Die Zahlen sind beeindruckend. Mittlerweile erhält die Uni Basel jährlich 45 Millionen Franken von Firmen und Stiftungen. Und die Hochschule ist auf die Drittmittel angewiesen. Rektorin Andrea Schenker-Wicki will die private Lehrstuhl-Finanzierung sogar noch viel weiter ausbauen. «Wir können uns in Zukunft nur noch über Sponsoring entwickeln und unser hohes Forschungsniveau halten», wird sie von der «NZZ am Sonntag» zitiert. Die Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland seien zu klein, um beliebig immer grössere Summen in die Uni zu stecken.

Erst vergangene Woche konnte die Uni Basel einen weiteren Deal unter Dach und Fach bringen: Zehn Millionen Franken stellt Vifor Pharma zur Verfügung, damit die Uni zwei neue Lehrstühle für zehn Jahre finanzieren kann. Diese sollen sich mit der Zulassung von Nanopharmazeutika befassen. Davon soll dann Vifor selber profitieren können. Denn die Zulassung entsprechender Medikamente soll deutlich vereinfacht und damit günstiger werden.
Versuche der Einflussnahme

Die Uni Basel steht mit ihren Bemühungen um Drittmittel nicht alleine da. Bereits 2016 wurden 300 von 4000 Professuren an Schweizer Hochschulen von Dritten finanziert – heikle Verflechtungen inklusive. An der ETH Lausanne konnte der Pharmakonzern Merck Serono «akzeptable Änderungen» von Forschungsergebnissen verlangen. Die Uni Bern hat sich dazu verpflichtet, der Versicherungsgesellschaft Mobiliar Klima-Erkenntnisse in «praxisorientierter Form» zu liefern. Und in Basel wurde im selben Jahr bekannt, dass der Verband Interpharma nicht nur den Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie bezahlt, sondern den Professor gleich mitbestimmt.

Diese Entwicklung wird von verschiedenster Seite angeprangert. Viele sehen Freiheit und Unabhängigkeit der Forschung in Gefahr. Die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Maya Graf etwa fordert seit Jahren die Offenlegung und Überprüfung der Nebenämter von ETH-Professoren.

Auf kantonaler Ebene wird die Entwicklung dennoch begrüsst. «Im angelsächsischen Bereich ist solches Sponsoring längst Usus. Und Universitäten wie Cambridge oder Harvard sind weltweit an der Spitze», sagt Oswald Inglin. Der Präsident der grossrätlichen Bildungskommission unterstützt daher die Bemühungen. «Wichtig ist einzig, dass Transparenz herrscht über die Berufung von Professuren oder die Verwendung von Forschungsergebnissen.» Das sieht Kommissions-Vizepräsidentin Franziska Reinhard ähnlich: «Es kann heikel sein, wenn Eigeninteressen reinspielen.» Rahmenbedingungen müssten daher klar sein. «Ich denke aber, dass die Uni Basel die nötige Vorsicht walten lässt.»

Die Uni habe dazugelernt, versichert Rektorin Schenker-Wicki. Vifor habe bei der Berufung von Professuren nichts zu sagen und nehme auf die Forschung genauso wenig Einfluss, erklärte sie gegenüber der «NZZ am Sonntag». «Wir sind keine Zudiener der Pharmaindustrie.»