Kunstschau

Die Trinationale Kunstschau zieht stetig grössere Kreise

Ein «performatives Objekt» der Basler Künstlerin Lena Lengsfeld im Kunstraum Riehen.

Ein «performatives Objekt» der Basler Künstlerin Lena Lengsfeld im Kunstraum Riehen.

Zum Jahresende präsentieren an der Regionale 13 gut 230 Kunstschaffende in 16 Ausstellungsräumen ihre Arbeiten. Der trinationale Kreis der Künstlerinnen und Künstler erstreckt sich von Karlsruhe über die Region Basel hinaus bis nach Zürich.

Die 13 ist hier gewiss keine Unglückszahl. Mit der Regionalen 13 zieht die trinationale Ausstellung regionaler Kunst immer grössere Kreise: Zwischen Freiburg im Breisgau, Strasbourg, Basel, Muttenz und Liestal zeigen 16 Institutionen gut 230 künstlerische Positionen.

Der trinationale Kreis der Künstlerinnen und Künstler erstreckt sich von Karlsruhe über die Region Basel hinaus bis nach Zürich. 146 Künstlerinnen und Künstler kommen aus der Schweiz, 75 aus Deutschland und 47 aus Frankreich. Das Alter der Mitwirkenden erstreckt sich von 23 bis 66 Jahren. Dies berichtet Felizitas Diering, Geschäftsführerin der Regionale und selbst Mitkuratorin der Ausstellung im Kunsthaus L6 in Freiburg, an der Medienkonferenz im Kunstraum Riehen. Zudem hat die grosse Kunstschau, für die sich die Ausstellungsräume vernetzen, Vorbildcharakter. Wie Philippe Bischof, Leiter der Basler Abteilung Kultur, im Grusswort schreibt, hat Bern das System übernommen, das in Basel schon 13 Jahre lang bestens funktioniert. Die Erfolge sind Grund genug, dass sich die Regionale 9 eine neue Corporate Identity gegeben hat.

Die wenigsten Kunsträume haben ihre Ausstellungen allein aus insgesamt 600 eingesandten Dossiers inszeniert. Sie haben noch Kunstschaffende dazu eingeladen. Das gilt gerade für jene Kunsträume, welche die Qualität der ausgestellten Arbeiten und ebenso der Gesamtinszenierung als ihr oberstes Kriterium setzen.

Felizitas Diering interessiert, wie viel Zeit jemand aufwenden muss, der sich alle 16 Ausstellungen ansehen will. Mit dem Reiseweg – mit dem Regionale-Shuttlebus – bräuchte er beinahe 22 Stunden.

Die 16 Ausstellungen

Die Leiter, Leiterinnen der 16 Räume und ihre Kuratorteams haben je ganz eigene Ausstellungen inszeniert und sie hier vorgestellt. Unter dem Titel «No Man Is An Island» hat Martina Siegwolf, Dozentin an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Basel, die Ausstellung mit 21 Positionen im Kunsthaus Baselland kuratiert. Sie thematisiert die Vernetzung der Kunstschaffenden im Internet, untereinander und auch mit der Kunstgeschichte. Die Kunsthalle Basel zeigt sechs Positionen. Fabian Schönreich hat unter dem Titel «When I look at things, I always see the space they occupy» eine Ausstellung inszeniert, in der sich die Kunstschaffenden mit Raum und Architektur auseinandersetzen.

«Von den Rändern her» schaut die Kunsthalle Palazzo. Der Künstler Urs Aeschbach und die Kuratorin Lena Friedli vom Ausstellungsraum Klingental haben 32 «dezente und stille Arbeiten» inszeniert. «Hidden Obvious» heisst die Ausstellung mit 15 Positionen im Haus für elektronische Künste, kuratiert von Direktorin Sabine Himmelsbach und ihrer Mitarbeiterin Doris Gassert. Es geht darum, wie Verborgenes und Offensichtliches ineinandergreifen.

Mit ihrem Titel «Eine Zierde für den Verein» stützen sich die Künstlerinnen Monika Dillier und Chris Regn bei ihrer Inszenierung im Projektraum M54 in Basel auf Marieluise Fleissers Roman. Auch im Ausstellungsraum Klingental kuratierten vier Künstler. Sie schauen gleichsam hinter die Kulissen auf die Produktionsmethoden in der Kunst.

«Under Construction»

Besichtigt haben wir die Ausstellung im Kunstraum Riehen, wo die Regionale 13 den Medien präsentiert worden ist. In der von Kiki Seiler-Michalitsi schön und übersichtlich kuratierten Schau zeigt sich beispielhaft die unterschiedliche Qualität der Dossierarbeiten. Zuoberst im zweiten Stock, da ist auch die Spitze an Qualität. Daniel Wogensteins grossformatiges Gemälde «Blackness» erinnert an ein riesiges dunkles Tor ins Irgendwo. Die schwarze Fläche ist mit weissen Querlinien gebrochen. Sie täuschen eine Reliefstruktur vor. Peter Brunner-Bruggs reliefartige Karton-Arbeit ist eine faszinierende Landschaft unterschiedlicher Raumstrukturen, eine Landschaft, die viel erzählt. Catrin Lüthi K lässt in ihrer Beton-Installation «Memory Pieces» offen, ob hier Zerstörung wirkt oder etwas «under construction» ist. Und damit erzählt sie viel über Erinnerungsstücke in uns.

Schwieriger, sich hier zu behaupten, haben es Werke, die versuchen auf dem Feld konstruktiver oder minimalistischer Kunst oder der Readymades etwas Eigenes zu sagen. Einflüsse werden teilweise zu offensichtlich. Bei Olaf Quantius’ Grossformat «Hirnlappen» aus Wolldecken-Stücken scheint einem Joseph Beuys entgegenzublicken. Eigenständiger wirken Jens Stickels riesige abstrakte Bilder «Brickwall 1 + 2» eine starke Wirkung hinterlässt die grosse weisse Farblandschaft mitten im Grau. Hier kommt auch gut zum Ausdruck, worum es der Kuratorin geht. Die Materialität der Objekte als Teil der künstlerischen Aussage.

Regionale 13 Die 16 Kunsträume, das genaue Programm, der Shuttlebus-Fahrplan, die Vermittlungsaktionen und eine virtuelle Führung durch die Ausstellungen auf: www.regionale.org

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