kindern, Passanten, Anwohner. Auf der Wiese, unter den Bäumen, auf gefühlt Hunderten von Quadratmetern Picknickdecken liegen Familien, Grossfamilien und Gruppen von Freunden.

Vom Neugeborenen bis zur Grossmutter sind sie alle da, vor allem Schweizer, aber längst nicht nur. Die Stimmung ist freundschaftlich, man kennt sich, viele kommen seit Jahren hier her.

Feuer-Spektakel im Schützenmattpark.

Feuer-Spektakel im Schützenmattpark.

Und in der Mitte, auf der Wiese, da stehen die Abschussrampen. Hier werken Familienväter und Kinder im Teenageralter an den ganz grossen Brummern. Raketen der Preiskategorie 50 Franken aufwärts werden in den Himmel geschossen. Zu Dutzenden. Zu Hunderten. Der Qualm wabert über die Wiese.

Die Kurzumfrage zeigt, man hat hier zwischen «Ein paar Hundert» und «Ein-, zweitausend Stutz» kräftig investiert in Schwarzpulver und allerlei andere Chemikalien. Angst vor einem kleinen Brand auf Wiese oder im Kastanienbestand. «Nein, wir passen auf.» Na dann, möge die Heilige Barbara mit Euch sein. (Nicolas Drechsler)

Feuerwerk im Schützenmattpark

Feuerwerk im Schützenmattpark