Pop-up-Stores
Die «tote» Clarastrasse soll zur attraktiven Einkaufsmeile werden

Schon wieder gehen an der Clarastrasse drei Läden ein – nun will die Interessensgemeinschaft Kleinbasel mit einer neuen Idee ansetzen. Zukünftig sollen viele kleinere «Pop-up-Stores» die Flaniermeile attraktiv machen.

Benjamin Rosch
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Kleine Bistros, Nischen-Läden und viel Ramsch: Der Clarastrasse fehlt ein Publikumsmagnet.

Kleine Bistros, Nischen-Läden und viel Ramsch: Der Clarastrasse fehlt ein Publikumsmagnet.

Nicole Nars-Zimmer. niz

Die Clarastrasse bleibt Kleinbasels leidigster Patient. Mit Oleander-Sträuchern, neuer Beleuchtung und vor allem breiteren Trottoirs wollte man das halbtote Stück Strasse in eine florierende Flaniermeile verwandeln. Dieses Ziel wurde verfehlt: Zwischen Claraplatz und Messe reihen sich noch immer hauptsächlich dutzende Billig-Läden. «Wir sind mit der Aufwertung auf Kurs. Das Areal befindet sich derzeit in einer Zwischenphase», sagte Stadtentwickler Thomas Kessler 2012 gegenüber der Basler Zeitung. Insbesondere Investoren grösserer Ladenflächen würden den Messe-Neubau abwarten, sagte Kessler damals weiter.

Mehrere Läden machen zu

Jetzt zeigt sich das Gegenteil: In nächster Zeit werden vier weitere Lokale die Clarastrasse verlassen. Bei diesen handelt es sich nicht um kleinere Betriebe. Da wäre beispielsweise das Clara Colosseum in der Hausnummer 4, dort wo früher das Schuhgeschäft Fricker domiziliert war. Auch ein Kleiderladen vis-à-vis macht offenbar dicht, genau so wie eine italienische Boutique weiter vorne. Spekuliert wird auch von verschiedener Seite, das Möbel- und Einrichtungsgeschäft Jysk könne die Clarastrasse verlassen. Dem sei aber nicht so, informiert das dänische Unternehmen auf Anfrage, man «bleibe standhaft».

Pop-up-Stores als Retter

«Im Moment ist die Clarastrasse ein Unort, es wimmelt von Billigläden, die jetzt wegen der Frankenstärke die Segel streichen müssen», sagt Benny Zeuggin, Geschäftsführer der Interessensgemeinschaft Kleinbasel (IGK). Aus seiner Sicht funktioniere das Konzept der Ramschläden nicht mehr, insbesondere jene mit grossen Verkaufsflächen.

Die IGK wurde deshalb mit einer neuen Idee beim Kanton vorstellig. «Die Taktik muss sein, die Flächen für die einzelnen Betriebe zu verkleinern und kleinen, jungen Unternehmen eine Chance zu bieten», sagt Zeuggin. Er orientiert sich zum einen am Beispiel der Markthalle, die speziell mittags mit einem breiten Angebot an Food-Ständen sehr gut läuft. «Ein spezielles Gastro-Konzept könnte auch im Kleinbasel funktionieren», sagt Zeuggin.

Zum anderen seien auch kleinere Pop-up-Stores denkbar, wie sie schon seit einiger Zeit in Berlin, London und New York funktionieren. Pop-up-Stores sind kleine Verkaufslokale, die insbesondere Start-ups nutzen, um bei geringen Fixkosten ihre Ware feilzubieten. Als positives Beispiel nennt Zeuggin den Veloladen John Tweed, ganz am Anfang der Clarastrasse. Diese widersetzen sich seit sechs Jahren dem Abwärtstrend von Kleinbasels grösster Einkaufsstrasse. «Inzwischen kennt man uns, wir haben uns eine Stammkundschaft erarbeiten können», sagt Inhaber Michel Seeliger. Er findet Pop-up-Stores in unmittelbarer Nähe eine gute Idee: «Wir haben Angst vor einer Leichenstrasse. Junge Geschäfte könnten helfen, die Umgebung zu beleben.»

Runder Tisch geplant

Mit im Boot ist auch Daniel Seiler, Präsident der Kleinbasler FDP. Ihm schwebt ein runder Tisch vor, um ein solches Projekt möglichst breit abgestützt zu entwickeln, «möglicherweise kann eine Hochschule ein entsprechendes Konzept skizzieren.» Bei Stadtentwickler Kessler stiess die IGK auf offene Ohren. Noch ist wenig konkret, doch wollen Interessensvertreter und Stadt nach der Fasnacht damit beginnen, eine Diskussionsplattform zu schaffen und den Dialog zwischen Liegenschaftsbesitzern und potenziellen Investoren zu etablieren.

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