Velofreundliche

Die Velostadt Basel irgendwo zwischen Dr. Jekyll und Mister Hyde

Mikael Colville-Andersen bei seinem ersten Besuch in Basel im November 2013. BZ ARCHIV

Mikael Colville-Andersen bei seinem ersten Besuch in Basel im November 2013. BZ ARCHIV

Am Eco Naturkongress urteilt der dänische Velo-Papst Mikael Colville-Andersen über Basel. Er sieht in der ganzen Stadt gute Ansätze. Doch das Problem ist, «dass nach den wunderbaren Abschnitten gleich grauenhafte Teile folgen.

«Das Rezept ist, Autofahren zu einem ‹Pain in the ass› zu machen», sagt Mikael Colville-Andersen, dänischer urbaner Mobilitäts-Experte. Zu Deutsch: Autofahren muss unangenehm werden. Oder wörtlich: Autofahren soll im Hintern schmerzen.

Colville berät mit seiner Firma Copenhagenize.eu Städte weltweit, wie sie velofreundlicher werden können. Bereits Ende letzten Jahres besuchte er Basel (bz berichtete). Auf einer 90-minütigen Tour durch die Stadt besuchte er neuralgische Orte und machte sich ein Bild von der angeblichen Velo-Stadt Basel. Das damalige Fazit: Basel hat zu wenig Platz für Fahrräder. Fakt ist aber, dass «Automobile in den grossen Städten unserer Zeit keinen Platz mehr haben», zitiert Colville den amtierenden Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë.

Genau für diese Umsetzung ist Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, zuständig. Und Wessels ist sich dessen bewusst: «Wir wissen genau, was wir zu tun haben.» Eines der wichtigsten Projekte ist es, die Innenstadt fussgänger- und velofreundlicher zu gestalten. Hinzu kommt die Einführung von bis zu 50 zusätzlichen Tempo-30-Strassen und diversen neuen Begegnungszonen.

Der Hauptansatzpunkt von Colville ist jedoch ein anderer: die sogenannte Platzumverteilung. Vorhandener Platz, der vorwiegend von Autos benutzt wird, soll in Velowege umfunktioniert werden. «Niemand kann behaupten, eine Stadt wie Basel habe nicht genügend Platz für gut konzipierte Velowege. Es ist eine Frage der Verteilung, bei der man Prioritäten setzen muss für effizientere Fortbewegungsmittel wie Velos», erklärt Colville.

Ein Ort, an welchem genau dieses Konzept zeitnah umgesetzt wird, ist die Elisabethenstrasse. «Diese Strasse ist sehr eng. Da sie aber eine sehr wichtige Veloachse ist, wird dort bald ein Umbau beginnen», so Wessels. Die zweispurige Strasse wird so umgebaut, dass Autos nur noch in eine Richtung, Trams und Velos aber immer noch in beide Richtungen verkehren dürfen. «Das ist der richtige Ansatzpunkt», sagt Colville erfreut.

Basel im Vergleich weit voraus

Sowieso ist für den in der kanadischen Presse als «Papst des Urban Cycling» bezeichneten Colville Basel keine hoffnungslose Stadt. Ganz im Gegenteil. «In Basel benutzten 16 Prozent der Bevölkerung das Velo als Fortbewegungsmittel. Damit ist Basel anderen Städten weit voraus». In der ganzen Stadt hat es gute Ansätze, wie Colville sagt. Doch das Problem ist, «dass nach den wunderbaren Abschnitten gleich grauenhafte Teile folgen. Es ist ein wenig wie bei Dr. Jekyll und Mister Hyde.» Basel ist wie ein Puzzle, bei dem die richtigen Teile noch zusammengefügt werden müssen, zieht Colville einen Vergleich. «Mit der guten vorhandenen Grundlage wird die Herausforderung für Basel nicht so gross sein wie in anderen Städten, die alles aus dem Boden stampfen mussten.»

Auch wenn Basel auf einem guten Weg ist, empfiehlt Colville, andere Städte, die bereits weiter sind und eine Leader-Rolle übernommen haben, zu besuchen und daraus zu lernen. «Solche Besuche sind sehr wertvoll, weil die Städte mit denselben Problemen zu kämpfen hatten. Man lernt nur, wenn man sich umschaut auf der Welt», weiss Colville. Ähnlich wie die Reise Wessels in Stockholm zur Begutachtung des dortigen Herzstücks, soll er in Zukunft also auch Velo-Städte wie Amsterdam oder Kopenhagen besuchen. Den Vorschlag, die Stockholm-Reise gleich mit einem Abstecher ins Nachbarland zu verbinden, lehnte Wessels lachend ab. «Wir haben einen Direktflug nach Stockholm gebucht, und belassen es auch dabei. Sonst gibt es nur wieder einen neuen Skandal.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1