SWR-Krimi

Die Tatorte nähern sich Basel: Jetzt wird im Schwarzwald gemordet

Der neue Schwarzwald-Tatort

Der neue Schwarzwald-Tatort "Goldbach" begibt sich auf Verbrecherjagd in ländlicher Idylle.

Der SWR-Krimi wechselt vom Bodensee in den Schwarzwald. Die erste Folge am Sonntag ist düster. Das Spiel draussen in freier Natur charakterisiert die Premiere und hebt den Schwarzwald-Tatort von den üblichen Städte-Tatorten ab.

Peng. Der Schwarzwald-Tatort «Goldbach» startet mit einem Schuss. Die erste Aufgabe des neuen Ermittler-Duos ist eine der Undankbarsten. Franziska Tobler (gespielt von Eva Löbau, 45) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner, 48) müssen ahnungslosen Eltern erklären, dass deren Tochter Frida tot im Wald aufgefunden wurde. Die Eltern sind gerade dabei, mit zwei befreundeten Elternpaaren einen Baum zu fällen. Panik bricht aus, weil auch Paul und Linus, die Söhne der beiden anderen Familien, nicht zurückgekehrt sind.

Kurz darauf kommt Paul von alleine zurück nach Hause. Die Ermittler hoffen, dass er den Fall auflösen kann, doch der verstörte Junge ist für die Kommissare keine grosse Hilfe. Linus bleibt verschollen. Spätestens als die Polizei unter dem Bett und im Keller von Linus› Vater zahlreiche Waffen entdeckt, beginnen die Eltern sich gegenseitig zu misstrauen. Auch Trauer und Sorge treiben die eigentlich gut befreundeten, in dem Dorf nahe beieinander lebenden Familien auseinander. Auch weil ein richtiger Bösewicht fehlt, erinnert der erste Schwarzwälder «Tatort» in weiten Teilen eher an ein Drama, als an einen gewöhnlichen Ermittlerkrimi.

Thema regt zum Nachdenken an

Das Spiel draussen in freier Natur charakterisiert die Premiere und hebt den Schwarzwald-Tatort von den üblichen Städte-Tatorten ab. «Das Drehen draussen unter freiem Himmel ist beim Arbeiten vor der Kamera zwar ungewohnt und eine Herausforderung. Aber die Natur bringt Kraft und Authentizität in den Film. In einem Studio ist das in der Form nicht zu schaffen», sagt Schauspielerin Löbau.

Auch aus zwei weiteren Gründen ist der neue «Tatort» sehenswert. Erstens erfüllt er durch das kritische Beäugen von privatem Waffenbesitz seinen gesellschaftspolitischen Auftrag. Das Thema regt zum Nachdenken an. Und zweitens tragen die neuen Ermittler im Gegensatz zu vielen anderen Tatort-Kommissaren keine privaten Probleme mit sich herum. Laut Löbau wird das auch in den weiteren Folgen so bleiben. Bei der Schwarzwald-Premiere kommt es am Ende genau dort, wo die Leiche gefunden wurde, zum Showdown. Der Tatort liegt in einem Waldstück im Südschwarzwald in der Nähe des Feldbergs zwischen Bernau und Todtnau. Das ist nicht einmal eine Autostunde von Basel entfernt. So nahe, dass hier auch der geistige Vater des berühmtesten Basler Kommissars einen Grossteil seines Lebens verbringt: Hansjörg Schneider der Verfasser der Hunkeler-Romane lebt zeitweise gleich nebenan, in Todtnauberg. «Wegen der «angenehme Höhe, der angenehmen Gegend und den angenehmen Leuten» ist Schneider sehr gerne im Südschwarzwald.

Clara Blum wurde abgesetzt

Der neue «Tatort» spielt also nur rund 60 Kilometer von Basel entfernt. Näher als der Schweizer Tatort aus Luzern, näher als der mittlerweile abgesetzte Tatort aus Konstanz. Am Bodensee ermittelten von 2002 bis 2016 Clara Blum (Eva Mattes) und ab 2004 auch Kai Perlmann (Sebastian Benzel) in 31 Fällen. Seit 2012 konnten die Blum und Perlmann auch immer auf Schweizer Hilfe von Matteo Lüthi (Roland Koch) zählen. Damit ist nun Schluss. Stattdessen setzt das SWR auf die Idylle des Schwarzwalds.

Der Bürgermeister der Stadt Bernau, Rolf Schmidt, ist begeistert. Obwohl er den Tatort bereits an der Preview im Kurhaus Bernau gesehen hat, schaltet Schmidt auch am Sonntagabend wieder ein. Denn auch der Tourismusdestination Südschwarzwald könnte der neue «Tatort» in die Karten spielen.

«Grundsätzlich ist jeder Bericht über den Schwarzwald zunächst positiv. Wenn aber am Sonntag wie üblich zwischen fünf und sieben Millionen Fernseh-Zuschauer einschalten, kommen sicherlich einige von ihnen als Tagesausflügler oder Feriengäste in unsere Region, hoffentlich auch gezielt nach Bernau», sagt Schmidt. Befürchtungen, dass die düstere Stimmung des Films Touristen abschrecken könnte, hat der Bürgermeister nicht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1