Bruno Erny, der Obergärtner des Botanischen Gartens der Universität Basel, hat einen Traum: Im Tropenhaus beim Spalentor möchte er fleischfressende Kannenpflanzen, Dracula-Orchideen in einem Nebelwald sowie die Titanwurz, die derzeit im kleineren Gewächshaus nebenan in die Leitungsrohre hineinwächst, ausstellen. Ein Steg soll die Besucher durch die Baumkronen führen und mitten im Dschungel soll ein Platz eingerichtet werden für Schulstunden und Führungen. Um diese Ideen zu verwirklichen, plant eine Arbeitsgruppe der Universität einen Neubau. Das wäre die Luxusvariante.

Als Minimalvariante sieht die Universitätsverwaltung eine Sanierung des Tropenhauses vor. Bei den Trägerkantonen hat sie dazu Ausgaben von 9,8 Millionen Franken beantragt. Die Regierungen beider Basel schlagen ihren Parlamenten vor, diesen Mehraufwand im Immobilienfonds praktisch ohne Abstriche zu genehmigen. Knapp zwei Millionen des Betrags fliessen in neue Pflanzenwuchskammern, da diese veraltet seien und mit verbotenen Kältemitteln gekühlt werden. Für die Sanierung des Tropenhauses bleiben somit etwas mehr als sieben Millionen Franken.

Die 1967 erstellte Metall-Glas-Konstruktion ist in die Jahre gekommen: Das Metall rostet, das Glas ist trüb geworden. Das stört das Tropenklima. Im Sommer wird es unter dem Dach bis zu 50 Grad heiss. Im Winter muss der untere Teil zusätzlich beleuchtet werden, da zu wenig Tageslicht hineindringt. Empfindliche Tropenpflanzen wie die gewünschten Kannenpflanzen, die Dracula-Orchideen oder die Titanwurz gedeihen im Basler Tropenhaus deshalb nicht. Vor allem im Winter würden auch die robusten Arten unter den Klimabedingungen leiden. Nur in einem Bereich gibt es Entwarnung. Das gerostete Tropenhaus sei nicht einsturzgefährdet. Der Befund des Statikers, der alle zwei Jahre vorbeischaut: Von der Statik her sei die Konstruktion überdimensioniert.

Ein Architekturbüro hat im Auftrag der Universität neben einer Sanierung weitere Varianten geprüft: einen Neubau in gleichem sowie in grösserem Umfang. Die Evaluation hat ergeben, dass diese Varianten nicht viel teurer wären. Ein Neubau würde rund neun Millionen Franken kosten, mit Erweiterung rund zwölf Millionen. «Das wäre das Nonplusultra», sagt Univerwaltungsdirektor Christoph Tschumi. Über die kantonalen Mittel werde aber nur finanziert, was für Lehre und Forschung dringend notwendig sei. Das wäre der Betrag, der eine Sanierung verschlingen würde. Um einen Neubau zu finanzieren, sucht die Uni Sponsoren für die fehlenden zwei bis fünf Millionen Franken. «Es wäre schön, wenn das Tropenhaus die Universität und die Botanik auf eine attraktive Art repräsentieren könnte», wirbt Tschumi. Bis in einem Jahr möchte er die Finanzierung geklärt haben und einen Architekturwettbewerb ausschreiben. Baubeginn für einen Neubau wäre laut Tschumi frühestens 2016.

Die Besucherzahlen des Tropenhauses sind nicht bekannt, da der Eintritt frei ist. An einem normalen Samstag seien es ein paar hundert Leute, schätzt Obergärtner Erny. Diese Angaben dürften bei potenziellen Sponsoren noch keine Begeisterung auslösen. Doch der Botanische Garten hat einen Trumpf: Seit 2011 inszenierte er die Titanwurz als internationales Spektakel. Die Stinkblume lockte bisher 40 000 Leute an. Nun braucht sie mehr Platz. Der Botanische Garten hat sich ein Maskottchen für seine Ausbaupläne geschaffen.