Stadtreinigung
Die unbeliebten Pressabfalleimer am Rheinbord sollen Opfer einer Müllattacke geworden sein

Am Sonntag waren mehrere Abfalleimer am Rheinufer überfüllt. Die Stadtreinigung vermutet eine geplante Aktion.

Zara Zatti
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Dass der teuer Mülleimer am Sonntag so aussah, verärgerte viele Basler.

Dass der teuer Mülleimer am Sonntag so aussah, verärgerte viele Basler.

CH Media

Sie waren von der ersten Stunde an unbeliebt. Die solarbetriebenen Pressabfalleimer, die seit Dezember vor allem am Rheinbord stehen. Grund für das schlechtes Image ist das Aussehen des neuen Basler Mülleimers. Viele finden ihn hässlich: Er sei klobig, plump und passe nicht ins Stadtbild. Überzeugen sollte der Kübel allerdings auch nicht mit seinem Aussehen, sondern mit seinen inneren Werten. So kann er dank der Pressleistung bis zu 1'000 Liter Müll fassen, doppelt so viel also wie ein herkömmlicher Abfalleimer. Und sein bestechendstes Feature ist die automatische Meldung über seinen Füllzustand. Ist er voll, kommt eine Reinigungsequipe und leert ihn. Damit soll unter anderem Littering verhindert werden. Das hat allerdings auch seinen Preis: 6'000 Franken kostet ein Mülleimer.

Kam der Kübel am Sonntag an seine Grenzen?

Doch am vergangenen Wochenende kam es am Rheinbord bei der Mittleren Brücke zu Bildern, die an der Leistung des Hightech-Kübels zweifeln liessen. Mehrere Abfalleimer zeigten an, dass sie voll sind, um die Kübel sammelten sich Plastiksäcke und Bierflaschen. Bei einem war der Schlund völlig zugemüllt und auch auf der Oberfläche türmten sich Bierdosen, Kaffeebecher und Glasflaschen. Die Bilder wurden auf Facebook und Twitter geteilt, darunter entflammte eine leicht schadenfrohe Diskussion darüber, wieso der neue Kübel offenbar doch nicht so viel taugt, wie gedacht. «Es braucht keinen Hightech-Chabis, sondern einfach nur genügend und einfache Entsorgungsmöglichkeiten in der ganzen Stadt», schreibt etwa SVP-Grossrat Pascal Messerli auf Twitter.

In den Kommentaren rätseln die User über die Ursachen für das Versagen des Müllschluckers. Auch Peter Mötteli, Mitglied im Verein Rheinpromenade Kleinbasel, schoss am Sonntag ein Bild des überfüllten Kübels. Der Verein befürchtet, dass die Mülleimer dem Abfallaufkommen bei sommerlichem Betrieb am Rheinbord nicht mehr nachkommen könnten, wenn sie schon mitten im Winter versagen. Dass sie am Wochenende nicht mehr in der Lage waren, den anfallenden Müll zu schlucken, erklärt sich Mötteli mit dem schönen Wetter am Sonntag. Und er geht davon aus, «dass sich das wiederholen wird, wenn am Wochenende die Sonne scheint». Dem Verein sind die neuen Mülleimer schon seit deren Auftauchen ein Dorn im Auge. Die «Abfallmonster» würden das Erscheinungsbild der Rheinpromenade zerstören, hiess es damals in einer Medienmitteilung.

Was genau passiert ist, bleibt unklar

Der Leiter der Stadtreinigung, Dominik Egli, sieht die Schuld für die Überfüllung vom Sonntag nicht bei den Abfalleimern. Er geht von einer gezielten Attacke auf den unbeliebten Kübel aus: «Wir können uns nicht erklären, dass so viele Abfalleimer in so kurzer Zeit überfüllt wurden. Deshalb gehen wir von einer mutwilligen Aktion aus.» Bei insgesamt fünf Abfalleimern am Rheinbord sei es nach dem Sonntagmittag zu einer sehr raschen Füllung gekommen, das zeigen die Auswertungen der Stadtreinigung. Zu einer solchen Überfüllung sei es bei den Pressabfalleimern bis jetzt noch nicht gekommen: «Sie funktionierten bis anhin durchgehend.» Deshalb vermutet Egli einen gezielten Angriff von jemandem, der die Kübel verunglimpfen wolle. Ob tatsächlich ein Gegner der Kübel am Sonntag Abfall verteilte, bleibt unklar.

Dominik Egli hält allerdings am neuen Modell fest. Er hofft, dass wie ursprünglich geplant, bald die 1'000 Solarmülleimer in der Stadt stehen werden. Nach einem Änderungsantrag im Grossrat, wurde die Bestellung gestoppt, es sollten erst einmal 160 der neuen Modelle getestet werden. Anzeige könne man im Falle einer vorsätzlichen Zumüllung eines Abfalleimers nicht machen, sagt Egli. Wird sich der Vorfall aber wiederholen, will die Stadtreinigung die Polizei einschalten.