Eins, zwei, drei; eins, zwei, Autsch! Paartanz hat so seine Tücken. Damit wenigstens der Hochzeitstanz in guter Erinnerung bleibt und nicht zur Blamage wird, besuchen viele Basler Paare einen Tanzkurs in der Tanzschule Fromm. Dort lernen sie das Einmaleins des Paartanzes. Seit Jahren unterrichten die Tanzlehrer im Zunftsaal der Zunft zu Hausgenossen an der Freie Strasse 34.

Damit ist bald Schluss – zumindest vorübergehend. Das Haus wird totalsaniert und erdbebensicher gemacht. «Nachdem wir seit über 50 Jahren nur punktuell saniert oder renoviert haben, ist die Zeit für eine umfassende Renovation jetzt reif», sagt Peter Burckhardt, der Meister der Zunft.

Raus!

Für die jetzigen Mieter heisst das: Raus! Sie mussten schliessen oder sich eine neue Bleibe beziehungsweise ein neues Ladenlokal suchen. Das Lädelisterben in der Innenstadt geht also weiter – wenn auch nur temporär. Burckhardt ist bewusst, dass es für die Mieter nicht einfach ist: «Aber es geht uns um Aufbau und nicht um Zerstörung. Wir wollen etwas aus unserer Liegenschaft machen, anstatt sie vergammeln zu lassen.» Das komme am Ende auch den Mietern zugute.

Ob nach Abschluss der Totalsanierung, im Jahr 2018, eine internationale Kette an der Adresse eröffnen wird, oder sich das lokale Gewerbe einmieten will und kann, steht noch nicht fest. «Wir haben weder einen Mieter im Kopf, noch jemanden angefragt», sagt Burckhardt.

«Dufour» kommt nicht zurück

Der Blumenladen Dufour hat den Laden an der Falknerstrasse 9 vor zwei Wochen definitiv verlassen und ist an den Spalenberg gezogen. «Natürlich werden wir am neuen Standort weniger Laufkundschaft haben als an der Falknerstrasse. Bis jetzt merken wir davon aber noch nichts», sagt Geschäftsführer Serge van Egmond.

Schon heute ist klar, dass der Blumenladen nach der Sanierung nicht an den alten Standort zurückkehren wird. Die Zunft plane, den Laden als durchgehende Fläche bis zur Freie Strasse zu vermieten: «Das wäre viel zu gross für uns», sagt van Egmond. Burckhardt erwidert, es sei noch nicht klar, ob die Fläche als Ganzes vermietet werde oder wie vorher in mehrere Ladenflächen aufgeteilt werde. Das komme auch auf die Wünsche des Mieters an.

Wie hoch der Mietzins sein wird und wie stark er steigen wird, steht gemäss Burckhardt noch nicht fest. Van Egmond allerdings geht nicht davon aus, dass sie sich ein Geschäft im sanierten Haus noch leisten könnten – auch wenn sie nicht die ganze Ladenfläche mieten müssten.

Stadtdrogerie schliesst

Im Zunfthaus hatte auch die Goldschmiede Degen ihr Geschäft. Und auch sie ist umgezogen. Degen findet man neu am Gerbergässlein, wo er zusammen mit einem anderen Goldschmied die Schmucksicht GmbH eröffnet hat. Die Hildegard Stadtdrogerie schliesslich hat vergangenen Samstag nach 24 Jahren ihre Türen ganz geschlossen. Das berichtete die «Schweiz am Sonntag». «Wir haben den Mietvertrag bewusst auslaufen lassen», sagte Balthasar Settelen, Präsident von Pro Innenstadt und Vorgesetzter der Zunft zu Hausgenossen.

Ein Abschiedstanz

Und was ist mit allen Frischverlobten mit zwei linken Füssen beim Tanzen? Wo wird ihnen in Zukunft geholfen? Die Tanzschule Fromm hatte im März erfahren, dass sie den Zunftsaal ein Jahr lang nicht nutzen kann. Während sechs Monaten haben sie nach einer Alternative gesucht. Erst seit dieser Woche ist klar: «Wir werden uns ein Jahr lang im Singerhaus am Marktplatz einmieten», sagt Tanzlehrerin Bettina Urter. Es sei nicht ganz einfach gewesen, eine Alternative zu finden. Denn die Tanzschule wollte in der Innenstadt bleiben. Ab Januar 2017 wird also im Singerhaus gewalzert, gefoxtrottet und geswingt. Vorher gibt es aber noch eine grosse Kehrausparty im Zunftsaal.

Im Gegensatz zu den anderen Mietern ist es für die Tanzschule Fromm nur ein temporärer Abschied vom Zunfthaus. Nach dem Umbau werden die Tanzschüler wieder an der alten Adresse unterrichtet. Ganz zur Freude der Zunft zu Hausgenossen.