Fluggesellschaft
Die Swiss ist am Basler Euroairport im Abflug

Die Schweizer Airline Swiss gibt ihre edle Lounge, die der Lounge-Pass-Anbieter «Priority Pass» 2012 zur schönsten Lounge in Europa, Afrika und des Mittleren Ostens wählte, im Flughafen ab und will nicht benutzte Flächen ihres Verwaltungsgebäudes am Euroairport veräussern.

Iso Ambühl
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Die Swiss kehrt dem Euroairport den Rücken

Die Swiss kehrt dem Euroairport den Rücken

Keystone

Die Swiss betreibt ihre viel gelobte Business-Lounge am Euroairport Basel-Mulhouse nicht mehr selbst. Sie befindet sich inmitten des Fingerdocks. Moritz Suter hatte sie noch zu Crossair-Zeiten als Kuppelbau mit 1700 Quadratmetern Nutzfläche auf drei Stockwerken projektieren lassen. Heute ist das Schmuckstück, das der Lounge-Pass-Anbieter «Priority Pass» 2012 zur schönsten Lounge in Europa, Afrika und des Mittleren Ostens wählte, viel zu gross, was Folgen hat: «Am 1. Oktober 2012 ist der Besitz der Lounge aufgrund auslaufender Verträge an den Euroairport übergangen», bestätigt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek gegenüber dem «Sonntag».

Der Servicekonzern Swissport betreibe die Lounge seither, sagt Euroairport-Sprecherin Vivienne Gaskell. Swissport habe ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren gewonnen. Passagiere der Business Class oder Frequent Flyer Programme derjenigen Airlines, die einen Vertrag mit Swissport besitzen, haben Zutritt. «Neu steht die Lounge jedem Passagier offen, der einen Eintritt (30 Franken; ab Februar 38 Franken) bezahlt», sagt Gaskell. Laut Swissport besitze man einen Vertrag bis 2015.

Die Swiss, die im Mai vier Destinationen ihres Streckennetzes ab Basel gestrichen hat, kauft neu Lounge-Leistungen beim neuen Betreiber ein. So dürfen HON Circle Members, Miles & More Senatoren sowie Kunden mit Star Aliance Gold und Swiss Business Class Kunden die Lounge weiter kostenlos benutzen. Miles & More Frequent Flyer haben aber keinen kostenlosen Zutritt mehr.

Die Swiss zieht sich nicht nur bei der Lounge zurück. Ihr Verwaltungskomplex am Euroairport ist viel zu gross. Im Vergleich zum Basler Marktführer Easyjet, der seinen Marktanteil im ersten Halbjahr 2012 auf 54 Prozent steigerte, ist sie heute nur noch mit einem Marktanteil von lediglich sechs Prozent präsent. Seit 2002 hat die Zahl der Mitarbeitenden von rund 1400 auf heute 450 abgenommen. Da erstaunt es nicht, dass die Airline im von Anfang an viel zu gross angelegten Swiss-Verwaltungskomplex immer weniger Flächen benötigt. «Durch den nur teilweise bestehenden Eigenbedarf ist die Swiss für sämtliche möglichen Optionen offen wie Vermietung, Umnutzung und Veräusserung», sagt Swiss-Sprecherin Ptassek. Mit verschiedenen Interessenten gäbe es derzeit Gespräche.

Wie viele Quadratmeter oder Stockwerke leer stehen, will Ptassek nicht sagen. Ein Verkauf des Gebäudes ist nicht möglich, weil die Swiss lediglich ein Baurecht besitzt. Der 150-Millionen-Franken-Bau war noch von der Crossair in Auftrag gegeben worden und ist seit März 2002 in Betrieb. Eigentümer der Parzelle ist der Flughafen, von dem die Crossair/Swiss den Baurechtsvertrag erhielt. Er habe noch eine «erhebliche Restdauer», sagt Euroairport-Sprecherin Gaskell. Gerüchteweise ist zu hören, dass er auf 50 Jahre abgeschlossen wurde.

Mit dem Verwendungszweck müsse die Flughafen-Leitung bei einer allfälligen Vermietung, Verkauf oder Umnutzung des Gebäudes einverstanden sein, sagt Gaskell. Klar ist für die Swiss, dass die derzeitige Prüfung der Steuergesetzgebung für Firmen im Schweizer Sektor allfällige Veränderungen im Bereich ihres Verwaltungssitzes erschwert.

Trotz Reduktion des Flugplans, der Abgabe der Lounge und Gesprächen mit Interessenten für Flächen des Verwaltungsgebäudes beharrt Swiss-Sprecherin Ptassek darauf, dass Basel «durchaus eine wichtige Rolle» im Gesamtportfolio der Lufthansa-Tochter spiele. Als nationale Fluggesellschaft wolle die Swiss an allen drei Landesflughäfen präsent sein: «Wir hegen deshalb auch keinerlei Absicht, das Angebot drastisch zu verringern, geschweige denn, uns aus Basel zurückzuziehen», sagt Ptassek.