Die Juristische Fakultät wartet. Auf die Freigabe einer zweiten Assistenzprofessur für Gesundheits- und Spitalrecht. Die Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät wartet. Auf grünes Licht für Berufungen, welche für die nächsten zwei Jahre anstehen; die Stellen werden vorläufig nicht ausgeschrieben. Die Theologische Fakultät wartet. Auf einen definitiven Entscheid des Rektorates für ihren Entwicklungs- und Strukturplan.

Das Warten hat einen Grund: Die Universität Basel hat einen Ausgabenstopp verhängt, solange die Finanzierung der nächsten vier Jahre nicht geklärt ist. Die Regierungen der beiden Basel verhandeln derzeit mit den Uni-Verantwortlichen über das Globalbudget für die Jahre 2014 bis 2017. Es geht um die Frage, ob die Beiträge wieder erhöht werden. In der aktuellen Leistungsperiode sind es je rund 600 Millionen Franken, die Baselland und Basel-Stadt an die Universität zahlen.

Defensive Ausgabenpolitik

Das Rektorat bestätigt, dass alle Fakultäten in unterschiedlichem Umfang von der Vorsicht betroffen seien, welche die Universität bei budgetären Entscheidungen momentan walten lasse, die Verpflichtungen über das laufende Jahr hinaus nach sich ziehen. Mit «Vorsicht» ist gemeint, dass keine Professuren freigegeben werden, solange keine Klarheit über die langfristigen finanziellen Möglichkeiten besteht. Zwar verfolgte die Uni auch vor vier Jahren eine defensive Ausgabenpolitik, als die Beiträge für die laufende Leistungsperiode ausstanden. Allerdings herrscht in Baselland mittlerweile ein grosser Spardruck. Der Kanton hat sich selbst ein 180-Millionen-Sparpaket verordnet. Obwohl sich das Baselbieter Polit-Establishment zur Uni bekennt, ist auch dem Rektorat klar: Diesmal wirds eng. Der Rektor möchte die laufenden Verhandlungen nicht kommentieren.

Hinzu kommt, dass der Landrat in Kürze über den 158-Millionen-Kredit für das neue Biozentrum entscheiden wird, dem der Grosse Rat Anfang Februar zugestimmt hat. Die FDP Baselland hat bereits ihren Widerstand gegen das Projekt angekündigt. Sie wird erwartungsgemäss von der SVP alimentiert.

Zürcher Appell

Vor diesem Hintergrund gewinnt die nationale Diskussion um den Stellenwert von privatem Sponsoring an Universitäten auch in Basel an Brisanz. Vergangene Woche kritisierten 27 Wissenschafter in der Schweizer Ausgabe der «Zeit» die 100-Millionen-Spende der UBS an die Universität Zürich. Sie fürchten um die wissenschaftliche Unabhängigkeit. Der sogenannte Zürcher Appell löste ein grosses Echo aus. Der Ökonom Ernst Fehr, Vorsteher des Institutes für Volkswirtschaft an der Universität Zürich und Empfänger der Spende, verbrachte vergangene Woche damit, das grosszügige Geschenk zu legitimieren. Fehr verteidigte sein UBS International Center of Economics in Society gegen die Buhrufe seiner Forscherkollegen.

Anteil privater Gelder wird grösser werden

Nun erhält Fehr Unterstützung von einem prominenten Kollegen: Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel und Vorsteher der Schweizerischen Universitätsrektorenkonferenz, distanziert sich ebenfalls vom Zürcher Appell. Der Ägyptologe formuliert seine Kritik gegenüber dem «Sonntag» so: «Wir Humboldtianer glauben mehr oder weniger explizit, dass Geld, das wir von der öffentlichen Hand beziehen, uns freier macht als jenes, das von privater Seite investiert wird.» Diese Annahme betreffe allerdings «unseren Glauben, nicht unser Wissen». Die Kritik der Wissenschafter könne er nachvollziehen, indem er sie «kulturhistorisch» verorte, sagt Loprieno. Er verstehe, von welchen Idealen sie getrieben werde. «Ich persönlich», erklärt der Rektor, «hege für diese Ideale zwar eine nostalgische Sympathie.» Er könne sich heute allerdings nicht mehr dazu bekennen. Loprieno grenzt sich von den Unterzeichnern des Appells klar ab: «Mein Wissen hat sich von dem Glauben, der dem Zürcher Appell zugrunde liegt, weltanschaulich distanziert.» Der Rektor ist sich sicher, dass der Anteil von privaten Geldern an der Finanzierung der europäischen Universitäten zunehmen wird.

Öffentliche Hand kann nur einen Teil der Kosten übernehmen

Er begründet dies damit, dass die öffentliche Hand nur einen Teil der Kosten, die das Wachstum im universitären Bildungswesen verursacht, übernehmen könne. Deshalb müsse sich der private Sektor in Zukunft noch mehr engagieren. Loprieno betont aber auch: Eine Zunahme von Drittmitteln dürfe nicht zu einer Reduktion der Beiträge der öffentlichen Hand führen. Die Unabhängigkeit der Unis sehen die Kritiker des Zürcher Appells auch aufgrund der fehlenden Transparenz in Zusammenhang mit privaten Spendengeldern gefährdet. Das bestätigt sich in Basel: Eine Liste von gesponserten Professuren ist nicht vorhanden. Der Rektor bestätigt einzig, dass es rund 25 Professuren gibt, bei denen private Finanzierung eine Rolle spiele. Zu den Geldgebern gehören Novartis, die Wirtschaftsprüfer PwC oder Maja Oeris Laurenz-Stiftung. Loprieno sagt, es sei durchaus denkbar, dass in Basel künftig eine Einheit oder Infrastruktur nach einem privaten Mäzen benannt wird. Theoretische Grenzen des Sponsorings seien schwierig zu definieren. Man müsse von Fall zu Fall entscheiden. Eine unverrückbare Regel gebe es allerdings: die autonome Entscheidung der Universität in akademischen Belangen. Zumindest darin scheinen sich Uni und Trägerkantone einig.