Der Beginn war eine Revolution: Als 1994 die Offene Kirche Elisabethen gegründet wurde, sorgte das für Verwunderung. Zu überraschend war ihr Angebot, zu modern die Festmusik. Im Oktober 1994 segnete Pfarrer Hansruedi «Felix» Felix zum ersten Mal in der Basler Geschichte Katzen, Kanarienvögel, Hunde und Goldhamster. Der Spott war ihm gewiss – und verhalf ihm zu zweifelhaftem Ruhm.

An der Fasnacht wurde er zu einem beliebten Schnitzelbank-Sujet. «Dä Tier-Gottesdienscht isch is sehr gläge ko / mir hänn dr Wällesittig mit is gno / und wo mer en denn wider uusetrage / ka dr Goggeli wunderscheen ‹Amen› sage», dichtete die Kaffimihli im März 1995.

Der Bruch mit der Tradition war für die Offene Kirche Stolperstein und Erfolgsrezept zugleich. Ein eigenes Café in einer Kirche? Damals noch schweizweit ein Affront. Von alledem unbeeindruckt setzte Pfarrer Hansruedi Felix seine Ideen um – und etablierte damit schweizweit die erste Kirche dieser Art: ohne feste Gemeinde, dafür mit einem Angebot, das übers Spirituelle hinausging.

Der heute 62-Jährige war der innovative Gestalter hinter der Offenen Kirche. «Ich hatte das Glück, mit einem offenen Vorstand zu arbeiten. Wir hatten den Mut, Dinge auszuprobieren, die es in der Schweiz so noch nicht gab.» Unter Felix organisierte die Offene Kirche von Beginn weg Gottesdienste für Homosexuelle und integrierte eine handauflegende Heilerin in ihr Angebot. Immer wieder eckte Felix mit seinen Ideen an. Nicht immer konnte er die Kritik einfach wegstecken.

Besonders schmerzlich sei die Ablehnung aus den Reihen der Evangelikalen gewesen, sagt der Pfarrer rückblickend: «Es hat mich verletzt, dass uns der evangelikale Flügel der Kirche nicht geglaubt hat, dass wir missionarisch und fromm sind.» In unzähligen Leserbriefen seien er und sein Team angegriffen worden.

Auch mit der Denkmalpflege hatten Felix und sein Team zu kämpfen. Und auch hier wusste sich der Rock n’Roller zu helfen: Die Bar baute er auf Rollen und entging so den Vorlagen der Denkmalpflege. Bei den Kirchbänken einigten sich die Beteiligten auf einen Kompromiss und liessen schlussendlich nur drei Reihen bestehen.

Zu schräg fürs Münster

Heute predigt Felix in St. Gallen. Nach mehr als zwanzig Jahren in der Offenen Kirche Elisabethen hatte er Lust, einmal «das klassische Handwerk» auszuüben. «In Basel hätte ich aufgrund meines Rufs nicht plötzlich Münsterpfarrer werden können.» Trotz seines Abgangs: Der Gründungsgedanke Felix’ lebt in der Offenen Kirche Elisabethen weiter.

Heute ist sie mehr denn je ein Veranstaltungsort: für Konzerte, Podiumsdiskussionen und den Austausch unter Geflüchteten. Zum Jubiläumsprogramm haben die Verantwortlichen die junge amerikanische Star-Pastorin Nadia Bolz-Weber eingeladen, die mit ihren Tattoos für eine neue Generation Geistlicher steht. Der klassische Weg ist auch den heutigen Leitern Frank Lorenz und Monika Hungerbühler zu einfach.

   

«Frisch und weise» Theologisches Wochenende in der Offenen Kirche Elisabethen, vom 26. bis zum 28. April. www.jubilaeum.offenekirche.ch