Uni Basel

Die Uni wird für die Trägerkantone zur grossen Last

Der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich steht vor harten Verhandlungen um die Zukunft der Universität.

Der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich steht vor harten Verhandlungen um die Zukunft der Universität.

Die neue Strategie der Universität Basel ist bekannt. Die sechs Schwerpunkte dürften noch mehr kosten. Je 600 Millionen Franken waren es in den letzten vier Jahren. Tendenz: steigend. Die Stimmen, die warnen, werden lauter.

Es klang beinahe euphorisch. Die Regierungen der beiden Basel wollen die Strategie der Universität durch eine «deutliche Steigerung des Trägerbeitrages» in der nächsten Leistungsperiode unterstützen, teilten die Bildungsdirektoren Christoph Eymann (LDP) und Urs Wüthrich (SP) mit. Das war 2009.

In den nächsten Wochen befassen sich die Regierungen der beiden Trägerkantone damit, wie viel sie zwischen 2014 und 2017 an die Uni zahlen. Je 600 Millionen Franken waren es in den letzten vier Jahren. Tendenz: steigend. Die Uni will expandieren. Und sich inhaltlich weiterentwickeln.

Die Strategie 2014 steht fest. Die neuen Schwerpunkte, die «Der Sonntag» vergangene Woche publik machte, sind Narrativität, European and Global Studies, Life Sciences, Nanowissenschaften, Nachhaltigkeit und Energieforschung sowie Bildwissenschaften. Die sechs Themenbereiche ersetzen Kultur und Life Sciences. Rektor Antonio Loprieno bestätigte die entsprechenden Informationen. Mehr will er derzeit nicht sagen. Auch der Präsident des Universitätsrates, Ueli Vischer, mag sich nicht äussern. Die Angelegenheit ist delikat. Im Zusammenhang mit der neuen Strategie reicht die Uni bis Ende Jahr den Antrag für die Globalbeiträge ein.

Das Problem: Der Spardruck in Baselland ist hoch. Bildungsdirektor Urs Wüthrich sagt zwar gegenüber dem «Sonntag», dass er voll hinter der neuen Strategie mit den drei natur- und den drei geisteswissenschaftlichen Schwerpunkten stehe, die der Universitätsrat verabschiedet habe. Wie die Regierung darauf reagieren werde, sei aber völlig offen. Von der Erhöhung der Beiträge bis zur Kündigung des entsprechenden Staatsvertrages sei alles möglich.

Basel-Stadt und Baselland unterzeichneten 2006 einen Vertrag «über die gemeinsame Trägerschaft der Universität Basel». Im Wesentlichen beinhaltet dieser, dass die beiden Basel die Uni zu gleichen Teilen finanzieren. Baselland und Basel-Stadt sind die Hauptfinanzierer der Uni. Und dabei wird es wohl auch bleiben.

Zwar ist in der Vereinbarung festgehalten, dass die Vertragskantone eine «Erweiterung der Trägerschaft der Universität anstreben». Zu einem Ergebnis hat dieser Passus bisher aber nicht geführt. Und es deutet auch nichts darauf hin, dass aus der Universität Basel in absehbarer Zeit eine Universität Nordwestschweiz wird.

Der Bund hat zwar Ende September eine Erhöhung der Förderbeiträge an die ETH und die Universitäten beschlossen. Diese werden allerdings zweckgebunden für Forschungsprojekte eingesetzt. Und auch aus Deutschland kommen negative Signale: Das Hauptherkunftsland der ausländischen Studierenden will nicht für sie bezahlen.

Die finanzielle Belastung bleibt bei den Kantonen. In Baselland mehren sich die Stimmen, die warnen, der Kanton könne sich die Uni so nicht leisten. Sollte Baselland den Geldhahn zudrehen, hätte auch Basel-Stadt ein massives Problem. Erziehungsdirektor Christoph Eymanns etlichen Warnrufen ist Nervosität zu entnehmen.

Theoretisch kann Baselland den Staatsvertrag auf Ende der nächsten Leistungsperiode, also auf 2017, kündigen und als Trägerkanton aussteigen. Eine Option, die Bildungspolitiker Karl Willimannn (SVP) in Betracht zieht. Er glaubt aber nicht, dass sich dafür eine Mehrheit finden lässt. Aus CVP- und FDP-Kreisen ist denn auch zu vernehmen, dass eine Kündigung keine Option sei. Der grossen finanziellen Belastung ist man sich aber bewusst.

FDP-Landrat und Bildungskommissions-Mitglied Michael Herrmann sagt: «Die Uni muss ihre Strategie grundsätzlich selbst festlegen.» Langfristig stelle sich aber schon die Frage, ob sich Baselland noch eine Volluniversität leisten könne. GLP-Landrat Hans Furer, ebenfalls Mitglied der Bildungskommission, betont die Wichtigkeit der Universität. Auch er sagt aber: «Ich kann nicht beurteilen, ob die neue Strategie richtig, ist. Ich muss einfach schauen, ob Baselland sich diese leisten kann.»

Pech für die Uni, Glück für die Sparpolitiker: Gleichzeitig mit dem Antrag des Universitätsrates für die nächsten Globalbeiträge sollten bis Ende Jahr bei der Regierung die Ergebnisse der Arbeitsgruppe eintreffen, welche die Staatsverträge zwischen den beiden Basel auf Sparpotenzial prüft. Es ist kein Geheimnis, dass ein Hauptaugenmerk auf demjenigen zur Uni liegt.

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