Tennis
Die Swiss Indoors brauchen Federer nicht

Roger Federer sagt alle Turniere dieser Saison ab. Das betrifft auch sein Heimturnier, die Swiss Indoors in der St. Jakobhalle, das Federer als Titelverteidiger angetreten hätte. Trotz seiner Absage macht sich aber niemand Sorgen um die Strahlkraft des Turniers

Céline Feller
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Letztes Jahr konnte Roger Federer (hier im Final gegen Rafael Nadal) seinem Heimturnier mit seiner Teilnahme noch mehr Glamour verleihen.

Letztes Jahr konnte Roger Federer (hier im Final gegen Rafael Nadal) seinem Heimturnier mit seiner Teilnahme noch mehr Glamour verleihen.

KEYSTONE

Roger Federer ist Ausnahmesportler und Aushängeschild in einem. Letzteres vor allem an seinem Heimturnier, den Swiss Indoors. Seit zehn Jahren. Bis jetzt. Denn nach dem am Dienstag verkündeten Saison-Aus Federers war auch sofort klar: Er wird dieses Jahr die Massen nicht in die Joggeli-Halle locken können. Er, der zuletzt 2005 in Basel fehlte und seither jedes Mal bis in den Final vorgestossen ist und diesen auch sieben Mal für sich entscheiden konnte. So hätte man vermuten können, dass seine Absage das schlimmst mögliche Szenario ist, das man sich hätte ausmalen können. Aber dem ist nicht so. Denn offenbar brauchen die Swiss Indoors Federer nicht. Dies zumindest meinen Standortmarketing, Basel Tourismus als auch die Organisatoren. Zwar bedauern alle die Verletzung und vor allem deren Tragweite sehr – glauben aber, dass seine Abwesenheit keinen messbaren Effekt haben wird. «Natürlich ist es ausgeprägt dramatisch, dass er nicht teilnehmen und somit seinen siebten Titel nicht verteidigen kann. Aber das gehört zum Risiko dieses Sports. Und auch nach seiner Absage werden mit Nadal, Wawrinka, Nishikori und Raonic noch immer vier Top-Ten-Spieler an den Swiss Indoors teilnehmen», sagt Jürg Vogel, Medienverantwortlicher des ATP-500-Turniers. «Basel besteht nicht aus einem Spieler. Das war noch nie so», sagt er weiter.

Ähnlich argumentiert auch Sabine Horvath, Leiterin Standortmarketing Basel-Stadt. Obwohl der 2006 gefällte Entscheid, sich bei den Swiss Indoors zu engagieren, sicher auch im Zusammenhang mit Federer gestanden habe, und Federer seither auch immer dabei war, habe man es immer «als Glücksfall für Basel und das Turnier und nicht als eine Grundvoraussetzung für den Erfolg des Marketing-Engagements gesehen», sagt sie. Viel wichtiger seien der Status als ATP-500-Turnier sowie die Tatsache, dass die Marke Basel während hunderten von TV-Stunden zu sehen sein wird. So bilanziert Horvath: «Für die Bekanntheit von Basel wird es keinen negativen Effekt haben. Es wirkt sich aber möglicherweise auf die Ticketverkäufe aus.» Doch dem widerspricht Vogel. «Der Dienstag, an dem Federer hätte starten sollen, war ja auch nicht ausverkauft, obwohl man meinte, dass er dann spielen würde.»

Zu hohe Erwartungshaltung

Vogel vergleicht die Situation in Basel ausserdem mit jener in Grossbritannien. «Dort hatte man eine zu grosse Erwartungshaltung nach dem Heim-Sieg des Engländers Fred Perry 1936 in Wimbledon.» Die Briten mussten bis 2012 warten, bis wieder einer von der Insel, namentlich Andy Murray, den Titel wieder gewinnen konnte. Sprich: Man ist in Basel durch Federers jährliche Teilnahmen seit 2006 auch ein wenig verwöhnt. «Diese letzten zehn Jahre waren ein absolutes Privileg für uns, aber auch sehr glücklich für ihn, dass er nie schwerer verletzt war.»

Auch von touristischer Seite sind keine sorgenvollen Prognosen zu vernehmen. Basel Tourismus verkauft jährlich Packages für die Halbfinals und den Final, die neben Übernachtungen und Eintritten noch weitere Leistungen enthalten. «Wir glauben nicht, dass der Ausfall von Roger Federer dort zu Einbussen beim Verkauf führen wird. Die Swiss Indoors sind ein attraktiver Anlass, auch unabhängig von ihm», sagt Christine Waelti von Basel Tourismus. Weiter meint sie, dass die Absage Federers auch auf die Logiernächte keinen grossen Effekt haben werde.

Doch auch wenn der diesjährige Ausfall scheinbar keine grossen Konsequenzen zu haben scheint, sagt Vogel: «Wir sind glücklich, dass er weiter spielen wird.» Und er ist sich auch sicher, dass zwischen Federer und den Swiss Indoors eine Einigung für 2017 gefunden werden könne – auch wenn Federers Vertrag in diesem Jahr ausläuft.