Kommunikationsberater ermutigen Politiker zwar, auf Facebook aktiv zu werden, gleichzeitig bläuen sie ihnen ein, dass man dort nur Aussagen loswerden sollte, zu denen man öffentlich stehen kann. Es lesen oft mehr Augen mit, als man erwartet. Als Kommunikationsleiterin der «Basler Zeitung» (BaZ) mahnt wahrscheinlich auch Nicole Scheidegger ihre Mitarbeiter zu Professionalität im Umgang mit neuen Medien.

Die kurz nach Tettamantis erster Übernahme vor anderthalb Jahren angestellte Kommunikationsplanerin äussert sich selber auf Facebook aber in ganz anderem Ton, als sie dies in ihrer offiziellen Funktion tun würde.

Wörtlich schreibt sie über sich selber in der dritten Person: «Könnt KOTZE wäg dene 1000 Demo-Vollidiote und frogt sich, ob die d Energie nid für öbis sinnvolls möchte isetze!??! Unglaublig!!!?!?!» Paradox: Sprecherinnen wie Scheidegger sind bei Journalisten berüchtigt, dass sie bei offiziellen Auskünften nur Beschönigendes und Nichtssagendes aneinanderreihen. Da würde man nicht daran denken, dass dieselben Leute über friedliche Demonstranten derart in Rage geraten.

«Schon vergessen»? - Nein

Scheidegger ist nicht die Einzige, der die BaZ-Wirren in den Kopf gestiegen sind. Zur Frage, ob die «Tageswoche» eine Alternative sei, schreibt SP-Grossrätin Andrea Bollinger auf Facebook über die ehemalige bz-Redaktorin Yen Duong: «Schon vergessen, dass Frau DingDong oder wie heisst sie doch gleich von der TaWo über die SP-Fraktion im Grossen Rat hergefallen ist und von ‹Siesta-Fraktion› faselte? Mit einem völlig ignoranten Rundum-Schlag? Na dann prost, wenn ihr DAS so toll findet...»

Da stellt sich die Frage: Wie soll man Kindern erklären, dass Facebook der falsche Ort ist für ignorante Rundumschläge, wenn es selbst Volksvertreter und Kommunikationsspezialisten nicht können? (öpf)