Die Sparmassnahmen der Uni Basel fordern ein prominentes Opfer. Der Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik soll zu einer befristeten Assistenzprofessur herabgestuft werden. Das hat die Philosophisch-Historische Fakultät der Universität Basel entschieden. Die Fachwelt ist entsetzt, da es sich europaweit um einen der renommiertesten germanistisch-mediävistischen Lehrstühle handelt. Nun haben sich über zwanzig Professoren aus aller Welt zusammengetan, um mit einem Schreiben gegen die Entscheidung zu protestieren. Der offene Protestbrief ist an den Universitätsrat und das Rektorat der Universität Basel adressiert. Der Initiant des Protests ist Rüdiger Schnell. Der deutsche Philologe war von 1988 bis 2008 selbst Professor in Basel.

Plötzlicher Tod zur falschen Zeit

Schnell findet den jetzigen Entscheid der Fakultät, die Mediävistik-Professur herabzustufen «misslich und inakzeptabel, weil er sich einem Zufall verdankt». Auslöser war der plötzliche Tod des damaligen Professors Gert Hübner. Im Sommer 2016, nahm er sich im Alter von fünfzig Jahren das Leben. Weil der Kanton Basel-Land zu diesem Zeitpunkt die finanziellen Mittel kürzte, reagierte die Universität mit einem Ausschreibungsstopp für neue Stellen. Dieser dauerte mehr als ein Jahr. Jetzt wurde die vakante Stelle zwar ausgeschrieben, jedoch nicht als Ordinariat, sondern als befristete Assistenzprofessur.

Das beunruhigt Schnell und seine Kollegen. «Für unseren Lehrstuhl, insbesondere für die Ausbildung unserer Doktoranden, brauchen wir hoch qualifizierte Persönlichkeiten. Diese bewerben sich nicht auf eine befristete Assistenzprofessur», sagt Schnell. Er beklagt auch, dass sich die Uni hier einen «tragischen Zufall» zunutze macht: «Es war einfach unglücklich, dass gerade, als der Ausschreibungsstopp festgelegt wurde, in der Germanischen Mediävistik ein Ordinariat frei wurde. Es hätte jeden treffen können. Jetzt leidet ausgerechnet einer der renommiertesten Lehrstühle.»

Schnell beunruhigt der Gedanke, dass die Universität die Sparmassnahmen nach dem Prinzip des geringsten Widerstands durchführt. «Die Bedeutung scheint nicht zu zählen. Wenn in anderen Fällen ähnlich entschieden wird, sehe ich die Gefahr, dass das ganze Gebäude irgendwann zusammenkracht», sagt Schnell. Deswegen fordert er, dass der Universitätsrat die Professur «open-rank» ausschreibt. Das bedeutet, dass die Besoldung an die Qualität der zu berufenden Person angepasst wird und nicht vorbudgetiert ist.

Walter Leimgruber, der Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät, kann den Protest nachvollziehen. Er erklärt aber auch, dass die Sparauflagen der Regierung keine andere Lösung zulassen. «Wir sind gezwungen, innert drei Monaten eine Million einzusparen. Das geht nur über das Personalbudget», sagt Leimgruber. Aus Angst vor Rufschädigung will seine Fakultät niemanden entlassen. Deswegen wird vorerst nur bei der Wiederbesetzung freier Stellen gespart. Leimgruber gibt zu, dass dabei der Zufall eine grosse Rolle spielt. Für die Mediävistik spendet der Dekan aber Hoffnung: «Wir werden das Budget in den nächsten vier Jahren substanziell diskutieren und dann entscheiden, wo langfristig gespart wird. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die Mediävistik dann wieder aufgestuft.»